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SEPA wird ein Jahr alt. Für die meisten Bankkunden bedeutet das neue Verfahren vor allem ene lange Zahlen-Buchstaben-Kombination. Foto: t&w
SEPA wird ein Jahr alt. Für die meisten Bankkunden bedeutet das neue Verfahren vor allem ene lange Zahlen-Buchstaben-Kombination. Foto: t&w

Ein Jahr SEPA: Viel Lärm um nichts

us Lüneburg. „Gebracht hat das für uns gar nichts, nur einen riesigen Berg Überstunden.“ Wenn Jörn Lucas an die Umstellung auf das neue Zahlungsverkehrsverfahren SEPA vor einem Jahr zurückdenkt, kann er immer noch ärgerlich werden. „Das war für Unternehmen mit internationalem Zahlungsverkehr wichtig, aber doch nicht für Vereine wie uns“, sagt der Geschäftsführer des MTV Treubund. Nicht nur die zusätzliche Arbeit, auch die zusätzlichen Verwaltungskosten, die Lucas mit rund 3000 Euro beziffert, hätten ihn „unglaublich erbost“.

Einfacher und einheitlicher, so lautete das Versprechen, das mit dem neuen Zahlungsverkehrssystem SEPA (Single Euro Payments Area) abgegeben wurde. Am 1. Februar 2014 trat es in Kraft, seit 1. August 2014 können Unternehmen, Organisationen, Verbände oder Vereine ihre Überweisungen und Lastschriften nur noch nach diesem Verfahren ausführen egal ob national oder europaweit.

„Der Handlungsdruck bei unseren Geschäftskunden war enorm“, weiß Frank Elsner, Pressesprecher der Sparkasse Lüneburg. Frühzeitig sei man deshalb auf die Kunden zugegangen, mit einer „breit angelegten Informationsoffensive“ habe man über IBAN (International Bank Account Number), BIC (Business Identifier Code), Gläubiger-ID oder Mandats-Referenz aufgeklärt. Doch noch ein halbes Jahr vor dem SEPA-Start, meldete im vergangenen Jahr die Deutsche Bundesbank, hätten sich lediglich 11 Prozent der Unternehmen und Vereine überhaupt auf den Weg zur Umstellung gemacht. Um ein Zusammenbrechen des Zahlungsverkehrs zu verhindern, wurde die ursprüngliche Frist um sechs Monate verlängert. „Wir waren gut vorbereitet, mit der Umstellung waren wir auch schon am 1. Februar 2014 zu fast hundert Prozent durch“, sagt Elsner.

Ähnlich arbeitsintensiv und ebenso erfolgreich sei die Umstellung bei der Volksbank Lüneburger Heide verlaufen, versichert Regionaldirektor Fedor Zimmermann. Er sagt aber auch: „Die Masse der Zahlungspflichtigen zieht keinen Nutzen daraus, nur bei grenzüberschreitenden Überweisungen innerhalb der EU bietet das neue System einen Vorteil.“ Zu ihnen gehören auch die Privatkunden, die aber noch bis zum 31. Januar 2016 Zeit haben, sich auf das neue System einzustellen. Erst dann müssen auch sie die 22-stellige IBAN-Nummer zwingend verwenden, bislang reichen noch Kontonummer und Bankleitzahl bei Überweisungen aus. Bei Zahlungen ins Ausland kommt noch die BIC dazu, eine elfstellige Buchstabenkombination, die eine eindeutige Zuordnung der ausländischen Bank ermöglicht.

Befürchtungen, die Nutzung der IBAN-Nummer könne zu vielen Fehlbuchungen oder Falschläufern im Zahlungsverkehr führen, haben sich offenbar nicht bewahrheitet. „Unsere Auswertungen haben ergeben, dass die Zahl der Rückgaben nach der Umstellung in etwa gleich geblieben sind“, sagt Elsner. Bei der Volksbank heißt es ebenfalls: keine Auffälligkeiten. Auch bei der Verbraucherzen­trale Niedersachsen sind keine Beschwerden von Bankkunden eingegangen, berichtet Pressereferentin Gabriele Peters.

Doch auch für Privatkunden biete SEPA Vorteile, wie Elsner ausführt: „Wenn bei einer Abbuchung aufgrund einer Lastschrift kein entsprechendes Lastschrift-Mandat vorliegt oder dem Mandat zuvor widersprochen wurde, kann man den Betrag innerhalb von 13 Monaten zurückfordern. Überdies kann einer Lastschrift ohne Angabe von Gründen innerhalb von 8 Wochen widersprochen werden, zuvor waren es 6 Wochen.“ Und: Bei Überweisungen könne schon anhand der beiden ersten Ziffern der IBAN-Nummer erkannt werden, ob der Betrag ins Ausland geht oder nicht. „Überweisungen auf Konten innerhalb Deutschlands beginnen immer mit DE.“

Für Vereine wie den MTV Treubund kann dies aber mitunter auch zu einer zusätzlichen Hürde werden. Geschäftsführer Jörn Lucas dazu: „Im Streitfall wird ein Betrag, der uns aber zusteht, dann schnell zurückgebucht. Die zusätzliche Sicherheit führt bei uns damit zu einem zusätzlichen Aufwand, im Zweifel muss ja ohnehin genau nachgewiesen werden, ob der Anspruch rechtens war oder nicht.“