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Auf den Halbjahreszeugnissen der Klasse 3c der Schule Lüne stehen erstmals richtige Zensuren. Foto: t&w
Auf den Halbjahreszeugnissen der Klasse 3c der Schule Lüne stehen erstmals richtige Zensuren. Foto: t&w

Mit frischem Popcorn in kurze Verschnaufpause

jdr/lms Lüneburg. Ein appetitlich süßer Geruch hängt am Freitagmorgen in den Fluren der Grundschule Lüne. Je näher man dem Klassenzimmer der 3c im Obergeschoss kommt, desto besser lässt er sich zuordnen: Hinter dieser Tür gibt es frisches Popcorn. Als Überraschung für seine Mitschüler hat Max-Ole Stumpf eine kleine Popcorn-Maschine mit in die Schule gebracht zur Feier des Tages, denn Klassenlehrerin Heidrun Thomsen verteilt die Halbjahreszeugnisse.

Die Idee des Neunjährigen scheint super anzukommen; keines der 16 Kinder, das ohne Tüte mit der noch warmen und duftenden Leckerei umherschwirrt. Bei der Antwort auf die Frage, ob sich das denn alle verdient hätten und sie im Winterhalbjahr auch fleißig waren, ist sich die Klasse einig, ein unmissverständliches „Jaaaa!“ hallt durch den Raum.

Kurz innegehalten und nochmal einen Blick auf das Zeugnis geworfen, gesteht Timon Jonas Ernst (9) jedoch: „Okay, im Sach­unterricht könnte es bei mir besser laufen, bis zum Sommer möchte ich aus meiner Drei noch eine Zwei machen.“ Dann schaut er wieder auf das Blatt Papier, grinst und erzählt sichtlich zufrieden: „Aber in meinem Lieblingsfach Mathe habe ich eine Zwei.“

Seine Lehrerin Heidrun Thomsen erklärt: „Heute gab es für die Schüler erstmals richtige Zensuren nicht immer kommen Kinder mit dieser Umstellung gut zurecht.“ Für solche Fälle hatte die Niedersächsische Landesschulbehörde ein Zeugnistelefon eingerichtet, bei dem sich Kinder, aber auch ihre Eltern Rat und Unterstützung von Schulpsychologen holen konnten.

An diesem Punkt ist Max-Ole bei weitem nicht, trotzdem sieht er für sich in Mathematik bereits jetzt Hopfen und Malz verloren. „Das liegt mir einfach nicht, in Werken und Kunst bin ich viel besser, das macht mir auch mehr Spaß“, berichtet der Neunjährige. Seine Sitznachbarin Jasmin Kownacki (10) schlägt sich hier auf Timon Jonas Seite: „Quatsch, Max, Mathe ist doch toll“, sagt das quirlige Mädchen, „genauso wie Musik und Sport.“ Sie gehe gerne zur Schule, erzählt die Zehnjährige, sie freue sich aber dennoch auf das lange Wochenende: Montag und Dienstag dürfen die Schüler nämlich noch zu Hause bleiben und freie Zeugnistage genießen. „Für die Kinder wäre es besser, wenn sie stattdessen ein paar Tage Winterferien eingeräumt bekämen,“ sagt Lehrerin Heidrun Thomsen. „Es geht um die Einteilung der Halbjahre das Winterhalbjahr war diesmal sehr kurz und damit anstrengend. Man sieht ja, dass das Konzept in anderen Bundesländern gut funktioniert, für die Kinder eine Entzerrung des Lernalltags darstellt.“

Währenddessen wird es laut im Klassenzimmer, die 3c kramt schon in den Schulranzen Federtasche, Zeugnis und Popcornreste wollen gut verstaut sein. Thomsens magische Worte „1, 2, 3 absolute Ruhe herbei“ verschaffen der Lehrerin noch einmal kurz das Gehör ihrer Schützlinge: „Bis Mittwoch, ihr Lieben, erholt euch gut.“