Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Gellersen | Der Schreck kommt auf Bestellung – Gutachten über Reppenstedts kaputte Straßen
Unter anderem der Finken- und der Amselweg stehen auf der Erneuerungsliste für 2015. Die geplanten Maßnahmen für jeweils mehr als 20 000 Euro seien aber nicht beitragspflichtig. Im Gegensatz zu manch anderer. Foto: t&w
Unter anderem der Finken- und der Amselweg stehen auf der Erneuerungsliste für 2015. Die geplanten Maßnahmen für jeweils mehr als 20 000 Euro seien aber nicht beitragspflichtig. Im Gegensatz zu manch anderer. Foto: t&w

Der Schreck kommt auf Bestellung – Gutachten über Reppenstedts kaputte Straßen

dth Reppenstedt. Schätzungsweise mehr als 8,6 Millionen Euro müsste die Gemeinde Reppenstedt auf den Tisch legen, wollte sie alle beschädigten Gemeindestraßen auf einen Schlag komplett erneuern oder nach Möglichkeit sanieren und dabei den Empfehlungen des von ihr beauftragten Ingenieurbüros folgen.

Der Schreck kam auf Bestellung: Die Gemeinde Reppenstedt hatte die Planungsgesellschaft Grontmij beauftragt, die Gemeindestraßen unter die Lupe zu nehmen. Die Gutachter nahmen sogar Bohrkernproben, um die Güte des Straßenunterbaus einschätzen zu können, klassifizierten die Schäden der 30 untersuchten Straßenzüge und machten Erneuerungsvorschläge mit dazu gehöriger Kostenschätzung. Das Ergebnis der 120-seitigen Expertise stellte nun Dipl.-Ing. Robert Bergmann dem Bauausschuss der Gemeinde vor. Dazu Oliver Glodzei (Grüne): „Das ist erschütternd.“ „Das muss ich auch sagen“, pflichtete Dieter Bönsch (SPD) bei.

Das Straßengutachten ist ein Wink mit dem Zaunpfahl an die Kommunalpolitiker. Gemeindedirektorin Susanne Stille sagte: „Es soll der Gemeinde vor Augen führen, was da noch auf uns lauert, wenn man die Haushalte aufstellt.“ Tatsächlich hinterließ die Analyse bei den Ausschussmitgliedern einen drastischen Eindruck. Glodzei: „Das klingt, als wäre es günstiger, Reppenstedt neu aufzubauen.“ Und Holger Dirks (Grüne) fragte: „Warum fällt uns das heute so auf die Füße?“ Darauf Stille: „Tut es nicht. Die Straßen fallen ja nicht heute oder morgen auseinander.“

Für die Bestandsaufnahme haben die Ingenieure 30 bis zu 60 Jahre alte Straßen untersucht und in 54 Abschnitte aufgeteilt. Angesichts der Schäden, wie Risse und Abplatzungen bis Spurrillen und Absenkungen, haben die Gutachter Vorschläge für Maßnahmen gemacht. Bergmann: „Die Übersicht soll der Gemeinde die Möglichkeit geben, den jeweils richtigen Zeitpunkt abzupassen, um noch möglichst viel Leben aus der Straße herauszuholen.“ Als ein Beispiel nannte er die Dachtmisser Straße. Davon seien in einem von vier Abschnitten noch rund 150 Meter zu sanieren, etwa durch das Abfräsen und Neuauftragen der Deckschicht, geschätzte Kosten: 40000 Euro. Bergmann: „Das finanziell Schlimmste ist der Neubau.“ Im Falle der Dachtmisser Straße sind die drei weiteren Abschnitte mit einer Länge von rund einem Kilometer neu zu bauen, dies käme die Gemeinde, auf den Meter gerechnet, mehr als viermal so teuer zu stehen. Geschätzt insgesamt mehr als eine Million Euro würde die Erneuerung dieser dörflichen Hauptstraße kosten, zusätzlich zu dem kurzen Sanierungsabschnitt.

Unterm Strich stünden 1,8 Millionen Euro für Sanierungen und 6,8 Mllionen Euro für Neubauten auf der Agenda, so die Empfehlung des Ingenieurbüros. Das Gutachten dürfte jetzt auch den Anstoß für eine Diskussion über die Zukunft der Straßenausbaubeitragssatzung (Sabs) geben. Die Satzung regelt, in welcher Höhe Anlieger von Gemeindestraßen an Bau- und Sanierungskosten beteiligt werden. Und die jetzige Bestandsaufnahme macht klar, dass mittel- und langfristig Kosten in Millionenhöhe auf Gemeinde und Anlieger zurollen. Einige Kommunen im Kreis haben die „Sabs“ bereits abgeschafft, im Gegenzug die Grundsteuer erhöht. Dort wird die Erneuerung von Gemeindestraßen als Gemeinschaftsaufgabe gesehen. Glodzei: „An die Straßenausbaubeitragssatzung müssen wir ran.“

Nicht in der Bestandsaufnahme berücksichtigt wurden die Gemeindestraßen Amsel-, Drossel- und Finkenweg sowie An der Eulenburg. Dort hat die Gemeinde bereits für 2015 Sanierungsarbeiten geplant, die nicht beitragspflichtig sind. Der Bauausschuss sprach sich dafür aus, dafür jeweils 21000 bis 24000 Euro im Haushalt zu reservieren. Zudem sollen für die allgemeine Unterhaltung von Straßen sowie von Regenwasserkanälen, das Mähen von Straßenrändern und Baumkontrollen 95000 Euro bereitgestellt werden.

One comment

  1. , ach, die lieben hobbypolitiker , sie kommen einfach nicht in die pütt. es ist doch schon angedacht, die kosten für strassensanierungen, flächendeckend zu verteilen, damit der einzelne nicht überfordert wird. wenn dieses nicht bald geschieht, werde ich vor meiner haustür, auf der strasse eine schranke einbauen und wegezoll verlangen. strassen werden nun mal von allen benutzt und von allen dabei beschädigt.