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Johanna Gerhard (l.) berät Hannelore Mohaupt über das Angebot der Grünen Damen. Doch nicht nur an diesem Stand herrschte Aadrang: Lüneburger informierten sich bei verschiedenen Institutionen über deren ehrenamtliche Arbeit. Foto: t&w
Johanna Gerhard (l.) berät Hannelore Mohaupt über das Angebot der Grünen Damen. Doch nicht nur an diesem Stand herrschte Aadrang: Lüneburger informierten sich bei verschiedenen Institutionen über deren ehrenamtliche Arbeit. Foto: t&w

Ehrenamt hat Hochkonjunktur – 1. Lüneburger Ehrenamtsbörse im Glockenhaus

ca Lüneburg. Hannelore Mohaupt will sich schon lange bei den Grünen Damen engagieren. Damals kamen die Zwillinge ihrer Tochter „dazwischen“, auf die sie oft aufpasst. Doch die sind nun sieben Jahre alt: „Da habe ich wieder mehr Zeit.“ Nun kann die Lüneburgerin sich gut vorstellen, gemeinsam mit anderen im Klinikum Patienten bei kleinen Wünschen und Widrigkeiten zu helfen. So wie Hannelore Mohaupt kamen am Sonnabend Hunderte ins Glockenhaus, um sich bei der 1. Lüneburger Ehrenamtsbörse über Hilfsorganisationen und deren Angebot zu informieren.

Viele Institutionen können Mitstreiter gebrauchen. Andrea Stemme-Schröder vom Seniorenheim Lüner Hof sucht beispielsweise Interessenten, die Lust haben, Rentner bei Spaziergängen zu begleiten. Die Bewohner fühlen sich manchmal etwas unsicher, wenn sie von der Straße Auf dem Kauf mit Rollatoren zu einem Spaziergang in die Stadt aufbrechen.

Für Matthias Wolter und seinen Sohn Paul ist es quasi ein Doppelschlag: Der Vater begleitet für die Organisation Ausbildungsbrücke Jugendliche bei der Berufswahl. „Wer bei uns mitmacht, betreut als Pate ein oder zwei junge Leute“, sagt Wolter. Oft wissen die Schüler noch nicht, welchen Beruf sie ergreifen wollen. Die Paten schauen, wie es um Noten, persönliche Stärken und Interessen bestellt ist. Sie informieren über Ausbildungswege, reden zudem mit Eltern und Lehrern. Und sie geben Rückenwind für eine Bewerbung, Wolter: „Wir gehen nicht in den Betrieb, sondern sagen den Jungen und Mädchen, bewirbt dich hier oder dort. Da ist Selbstständigkeit gefragt.“

Sein Sohn Paul ist von der Feuerwehr fasziniert. „Toll, was die machen“, staunt der Vierjährige, als ihm Peer Henze ein Video von einem Einsatz zeigt. Henze informiert über Kinder-, Jugend- und aktive Feuerwehr. Die Brandbekämpfer suchen Nachwuchs. Henze erklärt den Gästen, dass in Stadt und Landkreis Ehrenamtliche ausrücken, um Brände zu löschen, Opfern von Verkehrsunfällen zu helfen oder Gefahren einzudämmen, die etwa bei einem Chemie-Unglück entstehen: „Da ist immer große Verwunderung, wenn ich das erzähle. Denn die Leute glauben, wir seien eine Berufsfeuerwehr.“

Fast 40 Vereine und Gruppen haben sich im Glockenhaus versammelt, vom Betreuungsverein über die Alzheimergesellschaft bis zum Lesehelferverein Mentor. Interesse hätten noch viel mehr Organisationen gehabt, sagt Ralf Gremmel, Chef des Lüneburger Paritätischen, unter dessen Dach die Freiwilligen-Agentur angesiedelt ist. Zwei- bis dreimal so viele Interessenten hätte man unterbringen können. Doch das Glockenhaus setze räumliche Grenzen.

Das sieht auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge so, der die Schirmherrschaft für diesen Tag übernommen hat und mit Landrat Manfred Nahrstedt zur Eröffnung gekommen ist. Für eine Wiederholung, die die Freiwilligen-Agentur in zwei Jahren plant, solle ein neuer Ort gefunden werden. Der OB lobt das Engagement der Freiwilligen, die in der Gesellschaft so manchen Dienst übernehmen, ohne nach einer Bezahlung zu fragen.

Trotzdem fühlen sich viele reich belohnt. Wie beispielsweise Johanna Gerhard, die Hannelore Mohaupt erzählt, was ihr die Arbeit bei den Grünen Damen schenkt, bei denen sie sich seit 26 Jahren einsetzt. „Es sind Kleinigkeiten, die wir machen“, sagt sie. „Eine Zeitung kaufen, ein Fenster öffnen, etwas aufheben, das heruntergefallen ist. Dinge, für die die Schwestern oft keine Zeit haben.“ Doch die Anerkennung sei groß: „Wir bekommen so viel Dankbarkeit zurück. Und manchmal macht es auch demütig. Dann wird mir bewusst, wie viel Glück ich habe, nicht krank im Bett zu liegen.“

Wie engagiere ich mich?
Kathrin Wolter leitet die Freiwilligen-Agentur und berät Interessenten. Wer sich informieren möchte, kann am Montag von 9 bis 12 Uhr und am Donnerstag von 15 bis 18 Uhr das Büro des Paritätischen am Thorner Markt besuchen. Zu erreichen sind die Mitarbeiter unter Tel. 6037614. Mitbringen müssen Interessenten nichts. „Wir brauchen keinen Lebenslauf oder Zeugnisse“, sagt Kathrin Wolter. Sie gibt einen Überblick, welche Organisationen Verstärkung suchen, und welche Stärken der „Kunde“ hat, dabei kann der alte Beruf eine Rolle spielen aber eben auch Wissen und Neigungen. Wie viel Zeit jemand investieren möchte, kann er selber überlegen. „Das ist ganz flexibel, das können zehn, fünfzehn Stunden in der Woche sein, aber auch ein Projekt, bei dem man einmal im Jahr Zeit investiert.“