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Sören Köppen und Anika Kraft vermitteln in ihrem kleinen Büro am Blümchensaal Zimmer für ausländische Gäste. Der Kontakt läuft oftmals über das Internet. Foto: ca
Sören Köppen und Anika Kraft vermitteln in ihrem kleinen Büro am Blümchensaal Zimmer für ausländische Gäste. Der Kontakt läuft oftmals über das Internet. Foto: ca

Ein Zuhause für ein paar Wochen – Verein vermittelt Unterkünfte für ausländische Studenten und Praktikanten

ca Lüneburg. Heimweh ist ein Problem. Wenn den Student aus den USA nach zwei Wochen unstillbare Sehnsucht nach Idaho und der Freundin überfällt, gibt es erst einmal eine tröstende Beratung. Hilft die nicht, kann der angehende Akademiker sein Zimmer verlassen und zurückkehren ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Der Verein Housing Lüneburg kennt solche Beispiele. Vorsitzender Sören Köppen und seine Büroleiterin Anika Kraft vermitteln Wohnraum und Betreuung.

Der Verein funktioniert wie ein Scharnier zwischen Vermietern und kurzzeitigen Wohnungsinteressenten. Mal sind es Familien, die das inzwischen leerstehende Kinderzimmer abgeben wollen, mal die Wohngemeinschaft, die für ein paar Monate einen „Ersatz“ für den Freund sucht, der ein Auslandssemester einlegt, aber auch Hausbesitzer, die mehrere Zimmer anbieten. Der Verein belegt die Räume dann beispielsweise mit Gast-Dozenten und -studenten, aber auch mit Leuten, die etwa für ein längeres Praktikum an die Ilmenau kommen.

„Wir haben etwa 140 Zimmer und zehn Wohnungen im Angebot“, sagt Köppen. Die meisten liegen in der Stadt, ein paar in den Randgemeinden. Was vor acht Jahren als Initiative begann, hat längst einen professionellen Charakter. Anika Kraft berichtet, dass der Verein die Räume anmietet und dann an Interessenten weitergibt. Es gibt Begleitung beim Ein- und Auszug, Tipps für Vermieter, die ihre Räume für die dreimonatige Weltreise anderen zur Verfügung stellen wollen und gut daran tun, beispielsweise die wertvolle Vase besser wegzuräumen. Die Mieter auf Zeit bekommen schon mal Besuch und den Hinweis, dass es sinnvoll wäre, den Abwasch zu erledigen.

Es gibt mit Vermietern aber auch schon mal Gespräche über den sogenannten „Kulturschock“, der mit Gästen in der eigenen Wohnung drohen kann: Eine aus Heizgründen geschlossene Wohnzimmertür kann für einen Amerikaner bedeuten, dass er den Raum nicht betreten darf, obwohl die Gasteltern durchaus gesprächsbereit sind. Gästen aus China müsse man schon einmal erklären, dass Klopapier eben ins Klo gehört und nicht in den Eimer daneben, sagt Anika Kraft. Doch alle Irrungen und Wirrungen habe man in der Vergangenheit lösen können.

Bei rund 350 Vermittlungen pro Jahr an Menschen aus aller Welt könne es schon mal zu Schwierigkeiten kommen. Doch offenbar scheint das Modell Erfolg zu haben. Köppen sagt: „Unsere Auslastung liegt bei 95 Prozent.“ 150 Euro Gebühr neben der Miete nimmt der Verein pro Vermittlung. Zahlen muss der Mieter. Ein Entgelt beim Vermieter sei nicht durchsetzbar.

Die Investition ist überschaubar. Auch für Studenten, die nur kurz bleiben, weil sie das Heimweh packt.

Professor sucht Zimmer
Auch die Leuphana sucht Bleiben für ihre Klientel. Uni-Sprecher Henning Zühlsdorff berichtet, dass das zuständige Büro, das International Office, für Winter- und Sommersemester 2014/15 rund 350 Gaststudenten und 20 Wissenschaftler unterbringen möchte. Dafür sei aktuell ein Mitarbeiter eingestellt worden. Man arbeite bei der Suche nach Unterkünften mit dem Verein Campus, dem Studentenwerk Lüneburg-Braunschweig und Gastfamilien zusammen. Auch auf die Dienste des Vereins Housing habe man zurückgegriffen. Doch manchmal geht es auch anders: „Einige unserer Professoren und Dozenten kümmern sich selber darum, dass die Gastwissenschaftler untergebracht werden.“