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Der mutmaßliche Schütze vom Klinikum hatte sich der Polizei gestellt. Beamte bringen ihn aus der Wache mit einem Streifenwagen in eine Haftanstalt Foto: be
Der mutmaßliche Schütze vom Klinikum hatte sich der Polizei gestellt. Beamte bringen ihn aus der Wache mit einem Streifenwagen in eine Haftanstalt Foto: be

Anklage nach Schießerei vor Klinik

ca Lüneburg. Gut vier Monate nach der Schießerei am Städtischen Klinikum hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage gegen sieben Angeschuldigte erhoben. Die Vorwürfe lauten auf versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung. Vier der Betroffenen im Alter von 26 bis 34 Jahren sitzen in Untersuchungshaft, für die drei anderen sahen die Ankläger keine ausreichenden Gründe, Haftbefehle zu beantragen. Nach einem unbekannten Mann sucht die Staatsanwaltschaft noch, er komme als weiterer Schütze infrage, erklärte Behördensprecherin Angelika Klee gestern. Als Motiv für die blutigen Szenen an der Bögelstraße nennt die Anklage Rache.

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Zunächst waren zwei kurdisch-stämmige Familien in einem Fitnessstudio am Pulverweg aneinander geraten, hatten sich zum Teil mit abgeschlagenen Flaschenhälsen attackiert. Einen Tag später passten Mitglieder der Familie B. Angehörige der Sippe E. offenbar am Klinikum ab die Anklage nennt es auflauern , die dort zur Versorgung ihrer Verletzungen waren.

Auf der Straße fielen mehrere Schüsse, drei Männer der Familie E. wurden getroffen, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Einer dieser Verletzten, der in die Kinderklinik flüchtete, wurde laut Anklage von zwei Mitgliedern der Familie B. verfolgt und auf der Station mit Baseballkeulen und Schlagstöcken malträtiert, „um ihn zu töten“. Das verhinderte ein Zeuge, der die Schläger anbrüllte: „Es reicht jetzt!“ Die beiden Angreifer liefen davon.

Auf der Bögelstraße soll einer der Beschuldigten mit einem Auto gezielt auf einen Angehörigen der Familie E. zugefahren sein. Hier sieht die Anklage einen Tötungsvorsatz. Der Mann konnte sich wegdrehen, doch das Auto fuhr über seinen Fuß, der dabei brach. Insgesamt erlitten nach Auffassung der Ankläger acht Angehörige der Familie E. Verletzungen.

Den B.s gelang zunächst die Flucht. Doch der Konflikt schwelte weiter. Wie berichtet, waren die B.s gemeinsam mit russisch-stämmigen Bekannten nach der Tat offenbar auf der Jagd nach Mitgliedern der Familie E. Die Polizei stoppte zehn Tage nach den Schüssen einen Schlägertrupp von gut zwanzig Männern in der Ilmenaustraße. Die mit Maschinenpistolen bewaffnete Bereitschaftspolizei nahm drei Männer in Gewahrsam, die danach Haftbefehle präsentiert bekamen.

Ein mutmaßlicher Schütze, es handelt sich um einen 33-Jährigen, stellte sich zwei Tage später auf der Wache. Vermutlich ein Ergebnis des massiven Ermittlungsdrucks. So hatte ein Sondereinsatzkommando eine Wohnung der Familie B. in Reppenstedt gestürmt und durchsucht, ähnliche Aktionen gab es an anderen Orten.

Die Ermittler gehen davon aus, dass am Klinikum zwei Waffen im Spiel waren: Von Schüssen aus einer Pistole fanden Beamte Patronen und Hülsen. Die zweite Waffe kann ein Revolver gewesen sein, hieß es schon vor Monaten aus Polizeikreisen: Aus der Trommel werden keine Patronenhülsen ausgeworfen.

Nach der Schießerei hatte die Polizei mit großem Aufgebot verschiedene Wohnungen der Familien überwacht. Die Sorge: Es kommt aus Rache zu weiteren Auseinandersetzungen. Die blieben bislang aus. Doch hochrangige Beamte sind sich nicht sicher, ob das so bleibt. So soll der zu erwartende Prozess am Landgericht mit einem aufwändigen Sicherheitsprogramm begleitet werden. Vorbereitungen laufen. Wann die Verhandlung beginnt, steht noch nicht fest.

Wo die eigentliche Ursache des Streits liegt, bleibt Spekulation. Aus Polizeikreisen heißt es, dass beide Seiten dazu schweigen oder nebulöse Angaben machen. Doch auch die Opfer der Schießerei sind der Polizei aus anderen Verfahren bekannt. Und daher gibt es die Vermutung, dass der Konflikt in der Türsteherszene, in der beide Familien aktiv sind, seinen Ursprung haben könnte.