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Caroline Daasch (v.l.), Lea-Sophie Gellermann und Christine Hinze versuchen unter Aufsicht von Lehrer Hermann Kraake herauszufinden, welche Sämereien, Futtermittel oder Werkstoffe sich in den Schachteln befinden. Foto: t&w
Caroline Daasch (v.l.), Lea-Sophie Gellermann und Christine Hinze versuchen unter Aufsicht von Lehrer Hermann Kraake herauszufinden, welche Sämereien, Futtermittel oder Werkstoffe sich in den Schachteln befinden. Foto: t&w

Lüneburg sucht den Superbauern +++ mit LZplay-Video

off Lüneburg. Nele Bollmann steht im Gewächshaus und greift die Plastikschachtel mit der Nummer 4. Winzige schwarze Körner rutschen von einer Ecke in die andere. Die 18-Jährige ist unsicher, sie hält sich die Box unter die Nase, dreht ein paar Körner zwischen Daumen und Zeigefinger hin und her. In ihrem Kopf geht sie die Möglichkeiten durch, die ihr einfallen und schreibt nach ein paar Sekunden „Zwiebeln“ auf ihr Aufgabenblatt. Dann nimmt sie Schachtel Nummer 5 vom Tisch, dieses Mal genügt ihr ein kurzer Blick. Die Zuckerrüben-Saat ist identifiziert eine Hürde, an der beim Kreisentscheid des Berufswettbewerbs der deutschen Landjugend viele ihrer Mitstreiter scheitern.

Insgesamt 50 angehende Landwirte kämpfen gestern in der LeistungsklasseI um den Sieg. Parallel messen sich in den Räumen der Berufsbildenden Schulen (BBS) III vier Teams aus jeweils zwei Junglandwirten, die derzeit die Fachschule besuchen (LeistungsstufeII). Alle zwei Jahre finden die Wettbewerbe statt, werden im Kreis Lüneburg vom Bauernverband Nordostniedersachsen (BVNON) und den BBS III ausgerichtet. Wer hier vorne liegt, qualifiziert sich für den Landeswettbewerb und erhält dort die Chance für ein Ticket zum Bundeswettbewerb in Bayern.

Ihr Können müssen die Teilnehmer beider Leistungsklassen in Theorie und Praxis unter Beweis stellen, dabei sowohl berufsbezogene als auch allgemeinbildende Fragen beantworten. Wie funktioniert das Verdauungssystem eines Rindes? Wie heißen die verschiedenen Teile eines Pfluges? Welche Staaten grenzen an Deutschland? Und wo liegt das Schloss Neuschwanstein? Nele Bollmann hat den theoretischen Teil bereits hinter sich. „Und ich glaube, es war ganz gut“, sagt sie. Nach der Bestimmung von Saatgut, Futtermitteln und Werkstoffen muss sie noch einen vom Beleuchtungskabel abgerissenen Stecker fachgerecht wieder anschließen und eine fünfminütige Präsentation halten. Dann heißt es warten und auf den Sieg hoffen.

Schwieriger wird es für die Zweier-Teams der LeistungsstufeII, als ausgebildete Landwirte müssen sie detaillierteres Fachwissen vorweisen, eine 15-minütige Präsentation halten, als Praxisaufgaben zum Beispiel eine Stellenanzeige verfassen oder die richtige Düngermenge berechnen. Der schwierigste Part? „Für mich die allgemeinbildenden Fragen“, sagt der 27-jährige Rouven Prescher aus Bispingen. „Oder wissen Sie, wo genau das Taunus- oder Hunsrück-Gebirge liegt?“

Mit 50 Teilnehmern in der LeistungsklasseI ist der Wettbewerb in diesem Jahr so beliebt wie lange nicht. 2013 haben nur 38 Auszubildende mitgemacht, 2011 sogar nur 22. Das mag am zunehmenden Interesse der jungen Leute liegen oder schlicht daran, dass die Zahl der angehenden Landwirte seit Jahren steigt. „Trotz demografischen Wandels haben wir heute gut zehn Prozent mehr Auszubildende in der Landwirtschaft als vor ein paar Jahren“, sagt Jens Wischmann, Kreislandwirt und Vorsitzender des BVNON in Lüneburg.

Nele Bollmann hält die Schachtel mit der Nummer 7 in der Hand, nach zwei leichten Lektionen wieder eine Herausforderung. „Sieht aus wie Kaffee“, sagt sie, schüttelt die dunklen Kugeln zweimal hin und her und schreibt dann Ackerbohnen auf ihren Zettel. Eine halbe Stunde später macht Lehrer Hermann Kraake ein Häkchen hinter die Nummer 7 genau wie hinter die Zwiebeln mit der Nummer 4. Die angehende Landwirtin aus Peine hat bewiesen, dass auch Frauen ein Händchen für Landwirtschaft haben. Am Ende landet sie damit auf Platz 2 hinter David Luhmann aus Mechtersen und vor Henning Beecken aus Südergellersen. In der LeistungsklasseII belegen Bennet Luhmann aus Mechtersen und Morten Ehlers aus Südergellersen Platz 1, Johannes Meyn aus Marschacht und Rouven Prescher aus Bispingen Platz 2.