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Christin Brackelmann ist Auszubildende im LBZ Echem. Dabei lernt sie nicht nur, wann es einem Tier theoretisch gut geht, sondern auch, was ihr das Tier selbst über sein Wohlbefinden verrät. Foto: t&w
Christin Brackelmann ist Auszubildende im LBZ Echem. Dabei lernt sie nicht nur, wann es einem Tier theoretisch gut geht, sondern auch, was ihr das Tier selbst über sein Wohlbefinden verrät. Foto: t&w

Tierwohl in der Lehre

off Echem. Wann fühlt sich eine Kuh wohl? Woran erkennt man, dass ein Schwein leidet? Und was verrät der Ausdruck eines Kälbchens über sein Wohlbefinden? Wer als angehender Landwirt das Landwirtschaftliche Bildungszentrum (LBZ) Echem besucht, wird sich mit Fragen wie diesen in Zukunft auseinandersetzen müssen und zwar deutlich intensiver als bisher. Die gesamte Aus- und Weiterbildung kommt auf den Prüfstand, Ziel des LBZ: „Wir wollen das Thema Tierwohl stärker in den Fokus stellen“, sagt Geschäftsführerin Martina Wojahn.

Um das umsetzen zu können, hat sich das LBZ bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank mit Erfolg um eine Innovationsförderung beworben. Knapp 665000 Euro sind der Einrichtung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen aus dem Zweckvermögen des Bundes bewilligt worden, umgesetzt werden sollen damit zwei Projekte: die Neuausrichtung der Lehre und der „Praxiscampus nachhaltige Nutztierhaltung“.

Dass sie mehr Tierwohl in die Lehre bringen wollen, machten Martina Wojahn und Dr. Uwe Clar schon deutlich, als sie 2011 die Geschäftsführung des LBZ übernommen hatten. „Jetzt können wir dank der finanziellen Förderung einen weiteren Schritt in diese Richtung gehen“, sagt Wojahn. Das LBZ wird für die Entwicklung neuer Lehrkonzepte eine zusätzliche Stelle schaffen, „der- oder diejenige wird sich dann ausschließlich um dieses Projekt kümmern“. Die Idee dahinter: Auszubildenden und Landwirten soll ein neuer Blick eröffnet werden auf die Frage: Wie geht es meinen Tieren?

„Bisher wird das Tierwohl an sehr theoretischen Indikatoren gemessen, da geht es zum Beispiel um Stallausstattung, Leistung der Tiere oder die Höhe des Arzneimitteleinsatzes“, sagt Wojahn. Punkte, die Landwirte auch in Zukunft wissen müssen. „Aber wir wollen unseren Lehrgangsteilnehmern einen weiteren Zugang zu den Tieren vermitteln.“ Wie bewegt sich die Kuh? Ist ihr Auge wach oder trüb? Wie liegt das Schwein im Stall? „Die Tiere teilen uns auf vielfältige Weise mit, wie es ihnen geht“, sagt Wojahn, „wir müssen nur lernen, ihre Zeichen zu erkennen.“

Wie sich dieses Wissen vermitteln lässt, wird das LBZ nun in Kooperation mit den anderen Überbetrieblichen Ausbildungsstätten in Deutschland erarbeiten. Steht das Konzept, „soll es bundesweit angwendet werden“. Pionierarbeit genau wie der „Praxiscampus nachhaltige Nutztierhaltung“ das zweite große Projekt, das mit den 665000 Euro Fördermitteln umgesetzt werden soll.

Die Idee des Praxiscampus: Auch Nicht-Bauern sollen im LBZ Möglichkeiten erhalten, etwas über Nutztierhaltung zu lernen. „Dafür entstehen in den Ställen Besucherplattformen“, sagt Wojahn, „außerdem bauen wir einen der bisherigen Unterrichtsräume in eine Kreativwerkstatt Landwirtschaft um.“ Ausgestattet mit einer Küche, Tischen, Stühlen und Kreativmaterialien soll der Raum Besuchern die Möglichkeit bieten, sich dem Thema Landwirtschaft mal anders zuzuwenden. „Außerdem wollen wir auch unseren Kooperationspartnern wie den Landfrauen oder dem Umweltbildungszentrum Schubz auf dem Gelände endlich ein Zuhause bieten“, sagt Wojahn.

Weiterer Bestandteil des Praxiscampus: ein Besucherlenkungssystem. Um das zu entwickeln, wird das LBZ ebenfalls eine neue Stelle schaffen. „Wir wollen auch in diesem Punkt einen neuen Ansatz verfolgen“, sagt Wojahn. Eine erste Idee: Über QR-Codes, die überall auf dem Gelände verteilt sind, können sich Besucher Videosequenzen auf Smartphone oder Tablet-PC laden. „Darin wird dann zum Beispiel ein Teil der Schweinehaltung vorgestellt oder der Alltag im Melkstand.“ Voraussetzung bei der Entwicklung: Das Besucherlenkungssystem muss auch auf anderen landwirtschaftlichen Betrieben einsetzbar sein, bundesweit Vorbildcharakter besitzen.

Sobald Martina Wojahn zwei passende Mitarbeiter gefunden hat, „starten wir“. Parallel gehen die Bauarbeiten an Rinder- und Schweineställen und der Modernisierung des Internats langsam auf die Zielgerade. Sieben Monate noch, dann wird das neue LBZ am 5. September mit einem großen Hoffest feierlich eingeweiht.

One comment

  1. Das finde ich seht vorbildlich und ich würde es begrüßen wenn das Schule macht, damit das Tierleid in der Nutztierhaltung abnimmt.
    Damm müssen noch die Schlachthäuser auf den richtigen Weg gebracht werden, auch da gibt es mehr Grausamkeit als es sein müsste. Emphatisch sollten alle sein!