Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Künstlerin Sina Heffner (v.l.), Projektkoordinatorin Birgit Sunder und LBZ-Geschäftsführerin Martina Wojahn präsentieren das Modell (Verhältnis 1:20) der Kuh auf Stelen passend zum Thema vor dem Rinderstall. Foto: t&w
Künstlerin Sina Heffner (v.l.), Projektkoordinatorin Birgit Sunder und LBZ-Geschäftsführerin Martina Wojahn präsentieren das Modell (Verhältnis 1:20) der Kuh auf Stelen passend zum Thema vor dem Rinderstall. Foto: t&w

Kunst vorm Stall – Braunschweigerin gestaltet Kuh- und Schweineskulpturen für Landwirtschaftliches Bildungszentrum Echem

off Echem. Braunschweig im Juli 2014. Sina Heffner sitzt am Computer und durchsucht das Internet nach neuen Herausforderungen, ihre erste Anlaufstelle: die Homepage des Bundes Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK). Ausschreibung für Ausschreibung liest sie sich durch und bleibt schließlich an einer hängen: Kunst-am-Bau-Wettbewerb in Echem. Die freie Künstlerin bewirbt sich. Und steht acht Monate später als Siegerin auf dem Gelände des Landwirtschaftlichen Bildungszentrums (LBZ). Mit ihren Skultpuren von Rind und Schwein hat sie Sach- und Fachpreisjury überzeugt, jetzt plant die 35-Jährige mit LBZ-Geschäftsführerin Martina Wojahn und Projektsteuerin Birgit Sunder die Umsetzung.

Dass zwischen Schweine- und Rinderställen in Zukunft auch Kunstwerke stehen sollen, hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) als größter Fördermittelgeber des LBZ-Ausbaus zur Bedingung gemacht. „Mit der Umsetzung von Kunst am Bau erfüllen wir ein bundespolitisches Ziel für Zuwendungsprojekte“, sagt Wojahn. Konkret muss die Landwirtschaftskammer Niedersachsen als Trägerin des LBZ rund 150000 Euro investieren. In welche Kunst genau, ermittelte sie in Zusammenarbeit mit BBK in einem zweistufigen Kunstwettbewerb.

„Tier-Landwirtschaft-Lernen“ war das Thema der Ausschreibung, gesucht wurde ein Kunstbeitrag, „der sich auf den spezifischen Ort und seine Architektur sowie die didaktischen Aufgaben und Nutzungskonzepte des Bildungszentrums bezieht“. Ingesamt 113 Bewerbungen gingen ein, sieben wählte die Jury anhand von Referenzprojekten in der ersten Runde aus. „Die sieben sind dann nach Echem eingeladen worden, um sich ein Bild vor Ort zu machen und einen konkreten Entwurf einzureichen“, erklärt Wojahn.
Ende Januar tagten Fach- und Sachpreisrichter erneut, Kammer-Vertreter, Architekt und Vertreter des BIBB diskutierten mit Kunsthistorikern, Professoren und Künstlern die eingegangenen Entwürfe. Schnell kristallisierten sich zwei Favoriten heraus: Sina Heffner mit ihren Tierskulpturen und ein Mitbewerber mit einer 14 Meter hohen Aussichtsplattform. Dass am Ende die Braunschweigerin das Rennen gemacht hat, hatte mehrere Gründe. „Aber unterm Strich hat ihr Gesamtkonzept einfach besser gepasst.“
Und das genau plant die Künstlerin: Auf dem gesamten LBZ-Gelände sollen insgesamt vier Tierskulpturen verteilt werden: Ein Rind auf Stelen zwischen Internat und Verwaltung, drei Schweine auf Stelen vor den Schweineställen, außerdem an jedem Standort weitere einzelne Stelen. „Damit will ich zeigen, dass das Tier im Mittelpunkt steht und mit seiner Umgebung in Balance ist“, erklärt Sina Heffner. „Gleichzeitig zeigen ihm weitere freie Stelen mögliche Wege auf und bieten Veränderungen.“

Bis zu 3,80 Meter hoch werden die Skulpturen aus glasfaserverstärktem Kunststoff in den Himmel ragen, mit ihrer weißen Farbe schon von weitem ins Auge stechen. Für den jeweiligen Bereich sollen sie zur Identifikationsfigur werden, außerdem zum Nachdenken anregen und die Zusammengehörigkeit der beiden Standorte des LBZ markieren. Für Sina Heffner sind es nicht die ersten Skulpturen dieser Art. „Ich komme vom Dorf, wir hatten immer Viechzeugs“, sagt sie. „Tiere haben mich schon während meines Studiums inspiriert.“ Ihr bisher wohl bekanntestes Werk steht seit 2009 an der Braunschweiger Straße in Wolfsburg: eine grasende Giraffe aus dem gleichen weißen Kunststoff, aus denen sie auch die Echemer Tiere gestalten wird. Dort haben viele Bürger ihre Kunstwerk bereits als Stadt-Maskottchen ins Herz geschlossen. Ob die Stelzen-Tiere in Echem ähnlich gut ankommen, wird sich in wenigen Monaten zeigen wenn sie in Originalgröße zu Kunst am Bau werden.