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Platz für Gewerbe? Aus Sicht des Landrats schon, bei der Bundeswehr ist man über die Ideen für den Standortübungsplatz allerdings verwundert. Foto: t&w
Platz für Gewerbe? Aus Sicht des Landrats schon, bei der Bundeswehr ist man über die Ideen für den Standortübungsplatz allerdings verwundert. Foto: t&w

Gewerbeflächen in Wendisch Evern? Landrat schielt auf Truppenareal

as Lüneburg. Für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes braucht es nicht nur Gewerbeflächen in der Stadt Lüneburg, sondern auch im Landkreis. Das hat Landrat Manfred Nahrstedt jüngst bei Gesprächen im Rathaus erklärt, bei denen es um die künftige Nutzung von Flächen der Theodor-Körner-Kaserne (TKK) ging. Im Kreis hat der Landrat auch schon eine mögliche Fläche im Visier: Teile des Standortübungsplatzes bei Wendisch Evern, der am Elbe-Seitenkanal liegt. Vollkommen überraschend kommen diese Überlegungen für Oberstleutnant Tim Grünewald, Kommandeur der Lüneburger Aufklärer und zugleich Standortältester.

Wie berichtet, hatten die SPD-Politiker Hiltrud Lotze (MdB), Andrea Schröder-Ehlers (MdL) sowie Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Landrat Nahrstedt mit dem Bundestagsabgeordneten und Verteidigungspolitiker Lars Klingbeil beratschlagt, wie wieder mehr Bewegung in die stockenden Verhandlungen um die Nutzung von TKK-Flächen kommen könnte. „Bei dem Gespräch habe ich Lars Klingbeil gebeten, in Berlin zu eruieren, ob die Chance besteht, Flächen des Standortübungsplatzes Wendisch Evern zu bekommen. Wenn das gegeben wäre, würden wir diese gerne nutzen zur Entwicklung eines Gewerbegebiets, aber auch als Ausgleichsflächen, um etwas für die Natur zu tun“, erläutert Nahrstedt auf LZ-Anfrage. Vor dem Hintergrund, dass die Bundeswehr immer weiter reduziert werde, müsse die Frage erlaubt sein, „ob wir nicht Teile in Wendisch Evern nutzen können“. Das Areal sei ideal für Gewerbeflächen, da es in Nähe zur Ostumgehung liege.

Nahrstedt hatte im Vorfeld zu dem Thema auch mit dem Bürgermeister der Samtgemeinde Ostheide, Norbert Meyer, und dem Rathauschef der Samtgemeinde Ilmenau, Peter Rowohlt, gesprochen, „ob sie in die Richtung mitgehen würden. Auch sie sehen es als gute Möglichkeit an, den Übungsplatz für unsere Bedarfe zu nutzen“, berichtet der Landrat.

Irritiert zeigt sich Oberstleutnant Tim Grünewald. Dass der Landkreis begehrliche Blicke auf Teile des Standortübungsplatzes in Wendisch Evern wirft, war dem Kommandeur der Lüneburger Aufklärer bis gestern neu. Auch wenn die Bundeswehr in den vergangenen Jahren in Lüneburg deutlich reduziert wurde, bedeutet das nach Grünewalds Einschätzung noch lange nicht, dass damit der Standortübungsplatz in Wendisch Evern deswegen überdimensioniert für die verbliebene Truppe sei. Im Gegenteil, „denn wir sind nicht die einzigen, die den Übungsplatz nutzen“, auch aus Hamburg, Munster sowie aus anderen Bundeswehrstandorten und selbst von Nato-Partnern werde der Platz intensiv genutzt. Das gelte auch für die Sammelstandortschießanlage auf dem Platz.

Im Übrigen sei der Übungsplatz in Wendisch Evern einer der wenigen Plätze, der groß genug sei, um dort die KZO-Drohne (ein unbemanntes Luftfahrzeug für Aufklärungszwecke) starten zu lassen. Würde der Platz verkleinert, sieht Grünewald da Probleme. Auch mit der Folge, dass dort Soldaten nicht eine Mindestflugzahl mit der Drohne absolvieren können, um diese dann steuern zu dürfen. Grünewald weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass in diesem Jahr eine Drohnen-Batterie des Panzerartillerie-Lehrbataillons 325 aus Munster in die Theodor-Körner-Kaserne verlegt wird. Grünewald: „Mit gut 800 Soldaten sind und bleiben wir ein großer Bundeswehrstandort.“

Begehrlichkeiten bezüglich des Platzes in Wendisch Evern gebe es seit Jahren, „auch im Zusammenhang mit der A39“, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols. Ungeklärt sei, ob Teilflächen frei werden könnten. Da müsste man im Bundesverteidigungsministerium nachfragen. Wie Grünewald macht Pols aber auch deutlich, dass sich dort die Standortschießanlage befinde, die auch von anderen Truppeneinheiten genutzt werde. „Außerdem muss geprüft werden, inwieweit dort Naturschutzflächen bestehen.“