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Kiefernbäume sind die natürlichen Pioniere auf unseren nährstoffarmen Sandböden, erklärt Förster Hans-Jürgen Kelm den Kursteilnehmern. Foto: kg
Kiefernbäume sind die natürlichen Pioniere auf unseren nährstoffarmen Sandböden, erklärt Förster Hans-Jürgen Kelm den Kursteilnehmern. Foto: kg

Natur- und Landschaftsführer lernen in der Elbtalaue ihr Handwerkszeug

kg Neuhaus. Die Sonne versteckt sich hinter dicken Wolken, in großen Tropfen perlt der Regen von den Nadelbäumen, doch Nicola Mahnke strahlt unter ihrer grauen Schiebermütze über das ganze Gesicht. Hier draußen in der Elbtalaue ist die Lüneburger Umweltwissenschaftlerin in ihrem Element. Egal, bei welchem Wetter.

Zusammen mit 23 Mitstreitern lässt sie sich im dritten Lehrgang der Biosphärenratsverwaltung Niedersächsische Elbtalaue und ihren Partnern zur zertifizierten Natur- und Landschaftsführerin ausbilden, der im Oktober gestartet ist (LZ berichtete). Mahnke bietet bereits Radtouren und Wanderungen für Urlauber, Gäste und Interessierte an, doch mit der Fortbildung will sie nun auch das offizielle Siegel für ihre Tätigkeit erwerben. „Ich kann hier noch viel über den Umgang mit Menschen lernen und wie man mit schwierigen Situationen zurecht kommt. Und ich möchte erfahren, wie ich meine Führungen didaktisch besser aufbauen kann“, sagt die 48-Jährige. „Außerdem hilft mir das Zertifikat, mich besser zu vermarkten, denn natürlich sind die Touristverbände daran interessiert, zertifizierte Führer zu bewerben, um die Qualität der Angebote zu sichern.“

In drei Kursblöcken vermitteln Praxis-Anleiter und Referenten unter der Leitung von Biologe Jan Brockmann den zukünftigen Naturführern das nötige Handwerkszeug. „Wir haben immer mehr Anfragen als Teilnehmerplätze für den Lehrgang. Vom Rentner bis zur touristischen Angestellten sind ganz unterschiedliche Menschen mit dabei“, sagt Brockmann. „Für viele von ihnen ist es eine gute Möglichkeit, ihre Region besser kennenzulernen. Aber natürlich ist uns auch wichtig, dass sie anschließend tatsächlich Führungen anbieten.“ Hier läge der Schnitt bei etwa 50 Prozent.

An diesem Morgen steht der Kiefernwald auf dem Programm, denn kein anderer Baum wächst in der Norddeutschen Tiefebene häufiger. Hans-Jürgen Kelm, Naturschutz-Förster aus der Göhrde und Praxis-Anleiter für den Lehrgang, führt die Gruppe über die Ausläufer des Karrenziner Dünenrückens bei Stapel im Amt Neuhaus. Er berichtet über die Entstehung der Landschaft und ihre Bewohner und gibt dabei Tipps für die Berufspraxis: „Sie müssen sich überlegen, welche typischen Fragen ein Waldbesucher stellt. Zum Beispiel: Wie alt und wie hoch ist dieser Baum?“, fragt Kelm und zeigt auf eine dicke Kiefer. „Das müssen Sie sich dann irgendwie herleiten können.“ Wenige Sekunden später zählen seine Schüler fleißig die Ringe aus Seitentrieben, die pro Quirl ein Lebensjahr des Baumes anzeigen.

„Das Fachwissen eignet man sich mit der Zeit an“, so Brockmann. Unabdinglich sei aber die Freude am Umgang mit Menschen und die Fähigkeit, anderen die eigene Begeisterung an Natur und Landschaft zu vermitteln.

Nach bestandener Prüfung durch die Alfred-Toepfer-Akademie für Naturschutz können die Teilnehmer ab Frühjahr Touren als zertifizierte Führer in ihren Regionen anbieten. Dazu gehören neben der Niedersächsischen Elbtalaue der Naturpark Elbhöhen-Wendland und die Winsener Marsch. „Dort arbeiten sie mit regionalen Akteuren aus dem Tourismus zusammen, um der Nachfrage vor Ort zu begegnen“, sagt Brockmann. Zusätzlich solle die Nachfrage durch neue Angebote der Absolventen erhöht werden, so dass noch mehr Gäste die Region als spannend erleben.