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2011 hat der Verein für Heimatkunde im Raum am Kronsberg die erste Infotafel aufgestellt, jetzt konnte der Vorsitzende Christian Krohn die zweite präsentieren, die über den frühbronzezeitlichen Friedhof informiert. Foto: off
2011 hat der Verein für Heimatkunde im Raum am Kronsberg die erste Infotafel aufgestellt, jetzt konnte der Vorsitzende Christian Krohn die zweite präsentieren, die über den frühbronzezeitlichen Friedhof informiert. Foto: off

Zurück in die frühe Bronzezeit – Neue Schautafel am Kronsberg

off Rullstorf. Ein Sommertag 1967, zwischen Scharnebeck und Rullstorf. Christian Krohn ist auf dem Weg zu seinem Onkel nach Rullstorf, wie immer geht er über den Kronsberg, vorbei an Feldern und der großen Sandkuhle. Eine frische Abbruchkante macht den 24-Jährigen neugierig, er bleibt stehen, schaut sich die Sandwand an und entdeckt am oberen Rand Teile eines Keramikgefäßes, das aus der Erde ragt. Krohn gräbt es aus und hält eine mehr als 3000 Jahre alte Urne in den Händen. Es ist der erste Beleg eines jungbronzezeitlichen Friedhofs (1200-800 v. Chr.). Und für Krohn der erste Hinweis auf eine archäologische Goldgrube.

Der Rullstorfer meldet den Fund dem Lüneburger Museum, doch Anlass zum Handeln sehen die Behörden erst, als Krohn 1978 auf dem Kronsberg alte Siedlungsüberreste entdeckt. Daraufhin beginnen 1979 archäologische Grabungen, bis 2009 finden die Experten tausende Spuren einer mehr als 4000-jährigen Siedlungsgeschichte. Der Kronsberg wird zu einem der bedeutendsten siedlungsarchäologischen Projekte Norddeutschlands. Und für den Hobbyarchäologen Krohn zum Lebenswerk.

Vor Ort ist von Grabungsarbeiten und archäologischen Funden seit 2009 nichts mehr zu sehen, deshalb hat der Verein für Heimatkunde im Raum Scharnebeck 2011 eine erste Informationstafel über die Grabungen an historischer Stätte aufgestellt. Dank finanzieller Unterstützung der Scharnebecker Erschließungs- und Baugesellschaft (SEB) ist jetzt eine zweite Tafel dazugekommen das Thema: der jungbronzezeitliche Friedhof, entdeckt 1967 von Christian Krohn, dem Vorsitzenden des Heimatkundevereins.

Krohn steht auf dem Kronsberg und zeigt auf ein Foto der neuen Tafel. „Das war in der ersten Urne, die ich damals gefunden habe“, sagt er, „eine Pinzette und ein Rasiermesser aus Bronze.“ Zwischen 1983 und 2000 ist das Gräberfeld freigelegt worden, die genaue Anordnung der Funde zeigt eine große Karte auf der einen Seite der neuen Informationstafel. „Das Gräberfeld bestand aus etwa 150 Urnengräbern, 116 Urnen mit ausreichend Knochenbrand, die Dr. Peter Caselitz von der Uni Hamburg untersucht hat.“ Nachweisen konnte er 41 Kinder, 22 Frauen und 12 Männer sowie eine durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen in der jüngeren Bronzezeit von 29 Jahren.

Das Verbrennen der Toten war in der Bronzezeit ein recht junger Brauch, „in der frühen und mittleren Bronzezeit wurden die Toten in Baumsärgen und unter großen Hügeln bestattet“, erklärt Krohn. Auf dem Kronsberg äscherten die Menschen ihre Toten auf Verbrennungsplätzen ein, danach wurde der Knochenbrand gewaschen und mit persönlichen Beigaben in ein Tongefäß gelegt. So fanden sich in den Urnen unter anderem ein Armband, Nadeln, Ohrringe, Pfeilspitzen sowie Pinzetten und Rasiermesser.

Die neue Informationstafel vermittelt Spaziergängern einen Eindruck, wie die Menschen 1200 bis 800 vor Christus auf dem Kronsberg ihre Toten beigesetzt haben. Ein paar Meter weiter führt die andere Tafel zurück in die spätsächsische Zeit von 600 bis 900 nach Christus. Gefunden haben die Archäologen auch aus dieser Zeit ein Gräberfeld, mit mehr als 40 bestatteten Pferden das größte bekannte seiner Art.

Mindestens zwei weitere Tafeln sollen in den kommenden Jahren dazukommen, eine, die die einzelnen Siedlungsphasen von der Bronzezeit bis zur sächsischen Zeit zeigt. Und eine zweite Tafel, die andere interessante Aspekte der Ausgrabungen wie die Eisenverhüttung darstellt. Parallel arbeitet Dr. Wilhelm Gebers, der die Grabungen auf dem Kronsberg über 30 Jahre geleitet hat, auch nach seiner Pensionierung an weiteren Veröffentlichungen. In Kürze erscheint Band II seiner Rullstorf-Reihe, „ein Werk, das er natürlich auch in Scharnebeck vorstellen wird“, verspricht Krohn.