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Johann besucht mit Wunschpatin Debora Jasker (l.) und Mama Kirsten Erbguth seinen Lieblingsplatz im Kurpark, eine uralte Flügelnuss. Foto: t&w
Johann besucht mit Wunschpatin Debora Jasker (l.) und Mama Kirsten Erbguth seinen Lieblingsplatz im Kurpark, eine uralte Flügelnuss. Foto: t&w

Familien suchen nach Wunschpaten

mm Lüneburg. Schon viele Lüneburger Familien und Wunschpaten haben über den Caritasverband zueinander gefunden. Aktuell ist die Warteliste für Familien, die sich einen Paten wünschen, allerdings recht lang, trotzdem werden auch noch Familien aufgenommen. Aber es fehlen Paten. Etwa ein Jahr lang dauerte die Suche auch für Familie Erbguth. Dann kam Debora Jasker. Die 48-Jährige hat die Patenschaft für Johann, 3 Jahre alt, übernommen. Sie ist Brasilianerin, Johann, ein kleiner Fan von Wassermühlen und manchmal Sprachlehrer für seine Patin.

Treffen im Wohnzimmer von Familie Erbguth. Oft schmökern Johann und Debora Jasker hier zusammen in Bilderbüchern und Geschichten. Manchmal stoppt die Patin beim Vorlesen aber abrupt. Wie bei dem Wort Weltall, das will ihr einfach nicht über die Lippen flutschen. Aber Hilfe lehnt an ihrer Schulter. „Es kommt schon häufiger vor, dass ich von Johann bei der Aussprache verbessert werde“, verrät Debora Jasker.

Sie ist vor drei Jahren aus São Paulo nach Lüneburg gezogen, „wegen der Liebe“. Dafür hat die 48-Jährige ihren Job als Bankmanagerin aufgegeben und sich eine neue Berufung gesucht: Johann. Seit nahezu einem Jahr ist sie seine Wunschpatin. „Ein großes Geschenk“, sagt Mama Kirsten Erbguth.

Sie und ihr Mann hatten sich eine weitere Bezugsperson für Einzelkind Johann gewünscht. Denn das eine Großelternpaar lebt nicht mehr, das andere in der Nähe von Frankfurt am Main. Zu weit weg für regelmäßige Besuche. Weit weg ist auch die Großfamilie von Debora Jasker in Brasilien. „Ich vermisse sie sehr.“ Doch Debora Jasker kann sich trösten, in Lüneburg gibt es Johann.

Mindestens einmal pro Woche sehen sie sich. Mal bei Debora, mal bei Johann. Jetzt bei Familie Erbguth zu Hause. An diesem Nachmittag steht noch ein Spaziergang im nahegelegenen Kurpark an. Mit seinem kleinen Zweirad prescht Johann vorneweg, die Wege im Kurpark sind ihm bestens vertraut. Seine Patin folgt ihm. Johann führt sie zu seinem Lieblingsplatz: einem uralten Baum. Denn die Flügelnuss nahe dem Spielplatz hinter dem Musikpavillon mit ihren markant ausgestreckten Ästen und Zweigen sieht für Johann aus wie eine Windmühle. Schon jetzt hegt er einen leisen Berufswunsch: Müller. Stolz präsentiert er seiner Patin schon mal seinen „Arbeitsplatz“ zwischen den dicken Baumstämmen. Und schon ist auch die Idee für einen nächsten Ausflug geboren: ein Besuch im internationalen Wind- und Wassermühlenmuseum in Gifhorn.

Wer selbst eine Patenschaft übernehmen möchte oder einen Paten sucht, ist eingeladen zur Info-Veranstaltung am Donnerstag, 12. Februar, 15 Uhr, im Geschwister-Scholl-Haus, Carl-von-Ossietzky-Straße 9.