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Gerade erst war Richtfest am Zentralgebäude der Lüneburger Universität. Im Keller soll eine Maschinenhalle untergebracht werden, doch das Ministerium lehnt das derzeit ab. Foto: t&w
Gerade erst war Richtfest am Zentralgebäude der Lüneburger Universität. Im Keller soll eine Maschinenhalle untergebracht werden, doch das Ministerium lehnt das derzeit ab. Foto: t&w

Maschinenhalle der Leuphana: Ministerium lehnt Keller-Pläne ab

mm Lüneburg. Auch die Ingenieure an der Leuphana sollen über kurz oder lang vom Technik-Campus Volgershall an die Scharnhorststraße umziehen. Im Keller des neuen Zentralgebäudes auf dem Campus soll eine Maschinenhalle eingerichtet werden. So plant und propagiert es die Uni-Leitung seit längerem. Bedenken aber, ob der Maschinen-Park dort überhaupt genug Platz finde, gab es auch schon länger. Die LZ hat im niedersächsischen Wissenschaftsministerium (MWK) nachgehakt. Und da heißt es: Der Antrag für den Bau der Maschinenhalle wurde abgelehnt.

Uni-Pressesprecher Henning Zühlsdorff dagegen versichert: „Die Leuphana hat weiterhin vor, eine rund 560 Quadratmeter große Fläche im Keller des Zentralgebäudes für zum Beispiel Bearbeitungszentren, Dreh-, Fräs- und Bohrmaschinen sowie alle weiteren Ausstattungsgegenstände zu nutzen.“ Das Ministerium zieht dabei offenbar aber nicht mit. Denn der Antrag vom Juni 2013 zur Unterbringung einer Maschinenhalle im Zentralgebäude wurde nicht genehmigt. „Der Bedarf der Verlagerung der beantragten Flächen war aus Sicht des MWK nicht plausibel begründet. Zudem waren die damit verbundenen Kosten nicht ausreichend dargelegt“, erklärt Ministeriumssprecherin Margit Kautenburger. Das Land bezuschusst das Zentralgebäude mit 21 Millionen Euro.

Dem Technischen Lehrstuhl der Leuphana in Volgershall sind die Ingenieurswissenschaften angegliedert, als Schwerpunkte können Automatisierungs- und Produktionstechnik gewählt werden. Ohne den Bau einer neuen Maschinenhalle wäre der Lehrstuhl auf Sicht gefährdet. Beteuerungen der Uni zum Trotz heißt es in der schriftlichen Antwort des Ministeriums an die LZ: Das Thema werde von der Leuphana momentan nicht weiter verfolgt.

Die Liegenschaft Volgershall ist ein Finanzierungsbaustein für das zurzeit 72,3 Millionen Euro teure neue Zentralgebäude nach Plänen von Daniel Libeskind. Einnahmen aus Verkauf und Vermietung sind in der Baukostenrechnung einkalkuliert.

Bis spätestens Anfang 2017 soll das Gebäude fertig sein. „Der Umzug des Technischen Lehrstuhls wird nach der Fertigstellung erfolgen“, sagt Uni-Sprecher Zühlsdorff. Bis dahin solle der Betrieb der Maschinenhalle in Volgershall uneingeschränkt stattfinden.

Oder gibt es doch ganz andere Ideen? Skeptiker fürchten, dass das Ingenieursstudium in Lüneburg ein Auslaufmodell ist und ein ähnliches Schicksal erleidet wie vor Jahren der Ingenieurs-Standort Suderburg: Erst im Jahr 2009 hatte die Leuphana ihr zweites technisches Standbein in Suderburg abgestoßen. Als Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften ging der Campus, rund 40 Kilometer von Lüneburg entfernt, damals über in die Hand der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel.

