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Mit diesem Banner sowie mit Hinweistafeln warnt die Revierförsterei Barendorf in der Neuen Forst zunächst an der Abfahrt Ebensberg im Zuge der Lüneburger Ostumgehung vor Baumfällarbeiten, die nächste Woche beginnen. Foto: nh
Mit diesem Banner sowie mit Hinweistafeln warnt die Revierförsterei Barendorf in der Neuen Forst zunächst an der Abfahrt Ebensberg im Zuge der Lüneburger Ostumgehung vor Baumfällarbeiten, die nächste Woche beginnen. Foto: nh

Holzernte in der „Neuen Forst“

kre Barendorf/Lüneburg. So mancher Autofahrer auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen wird sich am Dienstag womöglich eine andere Fahrtroute suchen müssen, denn: Die Abfahrt Ebensberg an der Ostumgehung (in Fahrtrichtung Hamburg) wird am 27. Januar von 9 Uhr bis 15 Uhr für den Verkehr voll gesperrt. „Eine Vorsichtsmaßnahme“, erklärt Förster Oliver Christmann, zu dessen Revier auch die „Neue Forst“ gehört: In der kommenden Woche werden Forstarbeiter Verkehrssicherungs- und Durchforstungsarbeiten durchführen.

Die Maßnahmen an der Abfahrt Ebensberg sind aber nur der Auftakt. Danach geht es bis Ende der Woche (30. Januar) schrittweise weiter an der Erbstorfer Landstraße (K 53) in Richtung Erbstorf. Dann allerdings werden die Forst-Experten mit einer mobilen Baustellenampel arbeiten, den Verkehr nur kurzzeitig sperren, wenn ein Baum gefällt wird.

„Im Einsatz werden auch drei Spezialmaschinen sein“, erklärt Christmann ein Harvester, der die Bäume fällt und automatisch auf Länge sägt, ein Seilschlepper zum Herausziehen der Stämme und ein sogenannter TimberPro. Dieses Unikum fällt Bäume besonders schonend für umstehende Gehölze, da er die Stämme aufrecht aufarbeitet“, erläutert Christmann.

Weil Forstarbeiten nicht ungefährlich sind, werden Waldbesucher gebeten, während der Fällarbeiten das Waldgebiet nicht zu betreten. ,,Auch wenn gerade nicht gearbeitet wird, können sich zum Beispiel Äste aus den Baumkronen lösen und herunterfallen“, warnt Oliver Christmann. Hinweistafeln an den Waldwegen informieren die Spaziergänger über die Maßnahme und die Gefahren.

Die Arbeiten in der Neuen Forst dienen der Verkehrsicherheit, der Holzernte, „vor allem aber auch der Pflege des dortigen Eichenwaldes“, erklären Förster Oliver Christmann und der Regionale Pressesprecher der niedersächsischen Landesforsten, Reiner Baumgart. Denn die Neue Forst ist ein besonders wertvoller Eichenstandort. „Der allerdings gepflegt werden muss“, erklären die beiden Förster. Ohne die Pflegedurchforstung würden die Buchen die Eichen verdrängen.

Und das ist nicht gewollt, im Gegenteil: „Wir wollen den Lebensraum Eiche schützen und erhalten“, betonen Baumgart und Christmann. Denn gerade die Eiche der Symbolbaum der Deutschen ist für die Biodiversität in den heimischen Wäldern die wichtigste Baum­art. „Sie ist Lebensraum für zahlreiche Insektenarten“, erklärt Baumgart. Bekannt sind 179 Großschmetterlingsarten, und über 500 holzbesiedelnde Käfer. „Die Eiche darf damit als eine der artenreichsten Baum­arten überhaupt in der heimischen Flora betrachtet werden“, stellt Christmann fest. Würde die Eiche aus der Neuen Forst verschwinden, hätte das also auch gravierende Folgen für die Ökologie des Bereichs.

Aber auch kulturgeschichtlich ist die Eiche ein ganz besonderer Baum: „Eichenwälder in unseren Breiten sind von Menschen gemacht“, erinnert Baumgart, ursprünglich angelegt als sogenannte Hutewälder. Da die Eicheln reich an Kohlenhydraten und Proteinen sind, wurden sie von den Viehhaltern zur Eichelmast genutzt. Schweine wurden zur Waldweide in die Wälder getrieben. In Notzeiten können Eicheln entsprechend aufbereitet auch von Menschen als Nahrungsmittel genutzt werden. Etwa als Kaffee-Ersatz „Muckefuck“.

Eichen sind ganz besondere Bäume, sagen Christmann und Baumgart nur bedürfen sie eben auch der besonderen Pflege. Die beiden Förster wissen, dass die Durchforstung in der Neuen Forst für den einen oder anderen Waldbesucher durchaus rabiat aussehen kann, aber: „Wenn wir jetzt die Durchforstung einmal richtig angehen, haben wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren Ruhe“, hofft Christmann. Und das sei allemal besser, als jedes Jahr von Neuem zu beginnen.

Insgesamt umfasst die Neue Forst rund 100 Hektar. Bis Ende März, hofft der Förster, sollen die Fällarbeiten abgeschlossen sein. Das anfallende Holz, rund 2000 Festmeter, wird an den Wegerändern gelagert und als Möbel-, Bau-, Industrie- und Brennholz verkauft.

One comment

  1. … die Abfahrt ist schon mindestens 15min gesperrt und es ist gerade 8:30Uhr. Aber Benzin ist ja billig im Moment, da dreht man doch gerne Schleifen.