Dienstag , 27. September 2016
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Den Berufswunsch Fotografin hat Luise Kreit (r.). Sie ließ sich von Delia Ballerstaedt, Auszubildende beim Lüneburger Versandhändler Deerberg, Funktionen an einer Spiegelreflexkamera erklären. Foto: t&w
Den Berufswunsch Fotografin hat Luise Kreit (r.). Sie ließ sich von Delia Ballerstaedt, Auszubildende beim Lüneburger Versandhändler Deerberg, Funktionen an einer Spiegelreflexkamera erklären. Foto: t&w

Bewerber dringend gesucht – 80 Unternehmen bei Ausbildungsbörse von Arbeitsagentur und Jobcenter

mm Lüneburg. Schon mit sechs Jahren hält Luise Kreit ihre erste eigene Kamera in der Hand, jetzt möchte die 16-Jährige Fotografin werden. Für ihren Berufswunsch sucht sie nach einem geeigneten Ausbildungsplatz. Fündig wird die Realschülerin am Sonnabend bei der Ausbildungsbörse „Azubi gesucht Nutze Deine Chance!“, organisiert von der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen und dem Jobcenter.

In den Räumen der Arbeitsagentur und im Foyer des Lüneburger Theaters präsentieren sich 80 Aussteller. Die Unternehmen suchen zum Ausbildungsstart im Spätsommer noch zahlreiche Nachwuchskräfte. „Es sind noch jede Menge Ausbildungsplätze ab dem 1. September zu besetzen“, sagt Bernd Passier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen. Über 500 Lehrstellen seien derzeit offen. Doch: „Manche Unternehmen und kleinere Betriebe können die von ihnen angebotenen Lehrstellen nicht mehr passend besetzen.“ Passier nennt einige Gründe: „Weil manche Schulabgänger nicht die nötigen Mindestanforderungen mitbringen, weil fehlende Mobilität eine Rolle spielt oder es überhaupt an Interessenten mangelt. Der demografische Wandel, aber auch der Trend zu immer höheren Schulabschlüssen und zum Studium lassen grüßen“, sagt er.

Bei der Azubi-Börse können sich Bewerber und Firmen beschnuppern. An den Ständen informieren Azubis über ihre Arbeitgeber. Auch in der Ecke des Versandhändlers Deerberg dem Unternehmen für Luise Kreit. Dort werden Fotografen und Mediengestalter gesucht. „Mir macht es Spaß, zu fotografieren und Seiten im Internet zu gestalten“, erzählt Luise. Bilder knipst die Zehntklässlerin auf Familienfeiern, gern fotografiert die Lüneburgerin Sehenswürdigkeiten, hat auch schon Mode-Shootings gemacht. Ideale Voraussetzungen.

Die hat auch Lennard Bußmann. Der 20-Jährige ist sportlich, geht regelmäßig Joggen und ins Fitnessstudio. Deshalb schaut er am Stand vom „Salü Salztherme Lüneburg“ vorbei. Azubi Kevin Speer zeigt ihm gleich einige Schwimmübungen mit Pool-Nudeln und Schaumhanteln. „Für den Job muss man kein Profischwimmer sein, aber man wird es“, erklärt Kevin Speer. Der 23-Jährige macht im Salü eine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe. Er begleitet unter anderem Kurse wie Aqua Fit oder Seniorengymnastik, ist zuständig für Saunabereich und Technik. Für Lennard Bußmann kommt der Job aber nur bedingt in Frage: „Wenn der Job etwas sportlicher ist, habe ich eigentlich nichts dagegen“, sagt er. Doch lieber würde er erstmal studieren, deshalb informiert sich Lennard auch bei Unternehmen, die eine duale Ausbildung anbieten.

Eine andere Anlaufstelle hat Marvin Post. Er interessiert sich für eine Beamtenlaufbahn beim Zoll. „Die Aufgaben sind nicht uninteressant und breit gefächert. Außerdem sitzt man nicht den ganzen Tag nur im Büro“, sagt der 19-Jährige. Überrascht sei er, wie viele Spezialeinheiten es beim Zoll letztlich gebe. Er habe sich auch bei der Bundespolizei in Bremen, Schleswig-Holstein und Hamburg beworben, wurde dort auch zu Tests eingeladen.

Wo er sich bewerben möchte, das weiß Sven Volkmann noch nicht. Ein kaufmännischer Beruf käme in Frage, aufgehalten wird der 19-Jährige am Stand von Frerichs-Glas. Das Unternehmen mit Standorten in Lüneburg und Verden bietet Ausbildungsstellen für Indus­triekaufleute, Elektroniker und Flachglasmechaniker. Über die Arbeit informieren Azubis für Flachglasmechanik. „Wir bearbeiten, schleifen, polieren, bohren und schneiden Glasplatten zu“, sagt Malte Zahn. Viele hörten davon zum ersten Mal, seien dann aber sehr angetan. Manche Glastafeln würden per Hand zugeschnitten, andere aber auch computergesteuert.

Ab zum Azubi-Speed-Dating. Hier sitzen sich Bewerber auf Personaler direkt gegenüber, die Berufsanwärter haben wenige Minuten Zeit, sich vorzustellen und ihre Bewerbungsmappe abzugeben. 30 Ausbildungsbetriebe nutzen die Gelegenheit, um geeignete Bewerber zu finden.

Das gelingt auf dem umkämpften Bewerbermarkt nicht jedem Unternehmen. „Manche Arbeitgeber ziehen sich enttäuscht aus der Ausbildung zurück. Dies kann jedoch nicht der Weg sein. Im Gegenteil: Unternehmen müssen noch viel stärker die Attraktivität der dualen Ausbildung bewerben, Karrierewege aufzeigen und sich auch um Bildungsschwächere kümmern. Denn die fehlenden Azubis von heute sind der Fachkräftemangel von morgen“, sagt Passier. Hohen Bedarf sieht er in der Pflege, dem Nahrungsmittelhandwerk und gewerblich-technischen Berufen wie in der Metall- und Elektroindustrie.

Top Ten der Ausbildungsberufe 2013/2014
Die zehn meistgewählten Ausbildungsberufe im Bereich der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen im Berichtsjahr 2013/14:
Kaufmann/-frau im Einzelhandel 113
Verkäufer/in 60 Bürokaufmann/-frau 53
Medizinische/r Fachangestellte/r 53
Industriekaufmann/-frau 45
Kfz-Mechatroniker Pkw-Technik 41
Sport- und Fitnesskaufmann/-frau 30
Kaufmann/frau Groß-/Außenhandel 29
Tischler/in 28
Verwaltungsfachangestelle/r Kommunalverwaltung 28
übrige Berufe 904