Auslöser für die Befürchtungen sind auch die Aktivitäten der Leuphana in Celle. Wie berichtet, plant die Leuphana dort eine Zweigstelle. Ab dem Wintersemester 2017 soll nach derzeitigem Stand ein berufsbegleitender Studiengang für Meister und qualifizierte Fachkräfte etabliert werden. In Celle ist obendrein die Technische Universität Clausthal aktiv, errichtet dort ein Zentrum für Tiefbohrforschung. Das brachte auch Professoren in Lüneburg ins Grübeln, ob der TU Standort Celle womöglich eine Alternative für den technischen Lehrstuhl wird. Nachfragen dazu bei der Uni-Leitung seien bisher aber stets verneint worden, heißt es aus Volgershall.

Behandelt wurde das Thema jüngst auch im Landtag. Anlass war der Besuch von Leuphana-Vize Holm Keller beim Celler Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende. Vorgestellt wurden die Pläne für eine Kooperation im Bereich der berufsbegleitenden Ausbildung. Am nächsten Tag berichtete die Cellesche Zeitung, das Land habe dem Antrag schon formal zugestimmt. Daraufhin wollten Thomas Adasch (CDU) und Jörg Bode (FDP) von der rot-grünen Regierung erfahren, ob nun ein Uni-Campus der Leuphana nach Celle kommt.

Das Ministerium rudert in der Antwort zurück: „Die Landesregierung plant angesichts der demografischen Entwicklung und der begrenzten Finanzmittel zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine neuen Universitätsstandorte. Ihr Ziel ist es vielmehr, die bestehenden Standorte zu festigen und sie in ihren Stärken zu unterstützen“, heißt es.

7 Kommentare

  1. Ministerium lehnt Keller-Pläne ab? Die Pläne von Herrn Keller wurden doch akzeptiert ?

  2. Wer alles bloß des Geldes wegen tut, wird bald des Geldes wegen alles tun. – Sprichwort

    “Wer ganz nach oben auf der Karriereleiter will, muss irgendwann den Kopf ausschalten und sich selbst als der Größte fühlen”, sagt die erfolgreiche Unternehmerin Katja Kraus bei der “Night of the Start-ups” an der Leuphana Universität. http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/169661-leidenschaft-als-antrieb

    Lz-online vom 8. April 2014:

    »Die Oberfinanzdirektion Niedersachsen (OFD) hat eine auf den 31.01.2014 datierte Prüfung der Bauunterlagen verfasst. Die baufachliche Analyse der Oberfinanzdirektion enthält eine Risikokostenanalyse, die besagt, dass das mittlerweile 76 Millionen Euro teure Prestige-Projekt noch zwischen wahrscheinlich 15,1 Millionen und bis zu 49 Millionen Euro teurer werden kann.

