Mittwoch , 28. September 2016
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Foto: Symbolbild/be
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Kaltenmoorer Mord-Prozess: Ein Zeuge unter Tatverdacht

rast Lüneburg. Beim Geschehen am 3. Mai 2014 in Kaltenmoor sieht die 4. Große Strafkammer am Landgericht in Martin M. eine Schlüsselfigur, der Vorsitzende Richter Franz Kompisch bezeichnete ihn als einen der „wichtigsten Zeugen“ in diesem Prozess. Als sich der 24-Jährige gestern in Saal 21 in den Zeugenstuhl gesetzt hatte, belehrte der Vorsitzende ihn natürlich auch mit dem Hinweis, dass er Fragen, deren Antworten ihn selbst belasten könnten, nicht beantworten muss. „Ich will gar keine Aussage machen“, sagte M., worauf Kompisch feststellte: „Ich sehe keine Möglichkeit, Fragen zu stellen, bei der es keine belastenden Antworten geben könnte.“ Der Kurzauftritt von M. war beendet. Allerdings laufen die Ermittlungen in diesem Mordfall gegen ihn weiter.

In der Hauptverhandlung hatten bereits mehrere Zeugen geäußert, Martin M. gemeinsam mit den beiden Angeklagten und dem Mordopfer kurz vor der Tat am 3. Mai gesehen zu haben. Die Anklage wirft den Angeklagten Andreas B. (31) und Andrej K. (41) vor, den 34 Jahre alten Karl S. in einer Wohnung an der Wilhelm-Leusch­ner-Straße geschlagen und getreten, seine Kehle aufgeschnitten und ihm drei Stiche in die Brust gesetzt zu haben. Laut Akten wurde die Leiche dann verschnürt, in Bettzeug verpackt und mit einem Einkaufswagen in das nahe Wäldchen gebracht und verbrannt. Den Haftbefehl gegen B. hatte die Strafkammer bereits im Dezember aufgehoben, sie sieht bei ihm keinen dringenden Tatverdacht mehr.

Martin M. hatte der Polizei ein Alibi serviert, er habe mit einem Bekannten und zwei jungen Frauen bis spät in die Nacht in der Wohnung des Bekannten getrunken und Fernsehen geschaut. Allerdings hatten die jungen Frauen schon bei der Polizei diese zunächst auch von ihnen aufgetischte Darstellung widerrufen: Martin M. habe die Wohnung bereits gegen 22.45 Uhr alleine verlassen. Ein Hausmeister hatte das Mordopfer noch gegen 20.30 Uhr lebend in Kaltenmoor gesehen. Eine der beiden Zeuginnen, eine 16-Jährige, erzählte der Polizei, bei einem späteren Treffen mit M. in der Stadt habe er ihr klar gemacht, sie solle das so sagen, sonst würde er in die Geschichte mit reingezogen. Am vergangenen Dienstag vor Gericht allerdings kehrte sie zu ihrer ursprünglichen Version zurück, woraufhin der Staatsanwalt ihr Post ankündigte: eine Klage wegen Falschaussage.

Da M. gestern schwieg, bleibt auch unklar, ob eine Messerstecherei am Abend des 20. November 2014, an der mehrere Zeugen aus dem Prozess beteiligt waren, etwas mit dem Mord zu tun haben könnte. Nach Polizeidarstellung war der 24-Jährige mit zwei Kumpanen in eine Wohnung im Hochhauskomplex an der Leuschner-Straße eingedrungen und dort auf vier Männer losgegangen. Plötzlich kam eine Stichwaffe ein an einem Besenstil befestigtes Messer ins Spiel. Martin M. wurde damit getroffen, verbrachte längere Zeit im Klinikum und musste anschließend in eine Reha-Maßnahme.