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Die evangelische Familien-Bildungsstätte hat den Koffer der Vielfalt zusammengestellt. Mitarbeiterin Frauke Hahnemann (M.) präsentiert die Materialsammlung, die sich Kindergärten ausleihen können. Kita-Leiterin Bärbel Wilke (l.) hält das Angebot für nützlich. Dafür wirbt auch Referentin Nurka Casanova. Foto: dth
Die evangelische Familien-Bildungsstätte hat den Koffer der Vielfalt zusammengestellt. Mitarbeiterin Frauke Hahnemann (M.) präsentiert die Materialsammlung, die sich Kindergärten ausleihen können. Kita-Leiterin Bärbel Wilke (l.) hält das Angebot für nützlich. Dafür wirbt auch Referentin Nurka Casanova. Foto: dth

Toleranz-Förderprojekt für Kitas: Der „Koffer der Vielfalt“

dth Reppenstedt. Die dunkelhäutige Großmutter mit Gehhilfe gehört genauso zu den Spielfiguren wie der jugendliche Basketballspieler im Rollstuhl. Hinzu kommen Bilderbücher über das Schicksal von Flüchtlingskind „Akim“, zweisprachige Lesebücher sowie „die besten Spiele zur Inklusion“ und „zum interkulturellen Lernen“. Das alles steckt im „Koffer der Vielfalt“, den Frauke Hahnemann, pädagogische Mitarbeiterin der Evangelischen Familien-Bildungsstätte in Lüneburg, für interessierte Kitas vor allem in Amelinghausen, Gellersen und Ilmenau zusammengestellt hat. Die bunte Materialsammlung unterstützt Kita-Personal, um ihre Schützlinge „zum kritischen Denken und zum Austausch über Vorurteile, Einseitigkeiten und Diskriminierung“ anzuregen. Der „Koffer der Vielfalt“, ein Projekt des Lokalen Aktionsplans Amelinghausen-Gellersen-Ilmenau (LAP-Agil), wurde jetzt bei einer Veranstaltung in der evangelischen Kita „Kunterbunt“ in Reppenstedt vorgestellt.

Mehr als 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Kindergärten lauschten dabei dem Impulsvortrag der „Interkulterellen Referentin“ Nurka Casanova und machten bei verschiedenen Übungen mit. Das Ziel: Die Erzieher und pädagogischen Mitarbeiter sollten die Bedeutung von „Vielfalt“ reflektieren, etwa mit Hilfe von Gefühlskarten und sich über eigene Kindheitserfahrungen austauschen. Denn vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung setzt bei den Erwachsenen an. Auf der anderen Seite weiß auch Nurka Casanova, dass die Vielfalt etwa verschiedener Sprachen und Kulturen der Kinder in den Kitas nicht nur eine Bereicherung ist, sondern auch eine große Herausforderung darstellt.

Der „Koffer der Vielfalt“ soll mit seinen verschiedenen Materialien und Spielanregungen nicht nur den Kindern beibringen, das Anderssein des Gegenübers als normal und Teil der Vielfalt anzuerkennen. Und es geht auch über das Überwinden von tradierten Geschlechterklischees nur Mädchen spielen mit Puppen und nur Jungs mit Autos hinaus. Das fängt schon bei vermeintlichen Kleinigkeiten an. Frauke Hahnemann hält eine Packung Buntstifte in der Hand: „Das sind Hautfarbenstifte. Wenn die Kinder früher Personen gemalt haben, dann war die Hautfarbe eben rosa.“ Die neuen Stifte hingegen orientieren sich an der Realität und tragen den verschiedenen Hautfarben Rechnung. Das ist ein Baustein, um den Kindern mit einfachen Mitteln spielerisch den Zugang zu Vielfalt und Toleranz aufzuzeigen.

Allen Kitas im Förderbereich steht der Koffer ein Jahr lang kostenfrei zur Ausleihe zur Verfügung. Hahnemann: „Sollte es freie Ausleihekapazitäten geben, kann der Koffer von allen anderen Kitas ausgeliehen werden.“ Infos unter Tel.: 04131/7577285.