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Das Dorfgemeinschaftshaus ist für große Vereinsversammlungen wenig geeignet. Nachdem die geplante Mehrzweckhalle wieder auf Eis gelegt wurde, sucht die Gemeinde Wittorf nach Alternativen. Foto: t&w
Das Dorfgemeinschaftshaus ist für große Vereinsversammlungen wenig geeignet. Nachdem die geplante Mehrzweckhalle wieder auf Eis gelegt wurde, sucht die Gemeinde Wittorf nach Alternativen. Foto: t&w

Alte Rechnungen und heimatlose Vereine – Wittorf sucht neuen Versammlungsort

dth Wittorf. Die Gemeinde Wittorf lässt es notfalls auf einen Rechtsstreit mit der Samtgemeinde Bardowick ankommen. Es ist das nächste Kapitel einer langen Geschichte von Enttäuschungen: Da die Gemeinde Wittorf nicht wie 2001 vereinbart eine Grundschule erhalten hat, wollte die Bardowicker Samtgemeinde-Politik den Wittorfern den Schmerz mit dem Bau einer Mehrzweckhalle lindern. Das Bauprojekt in öffentlich-privater Partnerschaft war schon angeleiert, doch im jüngsten Haushalt ist kein Geld dafür da. Und auch wenn die Grundschule nie gebaut wurde, soll die Gemeinde jetzt mehr als 50000 Euro Erstattung für den Kaufpreis des Schul-Grundstücks an die Samtgemeinde zahlen. Diese Forderung lehnte der Gemeinderat Wittorf nun einstimmig ab bei der Ratssitzung am Montagabend im Gasthaus Hohensand. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Kommune, endlich ein neues Domizil für ihre Vereine zu schaffen.

Bei einer internen Prüfung fand die Bardowicker Samtgemeindeverwaltung 2014 die Vereinbarung aus dem Frühjahr 2001 wieder, unterschrieben von den damaligen Amtsträgern Renate Kurzhals (Bürgermeisterin), Manfred Heinrichs (Samtgemeindebürgermeister) und Klaus-Dieter Kirchhoff (Samtgemeindedirektor). Die darin festgehaltene Forderung an die Gemeinde Wittorf sei noch nicht beglichen, sagte auf LZ-Nachfrage Kämmerin Evelin Zeyn. Es ging um insgesamt 100000 Deutsche Mark, umgerechnet 51128,19 Euro. Die Gemeinde Wittorf hatte sich verpflichtet, die Summe von 2006 bis 2010 in fünf Tranchen zu überweisen. Üblicherweise stellten die Gemeinden die Schulgrundstücke der Samtgemeinde zur Verfügung. Da Wittorf aber kein geeignetes Grundstück hatte, wollte sich die Gemeinde zur Hälfte am Kaufpreis beteiligen.

Die Samtgemeinde hat seinerzeit tatsächlich ein Areal in Wittorf mit einer Größe von 13200 Quadratmetern erworben. Doch genauso wie der Bau der Schule, blieben die Zahlungen der Gemeinde Wittorf aus. Nach dem Willen des Gemeinderates soll das mit dem Geld auch so bleiben. Bürgermeister Michael Herbst (SPD): „Wir zahlen nicht. Gegebenenfalls müssen wir das rechtlich durchfechten.“ Dem pflichtete auch Alt-Bürgermeister Gustav Rieckmann (CDU) bei: „Der Auftrag, eine Schule zu bauen, wurde von der Samtgemeinde nicht erfüllt.“ Und Ratsherr Heiner Scheele (SPD): „Wenn wir die Schule mit Halle bekommen hätten … . Aber wenn wir die Erstattung bezahlen, gehört uns nicht mal etwas von dem Grundstück.“

Dass unterdessen auch der Hallenbau mangels Geld von der Samtgemeinde womöglich auf den St. Nimmerleinstag verschoben wurde, bringt die Kommune zusätzlich in Zugzwang, nachdem mit der Schließung des Gasthauses Fehlhaber im Ortskern viele ihr angestammtes Vereinslokal verloren haben. Allein der Schützenverein, der auf dem Gelände seinen Sitz hat, verfügt noch über einen gültigen Pachtvertrag bis 2017, so Bürgermeister Herbst. Dann suchen auch die Schützen nach einem Domizil.

Auf LZ-Nachfrage sagte Herbst: „Ein Kauf des Gasthauses Fehlhaber kommt für die Gemeinde nicht in Frage.“ Auch das im Höpenweg vorhandene Dorfgemeinschaftshaus sei für große Vereinsversammlungen zu klein und biete keine ausbaufähige Alternative. „Die Fläche ist ausgereizt. Wir haben aber immer noch das Grundstück, auf dem wir die Halle bauen wollten. Dazu müssen wir aber noch Gespräche führen.“ Auch die Zukunft des eigens für den Hallenbau gegründeten Fördervereins stehe zur Debatte.

Unterdessen könnten Vereine unter Auflagen das Feuerwehrgerätehaus und die Fahrzeughalle nutzen, verdeutlichte Ortsbrandmeister Andrè Klatt in der Einwohnerfragestunde. Auch wenn mancher die Bedingungen der Feuerwehr zuletzt in den falschen Hals bekommen haben mag. Klatt: „Wenn etwa das DRK einen Blutspendedienst in der Fahrzeughalle durchführen möchte, muss aus versicherungstechnischen Gründen sichergestellt sein, dass das Fahrzeug draußen bewacht wird.“ In der Auseinandersetzung darüber mit dem Bürgermeister kam es dabei zu Misstönen. Schließlich gab sich Herbst gegenüber Klatt versöhnlich: „Ich möchte mit der Feuerwehr gut auskommen, vielleicht sollten wir mal ein Bier zusammen trinken.“