    Die OFD übt schwere Kritik am Finanzierungsplan der Universität. Die Kostensteigerung von 57,7 Millionen Euro (2011) auf 76,05 Millionen Euro (2013) sei zum Teil auf eine sogenannte Unterveranschlagung zurückzuführen. 2011 hätten etwa 11 Millionen Euro mehr eingeplant werden müssen, der Preis scheint also von Anfang an zu niedrig angesetzt. Dies lässt darauf schließen, dass der Anfangspreis mit wenigstens 68 Millionen Euro hätte veranschlagt werden müssen. Die Universität hat hier unseres Erachtens nach mindestens fahrlässig gehandelt, da die Kosten für den Rohbau, begründet durch die komplizierte Gebäudegeometrie und die Kosten für die technische Ausstattung laut OFD „massiv unterschätzt“ worden seien. 3,8 Millionen Euro seien aus zusätzlichen Nutzerwünschen entstanden, lediglich weitere 3,8 Millionen Euro seien auf Preissteigerungen zurückzuführen.
    (…)
    Laut der OFD sei der 2011 vorgelegte Planungsstand „unvollständig dokumentiert” und weise „massive Planungslücken“ auf. So fehle z.B. eine vollständige Einzelkostenberechnung – die Planung entspräche in dieser Form nicht den Vorgaben des Landes. Damit sei der Bau „nur sehr eingeschränkt prüffähig“. Ein Vergleich zwischen den Kostenberechnungen 2011 und 2013 sei für das Land nicht möglich gewesen und wird im OFD-Bericht folgendermaßen kommentiert: “Den Planungsstand 2011 als Basis einer Einzelkostenermittlung, mit dem Wissen um diese Planungslücken, im Nachhinein zu rekonstruieren, würde aus Sicht aller Beteiligten in erheblichem Maße Zeit und Mittel binden und käme weitgehend einer Fiktion gleich, deren Aussagekraft gegen null ginge.”
    (…)
    Für die OFD sei es somit „sehr schwierig bis unmöglich“ gewesen nachzuvollziehen, was genau die jeweiligen Planungen beinhalten. Die üblicherweise erforderliche Transparenz bei der Vorlage solcher Unterlagen sei schlicht nicht gegeben und der Planungsstand 2011 scheint teilweise so mangelhaft, dass das Land hier nicht sachgerecht prüfen konnte.
    (…)
    Der Planungsstand des Jahres 2013 ist nach der OFD „in sich widersprüchlich“. So sei die gewählte Art der Ausführung einiger handwerklicher und bautechnischer Arbeiten unklar. Kostensteigerungen werden zum Teil gar nicht begründet. Die zeitlichen Ziele für die Erstellung des Rohbaus konnten zudem nicht erreicht werden, eine Bauverzögerung war die Folge. Zudem sei der Zeitplan „hochgradig unübersichtlich.“ Ein Verständnis des Ineinandergreifens verschiedener Prozesse und die effektive Terminplanung durch die Uni seien unter diesen Voraussetzungen nur eingeschränkt möglich.
    (…)
    Maschinenhalle

    Weitere Fragen wirft der Status der Maschinenhalle auf. Der hauptamtliche Vizepräsident Holm Keller bestätigte schon 2011 auf einer Informationsveranstaltung, dass die Maschinenhalle in das Untergeschoss des Zentralgebäudes umziehen wird. Im August 2013 erklärte das MWK, dass eine Vergrößerung der Hauptnutzfläche zur Unterbringung der Maschinenhalle erst geprüft werden könne, wenn ein schlüssiges Finanzierungskonzept und eine Nachtragsbauunterlage vorgelegt würden. Gegenüber der Presse äußerte Holm Keller seine Überraschung und erklärte, dass eine Integration der Halle schon “deutlich vor Baubeginn” von der Universität beschlossen und mit der damaligen Landesregierung abgestimmt wurde. Mit dem ersten Nachtrag zur Baugenehmigung am 23.03.12 sei dies genehmigt worden.

    Im Bericht der OFD heißt es, dass für eine Fläche von 829m² im Untergeschoss seitens der Universität eine zusätzliche Nutzung als “Technische Flächen PPI” vorgesehen sei. Das PPI ist das Institut für Produkt- und Prozessinnovation. Es betreut die ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge und forscht in den Bereichen intelligenter Systeme, Produktionsautomatisierung, industrielle Fertigungstechnologien etc. Die zusätzliche Fläche sei laut OFD-Bericht erst 2013 von der Universität beim MWK beantragt worden, das MWK lehnte diese jedoch ab.

    “Diese Räume sind baulich schon hergestellt worden”, heißt es im OFD-Bericht – gleiches wurde auf einer Informationsveranstaltung der Universität am 03.07.2013 erklärt. Die Flächen wurden von der Universität offenbar fälschlicherweise nicht als Hauptnutzflächen ausgewiesen. In dieser Sache bleibt die Befürchtung, dass die Ingenieurwissenschaften langfristig gefährdet sind. Diese sind auf eine Maschinenhalle angewiesen. Der Standort Volgershall, welcher die aktuelle Halle beherbergt, soll verkauft werden. Zur Zeit fehlt eine Lösung für die Maschinenhalle, da der Umzug vom MWK bisher nicht genehmigt wurde. Es ist zu vermuten, dass hierbei noch weitere Umbaumaßnahmen nötig sind, welche nach derzeitigem Kenntnisstand nicht im Kostenplan berücksichtigt worden sind. Die Universität braucht eine Maschinenhalle, um die Ingenieurwissenschaften als Studiengang erhalten zu können.

