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Alina Kasteinecke wurde im März 2014 beim Wurzelball zur 50. Bardowicker Wurzelkönigin gewählt. Ihre Nachfolgerin wird jetzt erst im September 2015 gekürt. Damit wird Kasteinecke im Amt zwei Erntedankfeste mitmachen. Foto: A./t&w
Alina Kasteinecke wurde im März 2014 beim Wurzelball zur 50. Bardowicker Wurzelkönigin gewählt. Ihre Nachfolgerin wird jetzt erst im September 2015 gekürt. Damit wird Kasteinecke im Amt zwei Erntedankfeste mitmachen. Foto: A./t&w

Bardowick: Schluss mit Wurzelball

dth Bardowick. Der Wurzelball in Bardowick galt einst als „schönster Ball des Jahres“. Es war der „Auftakt zur großen Frühjahrsarbeit nach der Winterpause, wo die Felder ruhten“. Die Arbeit auf den Feldern ist den Bardowicker Gemüsebauern geblieben. Aber der Wurzelball findet nach rund 50-jähriger Tradition jetzt nicht mehr statt. Die Entscheidung zeichnete sich bereits beim vergangenen Erntedankfest ab, als Hermann Bardowicks vom ausrichtenden Gemüsebauverein bekanntgab, dass die Wurzelkönigin künftig nicht mehr wie bisher auf dem Wurzelball im März gewählt werden soll, sondern auf dem ebenfalls jährlichen Erntedankfest im September. Die Zukunft des traditionellen Wurzelballs selbst blieb zunächst offen. Doch jetzt steht fest: Der Ball ist vorerst Geschichte.

Vom vergangenen Jubiläums-Ball abgesehen, bei der auch internationale Gäste aus Bardowicks Partnergemeinden in den Niederlanden (Drechterland) und Polen (Skoki) mitfeierten, sei die Resonanz in den vergangenen Jahren eher dürftig gewesen. „Es waren oft nicht einmal 100 Leute da“, sagt Hermann Bardowicks vom Gemüsebauverein. Jetzt soll die Wahl der Wurzelkönigin auf neue Füße gestellt werden. Petra Gebert, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Samtgemeinde Bardowick, sagt: „Wir kriegen in diesem Jahr die 51. Wurzelkönigin, das ist ein guter Zeitpunkt, um die Änderungen vollziehen zu können.“ Und das Erntedankfest sei schließlich „ein würdiges Umfeld“.

Die Änderung geht auf einen Wunsch der amtierenden Wurzelkönigin Alina Kasteinecke zurück. Überall, wo sie ihre Besuche bei anderen Regions-Majestäten absolvierte, wurden die Königinnen auf großen öffentlichen Festen gewählt. Die Anregung nahm der Gemüsebauverein gerne auf. Damit sei auch der Wurzelball, der bisher den Rahmen für die Inthronisierung gab, hinfällig. Hermann Bardowicks: „Das Ende des Wurzelballs ist aber nicht in Stein gemeißelt.“

Der Blick auf andere Majestäten war es auch, der damals die Bardowicker Landjugend überhaupt auf den Trichter gebracht hatte, eine Königin als Repräsentantin zu küren. In der LZ vom 24. Januar 1966 über die erste Wahl der Wurzelkönigin hieß es zu den Überlegungen der Bardowicker: „Es gibt nun überall Königinnen. Einige Orte haben ihre Heidekönigin obwohl es dort gar keine Heide gibt andere ihre Weinkönigin. Warum sollte Bardowick nicht seine Wurzelkönigin haben! Lange habe man darüber nachgedacht, wie die Wahl stattfinden solle. Sollte man nach der Schönheit gehen? Nein, die Bardowicker Mädel sind alle hübsch. Auch durfte es nicht nach Rang und Stand gehen.“ So kam man auf eine andere Idee: „In dem Hause, wo alljährlich zum Erntedank die Erntekrone gebunden wird, soll die Deern die Wurzelkönigin sein, als eine Ehrung und Dank für die viele Mühe und Arbeit, die mit dem Binden der Erntekrone verbunden sind.“