Donnerstag , 8. Dezember 2016
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So sieht der Entwurf für einen Teil der Geesthachter Hafencity aus: Bis zu 500 Wohneinheiten sind an der Elbe nahe dem Hafen geplant. Baubeginn für die ersten Häuser könnte noch 2015 sein. Foto: nh/züblin
So sieht der Entwurf für einen Teil der Geesthachter Hafencity aus: Bis zu 500 Wohneinheiten sind an der Elbe nahe dem Hafen geplant. Baubeginn für die ersten Häuser könnte noch 2015 sein. Foto: nh/züblin

Geesthacht: Traum von eigener Hafencity

Schon vor 15 Jahren träumten die Verantwortlichen in Geesthacht davon, mit dem großen Nachbarn Hamburg gleichzuziehen: Seitdem feilt die Stadt an einer eigenen Hafencity. Seit fünf Jahren gibt es einen städtebaulichen Entwurf für das Viertel, in dem rund 1000 Einwohner ein neues Zuhause finden sollen. Doch bislang wurde keiner der acht Bauabschnitte umgesetzt. Das könnte sich dieses Jahr ändert. Damit ist auch das Aus des Geesthachter Hafens besiegelt. Ein neuer Standort muss her.

tja Geesthacht. Noch läuft der Betrieb auf Hochtouren, doch bald ist mit dem Schüttgutumschlag im Geesthachter Hafen endgültig Schluss. „Spätestens im Herbst sollen die Bauarbeiten für das Projekt des Bauunternehmens Züblin in der Hafencity beginnen. Dann ist dort kein Umschlag auf dem Platz mehr möglich“, sagt Bürgermeister Volker Manow. Jürgen Schlottau, der Geschäftsführer der Hafen-Gesellschaft, gibt sich entspannt. „Das hat man uns ja schon oft angekündigt, ohne dass da bisher etwas passiert wäre“, sagt er. Hintergrund: Schon seit Jahren plant die Stadt am Hafenrand eine Wohnbebauung mit bis zu 500 Einheiten, die bis 2025 entstehen sollen. Bisher wurde aber noch nicht ein einziges Projekt in Angriff genommen.

Und so legen nach wie vor die großen Binnenschiffe an der Kaianlage an, um Ware aufzunehmen oder zu entladen. Vor allem Splitt für das Mischwerk, Lava für den Sportplatzbau, Dünger und Getreide. Wenn jedoch in der Nachbarschaft die geplanten Wohnungen entstehen, soll der Betrieb eingestellt werden. Und während das erste aller Projekte, der Bau von Stadtvillen und Seniorenwohnungen durch die Hafencity GmbH auf dem Areal der ehemaligen Ofenkeramik-Fabrik Bankel, nicht absehbar ist, wird der als finanzstark geltende Baukonzern Züblin starten, sobald der Bebauungsplan das ermöglicht. Etwa 80 bis 90 Mietwohnungen plant Züblin auf einem 10000 Quadratmeter großen Areal, das bis an den Umschlagplatz heranreicht. Lärm und Staub wären dann nicht zumutbar für die neuen Bewohner des Viertels, sodass der Umschlagplatz aufgegeben werden soll.

Über welche Umschlagplätze die Materialien künftig verteilt werden sollen, die bisher von Geesthacht aus verschifft wurden, ist noch unklar. Alternativen bieten die Häfen in Lauenburg und Mölln, die allerdings nur über den Elbe-Lübeck-Kanal zu erreichen sind. In Frage kommt aber auch der Lüneburger Hafen am Elbe-Seitenkanal. Ein Teil der Fracht dürfte aber auch direkt auf Lastwagen landen und die Straßen belasten.

Schlottau: „Etwa 50000 Tonnen Ladung, was 4000 Lastwagen-Fahrten entspricht, haben Start- und Zielort Geesthacht. Damit holen wir uns viel Verkehr rein, wenn wir den Umschlagplatz ersatzlos aufgeben.“

Im vergangenen Jahr hatten 96 Binnenschiffe am Umschlagplatz Ladung aufgenommen oder gelöscht. 122700 Tonnen wurden umgeschlagen. „2014 und auch 2013 waren die umschlagstärksten der vergangenen zehn Jahre“, sagt Schlottau.

Für ihn Grundlage genug, sich über einen neuen Hafen in Geesthacht Gedanken zu machen. „Meine Idee ist es, im Unteren Schleusenkanal einen Ersatz zu schaffen“, sagt Schlottau. Die Politik habe ihm dafür bereits im vergangenen November einen Prüfauftrag erteilt.

Nicht mehr, wie früher geplant, ein Umschlagplatz mit Containerterminal für 16 Millionen Euro sondern eine kleinere Variante, die für rund drei Millionen Euro realisiert werden soll. Schlottau: „Wir erarbeiten gerade eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und benötigen dann ein klares Bekenntnis der Politik, ob man diese Infrastruktur noch möchte.“ Planung und Bau würden jeweils noch etwa ein Jahr dauern, dann aber ideale Möglichkeiten für die Wirtschaft bieten, so Schlottau, der auf grünes Licht seitens der Politik hofft.

Derweil laufen die Planungen für das Züblin-Vorhaben weiter. Als dritter Investor steht auch die „Exklusiv Wohnbau Hamburg GmbH“ mit einem Projekt in den Startlöchern, doch auch hier ist noch kein Baubeginn absehbar. Insgesamt erstreckt sich das Areal der Hafencity auf einer Fläche von zwölf Hektar entlang dem nördlichen Hafenrand. Allerdings: In Geesthacht müssen die Neubauten vor einem möglichen Hochwasser der Elbe aufwendig geschützt werden.