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Kamera-Inspekteur Dennis Roedszus (r.) und Thorsten Jung bereiten die 60 Kilogramm schwere Kamera vor. Mit ihrer Hilfe wollen sie herausfinden, woher die Verschmutzungen kommen, die das Abwassersystem in Garstedt verstopfen. Foto: t&w
Kamera-Inspekteur Dennis Roedszus (r.) und Thorsten Jung bereiten die 60 Kilogramm schwere Kamera vor. Mit ihrer Hilfe wollen sie herausfinden, woher die Verschmutzungen kommen, die das Abwassersystem in Garstedt verstopfen. Foto: t&w

Salzhausen leidet unter Verstopfung – Kleidungsstücke blockieren Pumpen im Abwassernetz + + + Mit LZplay-Video

emi Garstedt. Windeln, Babyfeuchttücher und Schlüpfer haben die Klärwerk-Mitarbeiter schon aus dem Abwasserkanal gezogen. Hin und wieder auch ein Handy. „Das entspricht zwar nicht unseren Erwartungen, aber dass jemand nach einem schwierigen Gespräch sein Telefon im Klo versenkt, kann ich vielleicht noch nachvollziehen“, sagt Wolfgang Krause. Dass jedoch seit etwa zehn Wochen immer wieder sogar Pullis und Hosen die Pumpen verstopfen, stinkt dem Salzhäuser Samtgemeindebürgermeister die Beseitigung durch Spezialfirmen habe bereits Kosten in Höhe von rund 20000 Euro verursacht. Um den Umweltsündern auf die Schliche zu kommen, hat jetzt eine Firma das Kanalnetz in Garstedt mit einer Kamera durchfahren.

Gesteuert wird das rund 60 Kilogramm schwere, fahrbare Aufnahmegerät per Joystick durch Dennis Roedszus. Der Kamera-Inspekteur sitzt zwischen blinkenden Knöpfen und vier Monitoren an einem Schreibtisch im Inneren eines Spezialfahrzeugs. Auf einem Bildschirm kann der 34-Jährige in Echtzeit die Bilder sehen, die die Kamera rund 120 Meter entfernt im Kanal aufzeichnet. Per Mausklick fotografiert er auffällige Stellen, die Bilder erscheinen automatisch auf einem weiteren Monitor. „Langsam! Stopp! Ein Stückchen raus!“

Roedszus Kommandos gelten Thorsten Jung, der, über einen Gulli gebeugt, am hinteren Ende des Fahrzeugs die Position der Kamera nachjustiert. Wie aufgetragen, zieht Jung per Hand das Aufnahmegerät an einem orangen Spülschlauch und einem grünen Kamerakabel ein Stück aus dem Schacht heraus. Auf zwei Monitoren kann auch er die Kamerabilder mitverfolgen. Nach einer guten Stunde brechen die Männer ihre Arbeit zunächst ab. Ihr vorläufiges Fazit: „Nichts gefunden.“

Für Salzhausens Verwaltungschef Wolfgang Krause ist das eine schlechte Nachricht. Insgesamt 140 Kilometer Abwassernetz betreut die Samtgemeinde, weitere 30 Kilometer werden für die Samtgemeinde Hanstedt mitentsorgt. 35 Pumpen sorgen dafür, dass das Abwasser nicht zu schnell und nicht zu langsam zu den Kläranlagen in Salzhausen und Wulfsen transportiert wird. Fällt eine aus, muss der Bereitschaftsdienst ausrücken. „Die Behebung kleinerer Verstopfungen können wir mit Bordmitteln lösen. Für größere Verstopfungen müssen wir Fremdfirmen beauftragen, deren Einsatz zwischen 400 und 800 Euro kostet.“

Extreme Probleme bereiteten seit Wochen die zwei Pumpen in Tangendorf und Garstedt. Wird der Verursacher ermittelt, müsse sich der Verantwortliche nicht nur auf ein Regressverfahren einstellen, ihm drohe auch ein Strafverfahren wegen Umweltverschmutzung, sagt Wolfgang Krause.

Dennis Roedszus und Thorsten Jung sind inzwischen weitergefahren. An einem anderen Punkt wird die Kamera wieder in die Kanalisation herabgelassen, ein weiterer Abschnitt des Netzes unter die Lupe genommen. Doch am Ende des Tages müssen die Männer vermelden: „Fehlanzeige!“

Salzhausens Verwaltungschef kann sich damit nicht zufriedengeben. „Wenn wir durch die Kamerafahrt keine Anhaltspunkte gewinnen, müssen wir über eine weitere nachdenken“, kündigt er an. Doch noch hofft er, dass die Appelle in der Öffentlichkeit dazu führen, dass der- oder diejenigen die Verschmutzung von sich aus unterlassen.