Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Warnstreik am Eisenwerk: Für eine Stunde haben Beschäftigte gestern die Arbeit niedergelegt, um Druck auf die Arbeitgeber auszuüben. Aus anderen Betrieben kamen Delegationen. Foto: ca
Warnstreik am Eisenwerk: Für eine Stunde haben Beschäftigte gestern die Arbeit niedergelegt, um Druck auf die Arbeitgeber auszuüben. Aus anderen Betrieben kamen Delegationen. Foto: ca

„Dann ist der Ofen aus“

ca Lüneburg. Noch läuft der Ofen im Eisenwerk. Aber IG-Metall-Sekretär Lennard Aldag lässt gestern Mittag keinen Zweifel daran, dass sich das schnell ändern kann: „Wenn sich die Arbeitgeber nicht bewegen, ist der Ofen aus!“ Dann ruht die Produktion. Ein Teil der 145 Köpfe zählenden Belegschaft hat für eine Stunde die Arbeit niedergelegt, dazu sind Delegationen von Panasonic, LAP Lasertechnik und Nordson gekommen.

Klar wollen sie mehr Geld, aber was die Arbeiter, die mit rußgeschwärzten Gesichtern aus Gießerei und Formerei gekommen sind, viel mehr ärgert, sind mögliche Einschnitte bei der Altersteilzeit. Die kann heute in bestimmten Fällen im Alter von 57 Jahren beginnen. Doch die Arbeitgeber wollen an den Kriterien drehen mit der Folge, dass die Rente erst später möglich wäre.

„Hier bist du mit Mitte 50 durch“, sagt einer. „Die Arbeit in der Produktion geht auf die Knochen. Und wir kennen viele ehemalige Kollegen, die ihre Rente zwei Jahre hatten, dann waren sie tot.“ Die Betriebe, die Sorge haben, dass sich Facharbeiter verabschieden und es an Nachwuchs mangelt, wollen unter anderem erreichen, dass niemand ohne Zustimmung des Betriebes in den Vorruhestand wechseln kann. Auch die Bedingungen der Weiterbildung sind Thema. Beim Einkommen bieten die Arbeitgeber ein Plus von 2,2 Prozent, die Gewerkschaft fordert 5,5 Prozent.

Der Sprecher der Vertrauensleute im Eisenwerk an der Gebrüder-Heyn-Straße, Klaus Schädler, sagt, dass gerade für die unteren Einkommensgruppen ein deutlicher Zuwachs beim Lohn her müsse. Panasonic-Betriebsrat Torsten Wilsdorf hingegen erklärt, dass Lüneburg für seinen Konzern ein Entwicklungsstandort mit hohem Einkommensniveau sei. Für seine 180 Kollegen seien die Fragen um Altersteilzeit und Fortbildung entscheidender.

IG-Metaller Aldag kündigt an, dass man wahrscheinlich bald wieder beim Warnstreik zusammenstehen könnte, wenn die neuen Verhandlungen Mitte Februar nichts brächten.