    Zweckmäßigkeit und Raumplanung

    Teil der Finanzierung des Zentralgebäudes ist der Verkauf der Unistandorte Volgershall und Rotes Feld (Rotenbleicher Weg). Mit einer Mietfläche von 3.297m² laut Landesrechnungshof ist das Gebäude im Rotenbleicher Weg 67 ein nicht unerheblicher Teil der Universität, der auf Kosten des Zentralgebäudes entfällt. Noch größer ist der Verlust an Fläche durch den Verkauf des Standorts Volgershall. Dieser besteht aus zwei größeren Gebäuden, die laut Daten des Landesrechnungshofs von 2011 Mietflächen von 7.640m² und 3.353m² umfassen. Teile des Standortes Volgershall wurden schon umgewidmet und beherbergen Räumlichkeiten des Jobcenters Lüneburg. Der Bestand der Bibliothek aus Volgershall ist auf den Campus, teilweise in Kellerräume mit Vormerkfristen für Bücher, umgezogen. Zudem ist im neuen Zentralgebäude kein Ersatz für die Bibliothek Volgershall vorgesehen, was zu deutlichem Qualitätsverlust der entsprechenden Studiengänge und Forschungsbereiche führt.

    Mit dem neuen Zentralgebäude soll laut Universität eine Gesamtnutzfläche von 13.000qm² entstehen. Werden die zum Verkauf stehenden Mietflächen von Volgershall und Rotenbleicher Weg dagegen gerechnet, so gehen mit der – eigentlich positiv zu bewertenden – Zentralisierung der Universität Flächen verloren. Diese fehlen am Ende der Lehre und der Forschung. Das neue Zentralgebäude stellt somit durch den geplanten Erlös der Nebenstandorte keinen zusätzlichen Raum für Lehre und Forschung zur Verfügung.

    Üblicherweise sehen die Landesstandards als Grundlage für die Beurteilung der Funktionalität eines zu fördernden Gebäudes die Raumplanung vor. Für den Liebeskind-Bau liege kein Raumbuch vor, heißt es im OFD-Bericht. Maßgeblich beim Festlegen der Standards sei nicht der Raumbedarf, sondern die Funktion des Baus als “Leuchtturmprojekt” für den Innovationsinkubator Lüneburg gewesen, so die OFD.

    Laut der Prüfmitteilung vom Landungsrechnungshof von 2011 wären „für die Erfüllung rein universitärer Zwecke […] lediglich Baukosten von 31,4 Millionen Euro erforderlich gewesen.“«

    Hier findet ihr die Stellungnahme als PDF : http://muster.asta-lg.de/materialien.html (2014-04-06 AStA – StuPa – Umfassende Stellungnahme zum Zentralgebaeude)

    Quelle: http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/157679-misstoene-werden-lauter#comment-3559

  3. Gütiger Himmel! Was für eine traurig, niveaulos improvisierte Kellerbühnen-Klamọtte mal wieder. Wann werden wir endlich von solchen Katastrophenvorstellungen des absurden Stand-up-Theaters erlöst sein?

    Die Szenenanweisungen des 187. Aktes von heute nehmen sich aus, als handle es sich um eine mit Zero Energy konzipierte, minimalistische Gemeinschaftsklitterei von Alfred Jarry, Harold Pinter, Christoph Schlingensief, Loriot und Balthus Doktormann:

    „Die Uni-Leitung plant und propagiert seit längerem…“

    „Bedenken aber gab es schon länger…“

    „Im niedersächsischen Wissenschaftsministerium heißt es…“

    „Uni-Pressesprecher Henning Zühlsdorff dagegen versichert…“

    „Das Ministerium zieht dabei offenbar aber nicht mit…“

    „Ministeriumssprecherin Margit Kautenburger erklärt…“

    „Oder gibt es doch ganz andere Ideen?…“

    „Skeptiker fürchten, dass…“

    „Die Leuphana plant…“

    „Das brachte Professoren in Lüneburg ins Grübeln…“

    „Behandelt wurde das Thema jüngst auch im Landtag…“

    „Holm Keller besucht…“

    „Am nächsten Tag berichtete die Cellesche Zeitung…“

    „Daraufhin wollten Thomas Adasch (CDU) und Jörg Bode (FDP) von der rot-grünen Regierung erfahren…“

