Donnerstag , 29. September 2016
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Die Sparkassenvorstände Thomas Piehl (l.) und Karl Reinhold Mai rahmen den Gastredner Timm Kröger ein. Foto: t&w
Die Sparkassenvorstände Thomas Piehl (l.) und Karl Reinhold Mai rahmen den Gastredner Timm Kröger ein. Foto: t&w

ZDF-Korrespondent zu Gast bei Neujahrsgespräch der Sparkasse Lüneburg

us Lüneburg/Adendorf. Misswirtschaft, Reformstau, Korruption, soziale Spannungen, Bildungsnotstand, Arbeitslosigkeit es steht nicht gut um das Land am Kap der Guten Hoffnung. „Südafrika macht eine sehr schwierige Phase durch, aber es gibt auch Positives zu berichten.“ Diese Botschaft übermittelte Timm Kröger, Südafrika-Korrespondent und Leiter des ZDF-Studios in Johannesburg, beim Neujahrsgespräch der Sparkasse Lüneburg. Vor den rund 300 Gästen im Adendorfer Castanea Resort Hotel beschrieb Kröger die aktuelle Situation des Landes, das vor mehr als 20 Jahren die Rassentrennung überwand, die Demokratie einführte und auf gutem Weg war, die von vielen erhoffte Regenbogennation zu werden.

Südafrika war nach China, Brasilien und Indien das vierte Land, dem sich die Sparkasse Lüneburg in ihrer Themenreihe über die BRICS-Staaten widmete, zu denen auch Russland gehört. Sie gelten als aufstrebende Volkswirtschaften mit Zuwachsraten bei der Wirtschaftsleistung von bis zu zehn Prozent, Südafrika wurde 2011 als fünftes Mitglied dieser Gruppe aufgenommen.

Der Sparkassentermin ist auch willkommene Möglichkeit des Austauschs für Unternehmer und Funktionäre, hier zu sehen sind Theaterintendant Hajo Fouquet (l.) und VGH-Chef Martin Aude. Foto: t&w
Der Sparkassentermin ist auch willkommene Möglichkeit des Austauschs für Unternehmer und Funktionäre, hier zu sehen sind Theaterintendant Hajo Fouquet (l.) und VGH-Chef Martin Aude. Foto: t&w

Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Seit dem Tod Nelson Mandelas im Dezember 2013 sei das Land „zutiefst gespalten“, immer noch lebten viele weiße Farmer wie früher, immer noch seien Strukturen aus der Zeit der Apartheid erkennbar. „Es sind die Weißen, die die schönsten Häuser und die größten Autos besitzen und die höheren Schulen besuchen.“ Der Hass zwischen den Menschen verschiedener Hautfarben sei nicht überwunden. Viele Südafrikaner identifizierten sich zuerst darüber, dann erst über die Nationalität. Nur rund 50 Prozent hielten ein vereintes Südafrika heute noch für erstrebenswert.

Nach einem 15 Jahre anhaltenden Wirtschaftsaufschwung belegt Südafrika heute Platz 27 unter den Wirtschaftsnationen. Die Börse in Johannesburg hat ein 200-fach höheres Tages-Handelsvolumen als Nigeria, die Umsätze in der Tourismusindustrie haben sich seit 1994 verdreifacht, ausgelöst unter anderem durch die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2010. Zwar habe die schwarze Mittelschicht vom wirtschaftlichen Erfolg profitieren können, zugleich aber stieg die Kluft weiter. „Weiße verdienen etwa sechsmal so viel wie Schwarze.“ Um der Armut entgegenzuwirken, habe die Regierung kostspielige Programme aufgelegt. 44 Prozent des Bruttoinlandsprodukts fließen allein in diesen Bereich, die Staatsverschuldung stieg gewaltig.

Ausbleibende Reformen führten zu einem Abkühlen des Wirtschaftswachstums von 2 Prozent in 2013 auf 1,4 Prozent in 2014, „zu wenig, um die hohe Arbeitslosigkeit bekämpfen zu können“. Die betrage offiziell 25 Prozent, inoffiziell 40 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit liege sogar bei 50 Prozent. Da auch das Bildungssystem in einem schlechten Zustand sei, fehlen der Wirtschaft dringend benötigte Fachkräfte, ausufernde Streiks haben ihr Übriges getan, die Wirtschaft weiter zu schwächen.

Notwendige Reformen würden von starken Gewerkschaften, korrupten Beamten und Vetternwirtschaft in der Politik verhindert. „Das größte Problem aber ist für viele Beobachter der ANC“, sagt Kröger. Die Macht der Partei Nelson Mandelas scheine zwar ungebrochen, interne Flügelkämpfe aber verhinderten wichtige Entscheidungen für das Land. „Südafrika kann wieder auf den richtigen Weg zurückfinden, wenn die richtigen Entscheidungen getroffen werden“, ist Timm Kröger überzeugt. „Doch dazu darf es keine Zeit mehr verlieren.“

Schallmauer durchbrochen

Deutlich positiver als die Beurteilung der aktuellen Lage in Südafrika fiel die Bilanz von Karl Reinhold Mai über die Arbeit der Sparkasse Lüneburg aus. Trotz des anhaltend niedrigen Zinsniveaus sei das vergangene Jahr besser verlaufen als erwartet, „mit dem Ergebnis sind wir durchaus zufrieden“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Zum ersten Mal habe man die Schallmauer von 100 Millionen Euro bei den Wohnungsbaukrediten knacken können, auch bei den Einlagen sei das Wachstum überdurchschnittlich gewesen. Der Marktanteil bei den Firmen- und auch bei den Privatkunden sei gestiegen. Zugleich hätten die Personal- und Sachkosten reduziert werden können, „für die Zukunft sehen wir noch weitere Potenziale zur Kostensenkung“, sagte Mai. Neben der Unterstützung der regionalen Wirtschaft engagiere sich die Sparkasse Lüneburg in besonderer Weise für das Gemeinwohl, im vergangenen Jahr habe das Geldinstitut über seine Förderinitiative „Das tut gut“ und die Sparkassenstiftung mehr als drei Millionen Euro für die Förderung gemeinwohlorientierter Vorhaben zur Verfügung gestellt. Für die Zukunft sieht Mai die Sparkasse gut gewappnet. Dazu würde das Filialkonzept ebenso beitragen wie die Online-Angebote des Geldinstituts. „Die persönliche Beratung vor Ort wird aber auch zukünftig absolute Priorität in unseren Überlegungen haben.“