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Auf einer Podiumsdiskussion zur gesetzlichen Neuregelung wurden nun diskutiert, ob Sterbehilfe ethisch vertretbar ist. Foto: A./ t&w
Auf einer Podiumsdiskussion zur gesetzlichen Neuregelung wurden nun diskutiert, ob Sterbehilfe ethisch vertretbar ist. Foto: A./ t&w

Hilfe beim Sterben ethisch vertretbar?

as Lüneburg. Es ist eine der wichtigsten Fragen in unserer Gesellschaft: Wie soll das Leben am Ende gestaltet werden, wenn Menschen schwer krank sind, Angst vor Schmerzen haben und hilflos sind? In diesem Kontext stand auch die Veranstaltung „Hilfe im Sterben Hilfe zum Sterben. Ethische und rechtliche Fragen bei der gesetzlichen Neuregelung der Sterbehilfe“, zu der die SPD-Bundestagsabgeordneten Hiltrud Lotze und Dr. Eva Högl ins Hotel Bergström eingeladen hatten. Auf das Podium hatten die Politikerinnen die Vorsitzende des Freundeskreises Hospiz, Manon von Flotow, sowie die Lüneburger Pastorin Silke Ideker geladen. Das Thema sprach viele Bürger an, 150 waren gekommen, auch um mitzudiskutieren.

Die Parlamentarier des Bundestages haben sich zur Aufgabe gemacht, bis Jahresende einen Gesetzesentwurf zur Neuregelung der Sterbehilfe auf den Weg zu bringen. Ein ethisch schwieriges Thema, die Neuregelung bedürfe einer breiten öffentlichen Diskussion, machten Lotze und Dr. Högl deutlich. Viele Menschen hätten Angst vor Schmerzen, Leiden und Apparatemedizin. „Diesen Sorgen dürfen wir nicht mit der Antwort begegnen, den Tod zu beschleunigen“, sagte Lotze. „Rechtlich gesehen steht Tötung auf Verlangen unter Strafe. Nicht unter Strafe steht Beihilfe zum Suizid. Aus meiner Sicht sollte sich daran nichts ändern“, positionierte sich Dr. Eva Högl. Sie verwies aber auch darauf, dass das ärztliche Standesrecht Medizinern verbiete, Beihilfe zum Suizid zu leisten. Aus ihrer Sicht müsse aber ein Arzt eine solche Gewissensentscheidung treffen können, ohne berufsrechtliche Konsequenzen zu befürchten. Eine diesbezügliche Änderung des Standesrechtes könnten aber nur die Ärzte auf den Weg bringen.

„Es geht darum, die größtmögliche Gestaltung bis zum Lebensende zu ermöglichen. Egal wie lange der letzte Lebensweg ist, er sollte nicht verkürzt werden.“
Pastorin Silke Ideker

Ein wesentliches Anliegen des Bundestages sei es, die Palliativ- und Hospizversorgung sowie die Beratung zu verbessern. Die Aufklärung über die Möglichkeiten der palliativen Versorgung führe dazu, dass der Sterbewunsch bei Patienten gar nicht entstehe, meint Dr. Högl.

Dass die Palliativmedizin gefördert, Palliativeinrichtungen vorangetrieben werden sollen und der Hospizgedanke zusammen mit der Palliativmedizin einen Aufschwung erfährt, ist ganz im Sinne von Manon von Flotow. Die Vorsitzende des ambulanten Hospizvereins erläuterte, dass 80 Ehrenamtliche des Vereins mittlerweile im Einsatz sind, um Menschen auf ihrem letzten Lebensweg zu begleiten. Im Klinikum wurde dank Unterstützung des Vereins zudem eine Palliativstation eingerichtet für Patienten, „die medizinisch austherapiert sind“.

Auch gebe es mittlerweile ein Netzwerk Spezialisierte ambulante Palliativversorgung, dem speziell ausgebildete Ärzte und Pflegekräfte angehören. „Hilfe im Sterben und dort mit aller Kraft, jedoch nicht Hilfe zum Sterben“, das sei die Aufgabe, der sich ihr Verein mit Überzeugung stelle mit Empathie, Fürsorge und der Bereitschaft, einfach für Sterbende da zu sein.

„Es geht darum, die größtmögliche Gestaltung bis zum Lebensende zu ermöglichen. Egal wie lange der letzte Lebensweg ist, er sollte nicht verkürzt werden“, sagte Silke Ideker. Leider gebe es aber immer noch weiße Flecken bei der Palliativ- und Hospizversorgung. „Wenn das geändert wird, kann in Würde gestorben werden“, so die Pastorin. Die Diskussion um Sterben und Tod müsse aber auch stärker in die Gesellschaft geholt werden, ist sie sich mit Manon von Flotow einig, die sagte: „Was wir nicht brauchen, ist eine Verdrängungskultur.“

In der anschließenden Diskussion gab ein Onkologe und Palliativmediziner zu bedenken, dass es trotz bester Palliativversorgung einen kleinen Kreis von Patienten gebe, denen man nicht genug helfen könne in Leid und Qual und die sich Hilfe zum Sterben wünschen. Doch das ist rechtlich nicht zulässig, wäre aber in Extremfällen bei Patienten mit schwersten Tumoren wünschenswert, so der Onkologe. Manon von Flotow verwies auf die Möglichkeit der palliativen Sedierung, die sozusagen ein Ausgleiten möglich macht. Außerdem sei ihre Erfahrung, dass wenn ein Patient die Gewissheit habe, „dass wir bis zum Schluss bei ihm sind, habe ich noch nicht erlebt, dass er sterben möchte“.

Eine Frau aus dem Publikum hielt dagegen: „Ich glaube, dass es auch Grenzen der Hospizbewegung gibt. Menschen, denen nicht über diesen Weg geholfen werden kann.“ Ein Zuhörer schloss sich an: „Ich bin der Meinung, dass es schwere Fälle verdienen, einen Arzt zu haben, der ihnen ein tödlichen Mittel überreicht.“ Auch wurde aus dem Publikum geäußert, dass wenn man selbstbestimmt eine Entscheidung treffen wolle, der letzte Ausweg Sterbehilfe in der Schweiz sei. Mit der die Organisation Dignidad Geschäfte mache, wurde entgegengehalten.

Ob und was man am Ende des Lebens zulassen möchte, das kann in einer Patientenverfügung geregelt werden. „Eine gute Grundlage für Ärzte“, meinte Dr. Eva Högl. Doch dazu müssten die Verfügungen auch wirklich berücksichtigt werden und zum Beispiel Schmerztherapien wirklich erfolgen“, wandte Hedwig von Sichart aus dem Publikum ein.

One comment

  1. schon erstaunlich, wie weit die bevormundung schon gediehen ist. selbst beim sterben will man bervormunden. mit welchem recht? mit dem recht des stärkeren? es gibt doch immer mehr krieg. wer will dort bestimmen, wer sterben soll, oder am leben bleiben soll?