Donnerstag , 29. September 2016
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Das Gymnasium Oedeme ist beliebt. Doch ausgerechnet Kinder aus Oedeme selbst sollen künftig kaum noch eine Chance haben, hier zu lernen. Der Kreis als Schulträger will eine Grenze mitten durch den Stadtteil ziehen. Foto: t&w
Das Gymnasium Oedeme ist beliebt. Doch ausgerechnet Kinder aus Oedeme selbst sollen künftig kaum noch eine Chance haben, hier zu lernen. Der Kreis als Schulträger will eine Grenze mitten durch den Stadtteil ziehen. Foto: t&w

Thema im Kreisschulauschuss: Wahlfreiheit des Gymnasiums im Fall Oedeme

ahe Lüneburg. Im Grunde klingt der Tagesordnungspunkt durchweg positiv: Von „Entlastungen für das Gymnasium Oedeme sowie den Schulstandort Scharnebeck“ ist da die Rede. Die Form der Entlastung aber, die sich der Landkreis in Absprache mit der Stadt Lüneburg ausgedacht hat, sorgt im Fall Oedeme schon vor der Sitzung des Kreisschulausschusses heute Nachmittag (16 Uhr in der Kreisverwaltung) für jede Menge Zündstoff. Denn der Schul­träger will de facto die Wahlfreiheit für einige Kinder und deren Eltern beschneiden. Kinder aus Teilen Oedemes hätten künftig so gut wie keine Chance mehr, am Gymnasium vor ihrer Haustür zu lernen (LZ berichtete).

Das Gymnasium Oedeme hat als Folge seiner Beliebtheit ein Platzproblem. Weil die Schule in den vergangenen Jahren so stark angewählt wurde, das meist sieben 5. Klasse gebildet wurden, spitzt sich die Raumnot zu. Schulleiter Dieter Stephan hatte sich deshalb mit dem Wunsch nach Entlastung im Sommer vergangenen Jahres an die Verwaltungsspitzen von Stadt und Landkreis gewandt. Denn nicht nur aufgrund der Bauphase, sondern unter anderem auch durch die zusätzliche Unterrichtsverpflichtung der Koordinatoren sei der Schulbetrieb zunehmend schwieriger logistisch zu bewerkstelligen, die vielen Standorte auf dem weitläufigen Gelände auf beiden Seiten des Oedemer Weges trügen ihr Übriges dazu bei. Kurzfristig müsse deshalb eine Sechszügigkeit das Ziel sein, mittelfristig, wenn sich die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren durch einen zusätzlichen Jahrgang auswirkt, womöglich gar eine Fünfzügigkeit.

Dass Kinder, die in unmittelbarer Nähe zur Schule wohnen, oft in Sichtweite, künftig nicht mehr aufgenommen werden sollen, hielte ich für problematisch. Zumindest sie sollten einen gleichberechtigten Zugang behalten. Dieter Stephan (Schulleiter)

Diese Sechszügigkeit schon zum Sommer dieses Jahres wollen nun auch Stadt und Landkreis realisieren. „Beim Ziel herrscht Einvernehmen“, sagt Stephan, über den Weg dorthin nicht. Denn dass Kinder aus Teilen Oedemes an seiner Schule nicht mehr aufgenommen werden sollen, sobald und das steht zu erwarten mehr als sechs 5. Klassen angemeldet werden, hält er für falsch. „Wir sehen uns nicht nur als Schule des Landkreises, sondern auch als Schule für den Stadtteil Oedeme, haben uns zum Beispiel auch mit einem Beitrag an der 800-Jahr-Feier des Ortes beteiligt. Dass Kinder, die in unmittelbarer Nähe zur Schule wohnen, oft in Sichtweite, künftig nicht mehr aufgenommen werden sollen, hielte ich für problematisch. Zumindest sie sollten einen gleichberechtigten Zugang behalten.“

Bei der Suche nach einem geeigneten Weg zur Sechszügigkeit sei seine Schule obwohl unmittelbar betroffen nicht beteiligt gewesen. Das hatte, als jüngst Landrat Manfred Nahrstedt und Oberbürgermeister Ulrich Mädge die Pläne vorgestellt hatten, noch ganz anders geklungen. Sie hatten von einem Einvernehmen mit den Schulleitern gesprochen. Dass ab 2019 auch Kinder aus Deutsch Evern so gut wie keine Chance mehr auf den Besuch des Gymnasiums Oedeme haben sollen, „ist auch keine Idee, die von uns kommt“, sagt Stephan. Dabei habe die Schulleitung ihrerseits durchaus Vorschläge gemacht: „Man könnte zum Beispiel Kindern aus Amelinghausen zumindest die Möglichkeit gewähren, zum Gymnasium im für sie näher gelegenen Salzhausen zu gehen. Auch könnte man Kinder aus Reppenstedt die Herderschule anwählen lassen, die dann natürlich gleichzeitig anderweitig entlastet werden müsste“, schlägt Stephan vor. Und auch eine dritte IGS könnte Schülerströme von den Gymnasien abziehen, sofern sie auf dem Gebiet der Stadt Lüneburg realisiert würde. Bei einem Standort in Adendorf oder Bardowick glaubt Stephan hingegen nicht an eine echte dauerhafte Entlastung. Selbst ein Losverfahren, obwohl auch für ihn nur eine Notlösung, würde er für seine Schule der Lösung der „geographischen Brechstange“ mitten durch Oedeme vorziehen.

Übergangen fühlt sich in der Frage auch der Ortsrat Oedeme, der das Thema nun erst im März behandeln kann, dann womöglich mit den hinter verschlossenen Türen erdachten und zunächst in nicht-öffentlicher Sitzung im Schulgrundsatzausschuss getroffenen Entscheidung vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Ortsratsmitglieder wie Dr. Sabine Mahncke fordern vorher mindestens eine offene und transparente Debatte mit Ortsrat und Eltern. Lutz Rosenkranz, ebenfalls im Ortsrat, spricht gar von einem „Schlag ins Gesicht“. Und auch die Opposition im Kreistag übt Kritik. Die Fraktion CDU/Bündnis21 RRP fordert den Landrat auf, „vor einer Beschlussfassung im Schulausschuss zunächst mit allen Beteiligten in einen offenen Dialog zu treten“. Das sei „längst überfällig“. Die Zeit, in der die Marschroute nun durch die Gremien gepaukt werden solle, sei zu kurz. „Da bleibt nicht genug Zeit, Vorschläge offen aufzunehmen, einzuarbeiten, Alternativen zu durchdenken und zu diskutieren“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die rot-grüne Mehrheit könnte die Strategie der Kreisverwaltung durchwinken. Stephan aber ist zuversichtlich, dass die Entscheidung noch nicht in Stein gemeißelt ist: „Ich glaube, dass ein konstruktiver Dialog noch möglich ist.“