Mittwoch , 28. September 2016
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Prost Neujahr: Mit den Ochtmisser Neubürgern Cira Winzer und Marius Altheide stießen Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (l.) und Ortsbürgermeister Jens-Peter Schultz an. Foto: be
Prost Neujahr: Mit den Ochtmisser Neubürgern Cira Winzer und Marius Altheide stießen Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (l.) und Ortsbürgermeister Jens-Peter Schultz an. Foto: be

Neujahrsempfang in Ochtmissen: Osterfeuer soll weiter bestehen

mm Lüneburg. Sorge gab es in Ochtmissen: Das traditionelle Osterfeuer könnte in diesem Jahr ausfallen. Seit 15 Jahren loderte es am Ostersonnabend immer an gleicher Stelle hinter dem OSV-Sportplatz. Nun aber regte sich Widerstand, der Abstand von Feuerstelle und umstehenden Bäumen sei zu gering, hieß es. Dieser muss 25 Meter betragen. Nachmessungen zeigten, dass die Distanz tatsächlich nicht eingehalten wurde. Daraufhin fürchteten einige Ochtmisser Bürger, in diesem Jahr könnte das Osterfeuer abgeblasen werden. „Wir lassen uns das Feuer aber nicht einfach so kaputt machen“, erklärte Bürgermeister Jens-Peter Schultz (SPD) gestern beim Neujahrsempfang in der OSV-Gaststätte „Zum Wikinger“ an der Vögelser Straße.

Jedes Jahr kämen zwischen 600 und 800 Bürger zum traditionellen Osterfeuer. Und nun sollte es nicht brennen? Das konnte der Ortsvorsteher nicht hinnehmen. „Wir machen ein Osterfeuer, egal wie wir es nennen, zur Not auch ohne Genehmigung“, sagte Schultz. Und er hatte auch eine Lösung parat. Denn nun sollte das Osterfeuer auf einer freien Fläche zwischen Schützenheim und Sporthalle entfacht werden, die Feuerstelle wurde schon ausgehoben. „Vielleicht haben wir jetzt aus der Not heraus eine bessere Lösung gefunden“, erklärte Schultz.

Nach Lösungen müsse auch gesucht werden, um den internationalen Terrorismus islamistischer Strömungen einzudämmen. „Wir schauen fassungslos auf Paris, sind erschrocken“, sagte Schultz. Jetzt müssten die Menschen zusammenrücken und gemeinsam versuchen, gegen den Wahnsinn zu arbeiten. „Das können wir nicht allein in unser Ortsschaft, so weit können wir nicht reichen, aber wir können im Kleinen beginnen“, sagte Schultz.

Entsprechend müsste das Zusammenleben in der Ortsschaft gestaltet werden. Darin einbinden möchte Schultz auch Neubürger, wie jene am Ochtmisser Kirchsteig. Dort sind in einer Containerunterkunft derzeit 50 Flüchtlinge, größtenteils Männer aus Syrien, untergebracht. Noch ist Platz für 50 weitere Asylbewerber. Insgesamt könnten nach Einschätzung von Oberbürgermeister Ulrich Mädge bis Ende des Jahres etwa 1000 Flüchtlinge in Lüneburg leben. „Um sie alle zu unterstützen, brauchen wir Menschen, die Sprachkenntnisse und damit auch unsere Werte vermitteln“, sagte Mädge bei seiner Ansprache. In Ochtmissen gäbe es ein breites Hilfsangebot von Bürgern, verdeutlichte Schultz. Sie seien bereit, Möbel, Kleidung oder auch Fahrräder abzugeben. Ebenso seien die Vereine und Verbände um Einbindung der Flüchtlinge bemüht. Einige Syrer konnten schon das Sportangebot nutzen. Neu ist beim OSV die Schachsparte. Zum gemeinsamen Spielen wurden bereits Syrer eingeladen.

Es kommen aber nicht nur Menschen in die Ortschaft, einige ziehen auch weg. „Jedes Jahr verlassen etwa 200 Menschen Ochtmissen“, stellte Schultz fest. Doch genauso viele zögen neu hinzu. Und einige Neubürger folgten der Einladung zum Neujahrsempfang. Wie Cira Winzer und ihr Lebensgefährte Marius Altheide. Im August sind sie aus Bielefeld nach Ochtmissen umgesiedelt. Der Umzug hatte für beide berufliche Gründe. Er ist Soldat und jetzt in Munster stationiert, sie arbeitet als Erzieherin in Lauenburg. Als Wohnort einigten sich die beiden 24-Jährigen auf die ungefähre Mitte: Lüneburg. In der Stadt hätten sie aber keine Bleibe gefunden, dafür in Ochtmissen. „Uns gefällt hier besonders die Ruhe, die familienfreundliche Umgebung und die freundschaftliche Nachbarschaft“, sagt Marius Altheide.