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Mit Schiffen wie dem Ewer haben die alten Lüneburger einst Salz über Ilmenau und Elbe nach Lübeck gebracht und wurden mit dem Handel reich. Foto: A/Morton Strauch
Mit Schiffen wie dem Ewer haben die alten Lüneburger einst Salz über Ilmenau und Elbe nach Lübeck gebracht und wurden mit dem Handel reich. Foto: A/Morton Strauch

Am Ende der Salzzeit – Vom Auf- und Niedergang der Schifffahrt auf der Ilmenau

ca Lüneburg. Heute döst die Ilmenau vor sich hin, selten zieht mal ein Schiff über den mäandernden Fluss. Das war einmal ganz anders. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war der Wasserlauf zwischen Lüneburg und der Mündung in die Elbe bei Hoopte eine Hauptverkehrsader. Aus der kleinen Hansestadt brachten Schiffer Salz zum Haupt der Hanse, nach Lübeck. Von dort, aber auch aus anderen Ecken, kamen Waren zurück. Welche Handelsrouten gab es, welche Schiffstypen waren unterwegs? Darüber hat Rolf Kliemann jetzt ein Heft verfasst, es ist in der vom Salzmuseum betreuten Reihe „De Sulte“ erschienen.

Die „Salzschiffe der Hansestadt Lüneburg“ schulterten eine Menge Last. Einen Monat dauerte eine Reise in der Regel. Zunächst die Ilmenau hinunter bei Hoopte. Dann die Elbe hinauf bis Lauenburg. Dort umladen auf schmalere Boote und dann weiter über die Stecknitzfahrt, einen Kanal, Seen und Flüsse nach Lübeck. Im Einsatz waren Ewer, flache Schiffe mit einem Segel, die auch Eichen genannt wurden, und schmale Prahme. Nachbauten sind im Alten Hafen vertäut. Aber auch Kähne und Enterlöper, die als Hilfsschiffe eingesetzt wurden, wurden als „Packesel“ genutzt.

Die Schiffer und ihre Männer mussten hart ran. Wenn sie nicht segeln oder sich treiben lassen konnten, wurde getreidelt. Mannschaften zogen die Schiffe die Ilmenau hinauf. Bei einer Flaute, die das Segeln unmöglich machte, kam für kurze Stücke auf der Elbe das „Melken“ zum Einsatz: Mit einem Beiboot wurde flussaufwärts ein Anker fallen gelassen. Die Crew zog das Schiff dann mit Muskelkraft in diese Richtung.

Immer wieder ist das Salz im Blick, das „weiße Gold“, das Lüneburgs Reichtum begründete. Salz war im Ostseeraum als Gewürz- und Konservierungsmittel gefragt. Doch über die Ilmenau kamen auch jede Menge Güter in den Hafen. Dabei spielt Holz eine große Rolle. Die ewig brennenden Feuer der Saline, über denen Sole in Bleipfannen zu Salz eingekocht wurde, brauchten Nahrung. Aber auch Brauereien, Bäckereien und Böttcher fraßen Holz. Nicht zu vergessen Lüneburgs zweite große Einnahmequelle: der Gips von Kalkberg und Schildstein, der vor einer Weiterverarbeitung gebrannt werden musste. Gerade aus Mecklenburg kam Nachschub.

Der Niedergang der Schifffahrt auf dem kleinen, aber stolzen Fluss begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Eisenbahn, die immer mehr Bedeutung gewann, lief den Transporteuren den Rang ab: Die Schiffer, aber auch die Spediteure, die mit Pferd und Wagen gutes Geld verdient hatten, verloren an Bedeutung.

Nicht fehlen darf in dem kleinen Buch der Bau von Ewer und Prahm, die in Arbeitslosen-Projekten nach alten Vorbildern auf einer Werft am Salzmuseum geschaffen wurden und im Hafen liegen.

Kliemanns Schiffs-Geschichte ist im Salzmuseum erhältlich.