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Die Fotomontage zeigt die geplanten acht Windräder des Bürgerwindparks Bardowick, von Wittorf aus gesehen aus einer Entfernung von rund zwei Kilometern. Ein Investor fordert die Flächen bei Vögelsen wieder ins Spiel zu nehmen. Montage: bvnon/nh
Die Fotomontage zeigt die geplanten acht Windräder des Bürgerwindparks Bardowick, von Wittorf aus gesehen aus einer Entfernung von rund zwei Kilometern. Ein Investor fordert die Flächen bei Vögelsen wieder ins Spiel zu nehmen. Montage: bvnon/nh

Firma will Wiederaufnahme der Windkraftfläche Vögelsen

dth Vögelsen/Bardowick. Vordergründig sucht der Investor nach einer „einvernehmlichen Lösung“ mit dem Landkreis. In dem Schreiben, das dieser Tage an alle Lüneburger Kreistagsabgeordneten gegangen ist, schwingt aber auch die Drohung einer Klage mit, die Sache würde „mit hoher Wahrscheinlichkeit abschließend durch Dritte überprüft werden“, orakelt die „Win Energie & ORBIS GbR“ mit Sitz in Winsen/Luhe in dem dreiseitigen Schreiben. Es geht um das Windkraft-Vorranggebiet Vögelsen, das der Kreis während des Planungsprozesses wegen eines Rotmilan-Vorkommens 2013 gestrichen hatte. Bevor der Kreis demnächst die Planungen festklopft, drängt der Investor nun auf die Wiederaufnahme der Fläche, zumindest einer reduzierten Variante. Die Aussicht auf ein Gerichtsverfahren schreckt Lüneburgs Kreisrätin Monika Scherf nicht: „Wir erleben solche Ankündigungen tagtäglich. Wir rechnen mit Klagen von Gegnern und Befürwortern der Windenergie.“ Auf die Einwände auch der Winsener Firma, werde demnächst der Fachausschuss für Raumordnung noch einmal eingehen.

Noch im Herbst 2012 buhlten der Bauernverband Nordostniedersachsen (BVNON) und die Win Energie & Orbis um die Gunst der Flächeneigentümer, um in Vögelsen und Bardowick Windparks zu entwickeln. Seinerzeit betrug die im Entwurf geplante Gesamtfläche Bardowick/Vögelsen 236 Hektar. Im Bereich Bardowick behielt der BVNON mit seinem Bürgerwindpark-Modell in Kooperation mit der Samtgemeinde die Oberhand. Hingegen sicherten sich die Winsener große Teile der Vögelser Teilfläche mit Gestattungsverträgen. Im Herbst 2013 flogen von den damals noch kreisweit 12 von ursprünglich 14 Vorrangflächenstandorten vier weitere Gebiete aus der Planung. Darunter die Teilfläche zwischen Vögelsen, Mechtersen und Radbruch. Als Begründung wurden Nist- und Brutplätze des streng geschützten Greifvogels Rotmilan angeführt. Dazu hat die Winsener Firma ein Gutachten erstellen lassen, das zu anderen Erkenntnissen komme.

In dem Schreiben an die Abgeordnete heißt es: „Nach diesen Gutachten haben wir das potenzielle Vorranggebiet deutlich verkleinert. () Der Gutachter geht davon aus, dass ein Abstand von 500 Metern vom Rotmilanhorst im nordwestlichen Bereich ausreichend ist, um keine erheblichen artenschutzrechtlichen Konflikte herbeizuführen.“ Demnach könne „eine verringerte Wind-Vorrangfläche im Bereich Vögelsen sehr wohl dargestellt und gerichtsfest vertreten werden“, heißt es von Win Energie & Orbis. Das sieht der Kreis anders.

Laut Kreisrätin Scherf berge das Orbis-Schreiben „keine neuen Erkenntnisse“, der Kreis habe sich damit bereits bei der jüngsten Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen der zweiten Auslegung auseinandergesetzt. Scherf: „Genau dort, wo Orbis Windkraftanlagen bauen will, befindet sich das Durchfluggebiet des Rotmilans zum Nahrungshabitat. Deshalb bestünde dort aus unserer Sicht ein erhebliches Tötungsrisiko für den Rotmilan.“ Und: „Wenn die Firma meint, dass sie da richtig liegt, kann sie das gerne von Dritten überprüfen lassen. Das ist deren gutes Recht.“ Klageandrohungen habe es auch schon von anderer Seite bei weiteren Flächen gegeben, etwa von den Bürgerinitiativen in Oerzen oder Boltersen.

Dabei ist Vögelsen nicht der einzige Standort, um den wegen des Rotmilans gerungen wird. Scherf: „Ein Rotmilan-Vorkommen heißt aber nicht automatisch, dass eine Fläche ausgeschlossen wird.“ So etwa in Köstorf. Dort steht in Rede, die bereits bestehende Windpark-Fläche zu erweitern. Scherf: „In Vögelsen würden wir eine neue Belastung im Raum schaffen, dort gibt es noch keine Windenergie. In Köstorf ist derzeit fraglich, ob der Rotmilan zur Nahrungsfindung durch den bestehenden Windpark fliegen muss und ob der Vogel durch zusätzliche Anlagen massiv gefährdet wäre.“

Am Dienstag, 24. März, wird sich der Kreistags-Ausschuss für Erneuerbare Energien mit dem überarbeiteten Entwurf zur 2. Änderung des Regionalen Raumordnungsprogramms zur Ausweisung von Vorranggebieten für Windenergienutzung befassen.