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Winkelmaß und Zirkel sind die Symbole der Freimaurer. Zu ihren Werten bekennen sich Frank Soldan (r.) und Arnold Grunwald, beide Mitglieder der Lüneburger Loge Selene zu den drey Thürmen. Foto: t&w
Winkelmaß und Zirkel sind die Symbole der Freimaurer. Zu ihren Werten bekennen sich Frank Soldan (r.) und Arnold Grunwald, beide Mitglieder der Lüneburger Loge Selene zu den drey Thürmen. Foto: t&w

Trainingslager des Diskurses – Freimaurerloge feiert Geburtstag

us Lüneburg. Der „große Auftritt“ ist ihnen fremd, lieber wirken sie hinter verschlossenen Türen im Stillen und lassen nur wenig von ihrem Tun an die Öffentlichkeit dringen. Freimaurerlogen wird deswegen nicht selten mit Argwohn begegnet, manch einer vermutet gar dunkle Verschwörungstheorien, sieht religiöse Motive oder geheimbündlerische Machenschaften im Hintergrund. „Die Freimaurerei ist keine Religion und kein Geheimbund“, stellt Frank Soldan klar. „Geschichte, Wesen, Ziele, Satzung und Namen der Vorstände sind öffentlich zugänglich.“ Soldan ist „Meister vom Stuhl“, damit der amtierende Vorsitzende der Lüneburger Freimaurerloge, die in diesem Jahr ihr 240-jähriges Bestehen feiert.

Keine neue Gesellschaftsordnung, sondern „Arbeit am Tempel der Humanität“ habe die Loge im Sinn. Was das bedeutet, versucht Frank Soldan mit den „Werten der Freimaurerei“ Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit deutlich zu machen. Überhaupt habe das Thema „Aufklärung“ bei ihnen einen hohen Stellenwert: Dazu gehöre in erster Linie, selbst zu denken, wie Soldan ausführt.

„Wir arbeiten still zunächst an uns selbst und tragen diese Werte nach außen.“ Hierzu kommen sie einmal pro Woche im Logenhaus an der Hindenburgstraße zusammen, nach einem festgelegten Ritual wird über ein Thema diskutiert. Warum dies unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, erklärt Soldan so: „Wir üben uns in der Diskussion. Was hier gesagt wird, soll in diesen Räumen bleiben.“ Dies stifte Vertrauen unter den Mitgliedern und schaffe einen geschützten Raum, der der persönlichen Entwicklung dienen soll.

„Politik und Religion sind als Themen tabu“, ergänzt Arnold Grunwald, seit vielen Jahren Logen-Bruder und so etwas wie der Chronist der Lüneburger Freimaurer. Im Vordergrund stehen gesellschaftliche Fragen wie Zivilcourage, der Abbau von Vorurteilen oder der Umgang mit diffusen Ängsten vor Fremdem. „Freimaurerei ist daher nichts Antiquiertes oder Überholtes, sondern sehr modern“, ist Arnold Grunwald überzeugt. Er bezeichnet die gemeinsamen Treffen als „Trainingslager des Diskurses“, als „gruppendynamischen Prozess“, in dem das Lernen auch vom Verhalten der Anderen geprägt werde.

73 Mitglieder oder Brüder, wie sie sich selbst nennen, hat die Loge derzeit, ihre Loge trägt den Namen „Selene zu den drey Thürmen“, eine Anlehnung an das Lüneburger Stadtwappen und an die griechische Mondgöttin Selene. Denn der Mond, lateinisch „Luna“, wurde oft für die Namensgebung der Stadt herangezogen. 1775 wurde die Lüneburger Freimaurerloge auf Initiative von Freiherr Adolf von Spörcken gegründet. Während der napoleonischen Besatzungszeit stellte sie ihre Aktivitäten bis 1809 vorübergehend ein, im Dezember desselben Jahres dann erfolgte die Neugründung der Loge unter ihrem heutigen Namen, festgehalten auf dem von Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz unterzeichneten Konstitutionspatent.

Von Beginn an zählten Lüneburger Persönlichkeiten zu den Mitgliedern der Loge, unter ihnen Senatoren und Bürgermeister. Auch Wilhelm Friedrich Volger, Dietrich Wilhelm Soltau, mehrere Mitglieder aus der Familie Dempwolff sowie Johann von Dassel, Hermann Reichenbach, Arthur Zechlin oder in neuerer Zeit Heinrich Eggers oder Andreas Loewe waren Brüder der Lüneburger Freimaurerloge.

Den Nationalsozialisten waren die Freimaurer ein Dorn im Auge. Bereits 1933 wurde die Freimaurerei in Deutschland verboten, die Logen enteignet. Erst 14 Jahre später konnte die „Selene zu den drey Thürmen“ mit rund 50 Mitgliedern wiedereröffnet werden. In den letzten Jahren hat das Interesse an der Freimaurerei wieder zugenommen, „zu uns kommen jetzt verstärkt Jüngere“, berichtet Soldan. Als Motiv vermutet er die „Suche nach geistiger Weiterentwicklung neben dem Beruf, viele empfinden da heute eine Lücke“.

Mitglied werden könne, wer männlichen Geschlechts ist, von einem Bruder empfohlen wurde und die Zustimmung der gesamten Loge erhalten hat. „Wir erwarten einen guten Bildungsstand“, sagt Frank Soldan in Anlehnung an die Satzung der Freimaurer, in der es heißt: „Offen für alle freien Männer von gutem Ruf.“

An diesem Sonntag findet das Stiftungsfest der Loge statt. Neben den Mitgliedern der Selene werden rund 50 Gäste aus dem norddeutschen Raum sowie der Großmeister der Vereinigten Großloge von Deutschland, Rüdiger Templin, erwartet.