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Die Wölfe erobern sich Stück für Stück ihren alten Lebensraum zurück: Am Sonntag wurde ein Rudel bei Betzendorf gesichtet. Foto: A/t&w
Die Wölfe erobern sich Stück für Stück ihren alten Lebensraum zurück: Am Sonntag wurde ein Rudel bei Betzendorf gesichtet. Foto: A/t&w

Im Visier der Wölfe – Ehepaar sichtet Rudel bei Betzendorf

kre Betzendorf. Wer hat Angst vorm bösen Wolf? Hansjörg Witte und seine Frau Barbara jedenfalls nicht. Dabei hatte das Betzendorfer Ehepaar am vergangenen Sonntag ein Naturerlebnis der besonderen Art. Beim Spaziergang lief ihnen nicht nur ein Wolf, sondern gleich ein ganzes Rudel über den Weg. ,,Ein beeindruckendes Erlebnis“, findet Barbara Witte von dem allerdings immer häufiger Spaziergänger, Reiter und Waldbesucher zu berichten wissen. Denn auch im Hamburger Umland wurden bereits Wölfe gesichtet. Und bei allen Meldungen wird vor allem eines deutlich. Die Neugierde von Isegrim ist mindestens ebenso groß wie seine Scheu.

„Wir waren von Holtorf nach Glüsingen unterwegs“, berichtet Barbara Witte, als sie und ihr Mann kurz vor einer Rinderwiese einen „riesigen Hund“ auf sich zukommen sahen. ,,Die Rinder standen in Hab-Acht-Stellung, blickten angespannt Richtung Osten“, berichtet Barbara Witte. Sie nimmt ihren kleinen Hund fester an die Leine, während ihr Ehemann Hansjörg, begeisterter Reiter, ahnungsvoll feststellt: „Da würde ich jetzt nicht vorbeireiten!“

Der vermeintliche Hund vor ihnen zieht weiter über eine Streuobstwiese Richtung Wald am Rotenberg und die Wittes stellen fest: Das Tier, dem eben ihre ganze Aufmerksamkeit galt, ist kein Hund, sondern ein Wolf! Ihm folgen acht weitere. ,,Mächtige, beeindruckende Tiere“, sagt Barbara Witte ,,und größer als wir uns Wölfe vorgestellt haben.“

Vom kleinen Hund des Betzendorfer Ehepaares nehmen Isegrims keine Notiz.

Die Wittes gehen weiter Richtung Betzendorf und sehen das Rudel langsam durch das Quellgebiet des Stegenbachs ziehen. ,,Das Leittier schaute mehrfach zu uns hinüber“, berichtet Barbara Witte. Sie schätzt die Entfernung zwischen sich und dem Rudel auf etwa 200 Meter. ,,Wir gingen dann den Rotenberg hinauf“, erzählt Barbara Witte weiter. Von der Höhe aus in Richtung Holtorf konnten sie und ihr Mann dann die neun Wölfe weit verstreut über einen Acker bis zum Holtorfer Weg beobachten.

„Ein riesiger starker Wolf, der uns am nächsten stand, blickte unentwegt zu uns hinüber“, so die Wittes weiter. Schließlich machte sich das Rudel in Richtung Trafohaus davon und das Ehepaar Witte wird den Eindruck nicht los, dass die Wölfe sie die ganze Zeit über in sicherem Abstand umkreist hatten. Eine spannende Situation für das Ehepaar Witte, trotzdem sagt die Betzendorferin: „Uns ist wichtig, dass auch der Kindergarten weiß, dass hier Wölfe unterwegs sind.“ Denn auch, wenn der Mensch nicht zum Beutespektrum des Wolfes gehört, ist Vorsicht zweifellos geboten.

Ob es sich bei den Tieren bei Betzendorf um Wölfe aus dem Munsteraner Rudel handelt, ist ungewiss auch wenn das der Lüneburger Wolfsberater Uwe Martens nicht ausschließen kann. „Wölfe können an einem Tag mehr als 50 Kilometer Wegstrecke zurücklegen“, betont er.

Rund 50 Wölfe leben inzwischen schon wieder fest in Niedersachsen: Das bringt auch Konflikte mit sich. Ende Dezember etwa wurde bei Eimke im Landkreis Uelzen ein etwa 280 Kilogramm schweres Kalb auf einer Viehweide von einem Wolf gerissen. Nicht der erste Fall eines Kalbrisses: Zwei bestätigte Fälle von gerissenen Jungrindern im August vergangenen Jahres gibt es auch im Landkreis Cuxhaven.

Mit Verlusten durch den Wolf müssen auch die Schafhalter rechnen. So wurden in der Vergangenheit beispielsweise bei Radegast und bei Grünhagen Schafe von Wölfen gerissen. ,,Aktuell gibt es bei uns im Landkreis Lüneburg allerdings keine neuen Fälle von Wolfsrissen mehr“, betont Martens. Wohl auch, weil die Schafhalter inzwischen mehr auf den Herdenschutz achten, ihre Tiere durch Zäune sichern.

Allerdings ist zuweilen auch der Wolf selbst bedroht, nämlich dann, wenn er Straßen quert: So wurde jetzt am Wochenende auf der Autobahn A7 bei Schneverdingen ein Wolf gleich von mehreren Autos überrollt. Er verendete noch an der Unfallstelle.

3 Kommentare

  1. hübsche tiere und so sozial eingestellt, wie es die spd früher mal war.

    • @wolfsfreund 😀 ja das stimmt 😉 Wölfe sind hübsche uns soziale Tiere. Ich hoffe der Wolf kann wieder in Deutschland Fuß fassen. Die Aufklärung in der Bevölkerung ist dank der verschiedenen Organisationen die sich einsetzen und der Medien hervorragend denke ich. Ich bin beeindruckt vom allgemeinen Engagement 🙂

  2. Es ist schön, dass die Wölfe bei uns wieder heimisch werden. Es sind fantastische Lebewesen mit einem ausgeprägten Sozialleben. Glücklicherweise stehen wir Menschen nicht mit auf der Speisekarte von Lupus.

    Wenn ich solche Artikel lese, werde ich regelrecht etwas neidisch. Es muss ein unvergessliches Erlebnis sein, solch einem seltenen und scheuen Tier zu begegnen. Aber es ist eben ein Raubtier und kein Kuscheltier. Leichtsinn ist fehl am Platz, wilde Hysterie und Panikmache natürlich ebenfalls.

    Gut, dass sich das Ehepaar so intelligent verhalten hat. Und gut auch, dass die beiden Menschen so positiv reagieren und nicht den Notstand ausrufen und nach Gewalt an den Tieren rufen.