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Unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen hat der Prozess gegen das organisierte Verbrechen der Gruppierung  "Diebe im Gesetz" am Lüneburger  Landgericht begonnen. Foto: phs
Unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen hat der Prozess gegen das organisierte Verbrechen der Gruppierung "Diebe im Gesetz" am Lüneburger Landgericht begonnen. Foto: phs

+++ „Diebe im Gesetz“: Anklageschrift verlesen +++ Untersch

rast Lüneburg. Vor der 1. Großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg begann heute Morgen, 5. Februar, der Prozess gegen sechs mutmaßliche Mitglieder der Mafia-Organisation „Diebe im Gesetz“ – wohlgemerkt mit einer Verspätung von über 30 Minuten, verantwortlich dafür zeichneten die scharfen Sicherheitskontrollen. Geklärt wurden darüber hinaus vorerst organisatorische Angelegenheiten. Laut der Anklageschrift, die am heutigen Nachmittag verlesen wurde, sollen die Angeklagte als Scheinfirma Waren – von Obst bis hin zu Gabelstaplern – im Wert von rund 450.000 Euro geordert und nicht bezahlt haben.

Die Staatsanwaltschaft Hannover wirft den Angeklagten im Alter zwischen 34 und 61 Jahren mit deutscher, russischer, kasachischer, armenischer, tschechischer und türkischer Staatsangehörigkeit vor, in der Zeit von 2009 bis März 2014 insgesamt 15 Straftaten begangen zu haben. Der Prozess ist auf weitere 82 Verhandlungstage angesetzt.

Gerichtssprecher Harald Natho kennt die Anklageschrift: „Demnach sollen drei der Angeklagten Rädelsführer einer auch im Ausland bestehenden kriminellen Vereinigung gewesen sein, die sich als Teilgruppe einer größeren Organisation der russischen und eurasischen Subkultur im Raum Hannover etabliert habe.“ Dabei soll der Älteste von ihnen als sogenannter „Dieb im Gesetz“ mindestens seit November 2010 die Gruppierung angeführt haben. Deren Zweck sei unter anderem auf die Begehung von banden- und gewerbsmäßigen Betrugstaten gerichtet gewesen. Zwei weitere Angeklagte sollen als Statthalter und Aufseher der Gruppierung fungiert und deren aus Straftaten finanzierte Gemeinschaftskasse verwaltet haben. Ein vierter Angeklagter soll lediglich Mitglied der kriminellen Vereinigung gewesen sein.

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Der Bereich des Lüneburger Landgerichts ist heute durch ein großes Polizeaufkommen gesichert. Die Stadt hat zudem ein Halteverbot verhängt. Widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge werden abgeschleppt. Foto: mm

Darüber hinaus wirft die Staatsanwaltschaft vier der sechs Angeklagten insgesamt elf Fälle des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs vor, wobei sie zugleich mehrere Fälle der Urkundenfälschung und Urkundenunterdrückung begangen haben sollen. Sie sollen jeweils hochwertige Geräte, Fahrzeuge und Maschinen für eine Briefkastenfirma geleast oder Waren eingekauft, aber die dafür anfallenden Ratenzahlungen nicht erbracht haben. Vielmehr sollen sie wie von Anfang an geplant die durch Täuschung erlangten Wirtschaftsgüter anderweitig gewinnbringend abgesetzt oder dies zumindest versucht haben. Der dadurch entstandene Schaden soll insgesamt rund 450000 Euro betragen.

Fünf der sechs Angeklagten befinden sich in Untersuchungshaft. Drei von ihnen wurden zwischen Mai und Juli 2014 im Raum Hannover festgenommen. Ein weiterer Angeklagter wurde im Juni 2014 in der Tschechischen Republik verhaftet und einen Monat später nach Deutschland ausgeliefert. Der Fünfte wurde im Juli 2014 in Griechenland verhaftet und Anfang dieser Woche nach Deutschland ausgeliefert.

Im Bereich des Landgerichts und der Bardowicker Straße hat die Stadt Halteverbotsschilder aufgestellt. Die Verwaltung kündigte zudem an, widerrechtlich dort geparkte Fahrzeuge abschleppen zu lassen.

 

„Diebe im Gesetz“

Unter der Bezeichnung „Diebe im Gesetz“ versteht sich eine bestimmte Gruppe von Kriminellen, die meist aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion stammt und die in Deutschland der Organisierten Kriminalität zugeordnet wird. Es handelt sich allerdings nicht um eine zusammengehörige Organisation. Die „Diebe im Gesetz“ sind die jeweiligen Anführer eines regionalen Verbands. Die Anführer hatten zu Zeiten der Sowjetunion einen eigenen Verhaltenskodex sowie eigene Organisationsstrukturen und Kommunikationsformen entwickelt. Spätestens seit dem Zerfall der UdSSR sind die „Diebe im Gesetz“ auch international aktiv.