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In der engen Altstadt von Lauenburg hatte die Feuerwehr während des Großeinsatzes am Sonntagabend mit Platzproblemen zu kämpfen. Die Drehleitern konnten nur mit Mühe aufgestellt werden. Foto: tja
In der engen Altstadt von Lauenburg hatte die Feuerwehr während des Großeinsatzes am Sonntagabend mit Platzproblemen zu kämpfen. Die Drehleitern konnten nur mit Mühe aufgestellt werden. Foto: tja

Feuer in der Lauenburger Altstadt: „Lage ist ein Albtraum“

tja Lauenburg. Nur knapp ist Lauenburgs Altstadt am späten Sonntagabend einer größeren Brandkatastrophe entgangen: Im Dachstuhl eines mehr als 300 Jahre alten Fachwerkhauses an der Elbstraße war aus noch ungeklärten Gründen ein Feuer ausgebrochen. „Als wir am Einsatzort waren, schlugen die Flammen hell aus dem Dachstuhl, sodass wir gleich zwei weitere Löschzüge mit zwei zusätzlichen Drehleitern aus Geesthacht und Schwarzenbek alarmiert haben“, berichtete Einsatzleiter Lars Heuer. Schließlich bekämpften etwa 120 Feuerwehrleute aus sieben Wehren den Brand, der Teile des Dachstuhls eines Mehrfamilienhauses zerstörte. Bei dem Einsatz wurde ein Feuerwehrmann an der Hand verletzt.

Mehr als 20 Notrufe, sogar aus Hohnstorf, ließen am Sonntagabend Schlimmes befürchten. Das Feuer war weithin sichtbar, der Rauch zog bis zum Schloss hoch. Dennoch ist Lauenburg mit einem blauen Auge davongekommen. Zu verdanken ist das der „günstigen“ Uhrzeit: Der Brand wurde frühzeitig bemerkt, zudem waren sofort ausreichend Feuerwehrleute verfügbar.

Gegen 19.30 Uhr war das Feuer ausgebrochen. In dem über Jahrhunderte ausgetrockneten alten Gebälk fand das Feuer schnell Nahrung. „Als wir am Einsatzort waren, sind wir sofort ins Haus, um einen Innenangriff aufnehmen zu können. Parallel dazu haben wir weitere Zugangsmöglichkeiten, die in der engen Bebauung immer schwierig sind, erkundet“, sagte Feuerwehrchef Heuer.

Durch einen Gang zwischen dem Haus zum Nachbarn konnte über dessen Terrasse per Leiter das brennende Dach erreicht werden. Vom Kirchplatz aus brachten Lauenburgs Feuerwehrleute ihre Drehleiter in Stellung. Die aus Geesthacht angeforderte Drehleiter wurde in der Elbstraße aufgestellt, die Schwarzenbeker Drehleiter am Schüsselteichplatz in Bereitstellung genommen.

Im Inneren des Hauses hatten die Feuerwehrleute damit zu kämpfen, einen Zugang zum Dachboden zu finden. „Wir haben die Holzdecke schließlich mit einer Säge geöffnet“, sagte Heuer. Die Nachbarhäuser wurden unterdessen von Feuerwehrleuten und Polizisten evakuiert. Wer nicht bei Freunden Unterschlupf fand, konnte sich bei den eisigen Temperaturen in einem auf dem Kirchplatz bereitgestellten Bus aufwärmen.

„Die Lage hier ist ein Albtraum“, beurteilte Heuer die Situation. „Ich möchte gar nicht dran denken, wie das wäre, wenn wir so etwas während eines Hochwassers hätten“, sagte er. „So ein Feuer in der Altstadt ist wegen der dichten Bebauung und der Bauweise mit viel Holz sowie zahlreichen Umbauten über die Jahrhunderte für uns immer der schlimmste anzunehmende Fall“, erklärte Heuer. Der Wehrführer ließ deshalb gleich 30 Menschen aus angrenzenden und gegenüber stehenden Häusern evakuieren. Kinder wurden von den Eltern aus den Betten geholt und mit ihren Kuscheltieren in Sicherheit gebracht.

Ein Bild vor Ort machte sich auch Lauenburgs Bürgermeister Andreas Thiede. „Ich bin froh, dass wir es hier nur mit Sachschaden zu tun haben“, sagte der Rathauschef. Voll des Lobes war er für die Altstadt-Gemeinschaft: „Der Zusammenhalt hier in der Altstadt ist vorbildlich. Da wurden sofort Nachbarn aufgenommen und Hilfe angeboten.“ Insgesamt dauerte der abendliche Einsatz rund drei Stunden.