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Klaus-Peter Hummes hat morgen seinen letzten Schultag. Sein erstes Ziel: Nichts tun, damit ich die Trennung von der Schule bewältigen und verstehen kann, wie es sich anfühlt ohne tägliche Verpflichtung. Danach habe ich immer noch Zeit, zu sehen, was ich mit meiner Berufs- und Lebenserfahrung noch bewirken kann. Foto: t&w
Klaus-Peter Hummes hat morgen seinen letzten Schultag. Sein erstes Ziel: Nichts tun, damit ich die Trennung von der Schule bewältigen und verstehen kann, wie es sich anfühlt ohne tägliche Verpflichtung. Danach habe ich immer noch Zeit, zu sehen, was ich mit meiner Berufs- und Lebenserfahrung noch bewirken kann. Foto: t&w

Neue Gesamtschule als Glücksfall am Laufbahnende – Erster IGS-Leiter Klaus-Peter Hummes geht in den Ruhestand

ahe Lüneburg. Die Aufbauarbeit ist noch nicht abgeschlossen. Noch immer wächst „sein Kind“ beachtlich. Und es gedeiht prächtig, wie Klaus-Peter Hummes findet. Deshalb blickt er durchaus stolz zurück auf die Pionierarbeit, die er zusammen mit einer Handvoll Kollegen geleistet hat: Gemeinsam haben sie die erste Integrierte Gesamtschule in Lüneburg aus der Taufe gehoben und zum Laufen gebracht. Nun geht Hummes, Schulleiter der ersten Stunde an der 2009 gegründeten IGS, in Ruhestand. Morgen, Freitag, 30. Januar, hat er seinen letzten Arbeitstag.

Dass er in seinen letzten Berufsjahren noch mal etwas Neues mit aufbauen durfte, bezeichnet er als „absoluten Glücksfall. Ich durfte etwas gestalten, dessen Struktur mir vertraut war und von dem ich konkrete Vorstellungen hatte, wie eine gute IGS aussehen sollte. Dazu motivierte Kollegen und engagierte Eltern es hat alles zusammengepasst.“ Der Weg dorthin war steinig, erst nachdem sich immer mehr Eltern für eine Gesamtschule stark gemacht hatten, gaben auch Politik und Ministerium grünes Licht. Dabei hat sich Hummes nie „als Verfechter eines Systems“ gesehen, der das bis dahin konkurrenzlose dreigliedrige Schulsystem mit Haupt-, Realschule und Gymnasium bekämpfen wollte. „Es ging vielmehr darum, die Schullandschaft in Lüneburg um eine neue Facette zu bereichern. Die IGS ist sicher nicht für alle Schüler die beste Schulform, aber sie kann für viele Schüler eine gute Schulform sein.“

Das sehen auch viele Eltern so, denn trotz großer Beliebtheit des Gymnasiums verzeichnete auch die IGS Lüneburg zuletzt stets mehr Anmeldungen als bei 150 Plätzen pro Jahrgang aufgenommen werden können. Aktuell zählt die Schule 900 Schüler in den Jahrgängen 5 bis 10 und fast 70 Lehrer.

Die Schulform IGS bedeute eine große pädagogische He­rausforderung, als Lehrer müsse man sich um die eher leistungsschwachen Schüler genauso kümmern wie man die starken förden muss stets in derselben Schulstunde. Viele Lehrer, die neu an die Schule kommen, müssten sich anfangs umstellen. So gebe es zum Beispiel regelmäßig Gesprächsabende bei Eltern zu Hause, wo jeweils zwei Lehrer mit sechs Kindern, deren Müttern und Vätern zusammenkommen, um über Aktuelles aus der Schule zu sprechen. „Spätestens nach zwei solcher Abende sagen die Kollegen dann, dass sie das toll finden. Wir erhalten wichtige Einblicke auch in die familiären Situationen, und für die Eltern sind die Abende das klare Signal Ihr gehört dazu“, verdeutlicht Hummes, der Mathe unterrichtet und vor seiner Lüneburger Zeit an Kooperativen Gesamtschulen in Bevensen und Schneverdingen und davor knapp 20 Jahre lang an der IGS in Göttingen tätig war.

Auch wenn der 65-Jährige, der in Ochtmissen wohnt, der Stadt Lüneburg „sehr dankbar“ ist, dass sie den Mut gehabt habe, es zu versuchen mit der neuen Schulform, hätte er sich manchmal mehr Unterstützung vom Schulträger gewünscht. Erst recht von seinem Dienstherrn: „Es ist schon bedenklich, wenn das Kultusministerium davon ausgeht, dass man mit gleichen personellen Mitteln wie jede andere Schule eine neue Schule aufbauen kann. Zum Unterricht kommt eine Menge Entwicklungsarbeit. Da wird viel auf den Enthusiasmus einzelner Lehrer gebaut.“

Die Geburt der Gesamtschule am Standort Kaltenmoor bedeutete parallel auch den schleichenden Tod der dortigen Haupt- und der Realschule. Obwohl das für seine Kolleginnen sicher schwierig gewesen sei, habe er von den Schulleiterinnen Antje Rothe und Maria Stratmann-Boeck viel Unterstützung und manch kollegialen Rat bekommen. Vorerst hat auch das Johanneum noch eine Außenstelle im Gebäude. Weil die IGS im Sommer wieder um einen Jahrgang wächst, zu den fünf neuen 5. Klassen dann auch erstmals vier 11. Klassen kommen, gebe es Kapazitätprobleme. „Da muss mit Übergangslösungen gearbeitet werden“, sagt Hummes. Das könnten Container sein.

One comment

  1. Hummes war der Glücksfall. Gratulation! Neue IGSen sollten sein: Adendorf, Bleckede, Bardowick und Oedeme. Dann hätten wir auch kein stress mit den Schulbezirken.