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Das Gymnasium Oedeme ist enorm beliebt. Meist wurden sieben 5. Klassen gebildet. Künftig soll es nur noch sechs zügig sein. Vor allem Schüler aus Häcklingen, Rettmer, Mittelfeld, Schaperdrift, Teufelsküche und bald auch aus Deutsch Evern müssen sich dann umorientieren. Foto: t&w
Das Gymnasium Oedeme ist enorm beliebt. Meist wurden sieben 5. Klassen gebildet. Künftig soll es nur noch sechs zügig sein. Vor allem Schüler aus Häcklingen, Rettmer, Mittelfeld, Schaperdrift, Teufelsküche und bald auch aus Deutsch Evern müssen sich dann umorientieren. Foto: t&w

Eltern büßen an Wahlfreiheit ein

ahe Lüneburg. Im Grunde ist es ein Luxusproblem. Eines, das die allermeisten anderen Kommunen gerne hätten: zu viele Gymnasiasten. Weil Lüneburg Zuzugsregion ist und immer mehr Kinder nach der Grundschule den direkten Weg zum Abitur anstreben, steigt der Andrang an den Gymnasien seit Jahren. Und mit der Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren, das mehr Zeit zum Lernen lässt, dürfte sich dieser Trend noch verstärken. Doch schon jetzt gibt es in jedem Jahr das Problem, dass nicht alle künftigen Fünftklässler am Wunschgymnasium lernen können. Vor allem in Oedeme müssen aus Kapazitätsgründen im Sommer stets ein bis zwei komplette Klassen abgewiesen werden, zuletzt sogar Schüler aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Das wollen Stadt und Landkreis als Schulträger jetzt ändern. Das Gymnasium Oedeme soll künftig nur noch maximal sechs 5. Klassen aufnehmen.

Das böse Wort vom Schulbezirk wollen Landrat Manfred Nahrstedt und Oberbürgermeister Ulrich Mädge nicht in den Mund nehmen, sie wissen um den hohen Stellenwert der Eltern-Wahlfreiheit. De facto wird die Wahlfreiheit für einen Teil der Eltern aber eingeschränkt, und zwar für jene, die in der Stadt wohnen den alten Ortskern von Oedeme und das Neubaugebiet Rosenkamp ausgenommen sowie ab 2019 auch für Eltern aus Deutsch Evern: Zwar dürfen sie theoretisch nach wie vor frei wählen, doch sobald in Oedeme sechs Klassen voll sind, hätten sie automatisch das Nachsehen und müssten sich eh umorientieren. Sind sich zwei Schulträger einig, lasse das Schulgesetz diese Regelung zu.

„Wir sind uns einig: Einfach so weitermachen wie bisher, das geht nicht“, erklärt Nahrstedt den Schulterschluss von Stadt und Kreis. Denn den Prognosen zufolge würde Oedeme auf Jahre hinaus immer sieben- bis achtzügig in Klasse5 werden, wenn dort alle Kinder, deren Eltern das wünschen, aufgenommen werden. „Aber wir haben dort einfach nicht den Platz. Schon heute stehen am Schulzentrum viele Container, und wir müssen durch die erneute Umstellung auf G9 bald wieder einen Jahrgang mehr unterbringen.“ Also sollen Kinder aus Rettmer, Häcklingen, den Gebieten Mittelfeld, Teufelsküche und Schaperdrift nach der Grundschule künftig auf eines der anderen drei Gymnasien im Stadtgebiet gehen. Das Gymnasium Oedeme als Schule in Trägerschaft des Kreises soll vorwiegend Schüler aus dem Kreisgebiet jenseits der Stadtgrenzen aufnehmen. Schon zum Sommer soll diese Regelung wirksam werden, die Eltern der Viertklässler werden bereits im Februar bei der Abfrage der sogenannten Trendmeldungen darauf hingewiesen. Mädge macht deutlich: „Wir wollen aber, dass kein Kind an der Schule vorbeigehen muss. Wer also auf der Seite des Gymnasiums Oedeme in Richtung Heiligenthal wohnt, soll auch künftig in Oedeme zur Schule gehen können.“

Jede Änderung an einem Gymnasium wirkt sich auf die anderen aus. Wenn Oedeme weniger Schüler aufnimmt, müssen die Wilhelm-Raabe-Schule, das Johanneum und die Herderschule mehr aufnehmen. Mädge sagt: „Alle drei Gymnasien müssen in die Fünfzügigkeit.“ Doch auch dort sind die Kapazitäten nicht unbegrenzt, das weiß auch der Oberbürgermeister: „Am Johanneum werden wir eh anbauen, weil die Außenstelle in der IGS nur begrenzt zur Verfügung steht. Das käme dann vielleicht auch für eine Sechszügigkeit in Frage. Und wir werden immer auch mit Containern agieren müssen.“

Weitere Entlastung erhoffen sich die beiden Verwaltungschefs durch eine mögliche dritte Gesamtschule. Nahrstedt: „Der Elternwunsch ist da. Wir werden mit den Schulleitungen in Bardowick und Adendorf sprechen, ob die sich das vorstellen können. Sollte das der Fall sein, könnten wir vielleicht schon 2017 loslegen.“ Mädge ergänzt: „Das ist doch auch wirtschaftlicher, als ein weiteres Gymnasium zu bauen.“

Die neue Regelung, die im Einvernehmen mit den Direktoren der Gymnasien getroffen und jetzt mehrheitlich im nicht-öffentlichen Schulgrundsatzausschuss von Stadt und Kreis verabschiedet wurde, soll nun am 4. Februar im Kreisschulausschuss, später dann auch in den städtischen Gremien auf die Tagsordnung kommen. Mädge ist überzeugt, dass die Regelung mehr Transparenz schafft und Verwaltungen wie Eltern gleichermaßen Planungssicherheit verschafft. „Wir müssten dann nicht mehr im Juni, wenn einige Eltern schon im Flieger in die Sommerferien sitzen, mit Losverfahren oder Umverteilungen anfangen.“

Parallel soll auch eine alte Regelung aus dem Jahr 2004 aufgehoben werden, nach der Schüler aus Lüne auch zum Bernhard-Riemann-Gymnasium gehen können. Sie sollen künftig nur noch zwischen Herderschule, Raabe-Schule und Johanneum wählen dürfen, denn auch in Scharnebeck sind die Kapazitäten erschöpft.