    „Das Ministerium rudert in der Antwort zurück…“

    Tatsache ist: Der Antrag für den Bau der Maschinenhalle wurde abgelehnt. Die Einnahmen aus der Vermietung und dem anschließenden Verkauf der Liegenschaft Volgershall sind ein zwingend notwendiger Finanzierungsbaustein für das – zurzeit (!) – 72,3 Millionen Euro teure neue Zentralgebäude nach Plänen des Architekten und nebenberuflichen FAZ-Lesers Daniel Libeskind.

    Wer zwei und zwei zusammenzählen kann, weiß, was dem Technischen Lehrstuhl der Leuphana, der „Modelluniversität neuen Typs für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts“, dem die Ingenieurswissenschaften mit den Schwerpunkten Automatisierungs- und Produktionstechnik angegliedert sind, auf dem „Campus der Zukunft“ blüht.

    • “Wording und Performance waren hier suboptimal. Organizational Leadership bedeutet Finanzierungs- und Restrukturierungskonzepte des Neuen Typs so DARZUSTELLEN, dass sie als Entrepreneurship-Solutions für Challenges der Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts ERSCHEINEN.”

      Wer könnte sowas wohl geäußert haben?

      Die lächerliche Dauerkomödie um die Geldbeschaffung für das auf groteske Weise überdimensionierte “Zentralgebäude” der Provinzuniversität Leuphana kennt nur Verlierer. Die Hochschulleitung und die verwickelten politischen Gremien und Behörden in Stadt, Kreis und Land müssen sich allesamt fragen lassen, ob sie ihren Sorgfalts- und Aufsichtspflichten rechtzeitig nachgekommen sind oder ob sie selbstverschuldet in die schier aussichtslose Lage zwischen Finanzierungsdiktat, Erpressbarkeit und „Notwendigkeiten“ der Angebotsbeschneidung geraten sind. Die Folgen, die sich künftig aus den Bewirtschaftungszwängen des monströsen Neubaus für die Stadt, den Kreis, aber vor allem für den Lehrbetrieb und damit für die Lehrenden und die Studierenden an der Leuphana ergeben werden, sind momentan noch gar nicht abzuschätzen.

      Doch eines ist überdeutlich: der “Libeskind-Bau” in Lüneburg wird ein Denkmal „akademischen“ Selbstbetrugs. Man sieht an diesem grellen Beispiel, dass die hier hemmungslos verfolgte Strategie – die Ressourcenvermehrung – nicht alle Universitäten zugleich wählen können, weil bei nicht endlos wachsenden monetären Mitteln die einen weniger bekommen, was die anderen mehr erhalten. Bei einem Nullsummenspiel ist eben der Gewinn des einen der Verlust des anderen. Wozu nahezu alle bis auf die Reichsten gezwungen werden, ist die sogenannte Profilbildung, im Klartext die Abstoßung von allem, was unter der wettbewerbsfähigen kritischen Masse liegt (hier: Erziehungswissenschaften und Ingenieursstudium in Lüneburg), und die Investition der freiwerdenden Mittel in wenige Schwerpunkte, in Selbstdarstellung und in Marketing. An die Stelle der Universität tritt dann eine Spezialhochschule mit eingeschränktem Denkhorizont, wodurch die Chancen für interdisziplinäres Arbeiten just zu einer Zeit sinken, wo alle danach rufen.

      Worin besteht denn die Anstrengung von Hochschulleitungen, die ihre Universität mit Prestigebauten „aufwerten“ und sie durch penetrante Vermarktungsreklame im „Ranking“ um ein paar Plätze nach oben bringen wollen? Sie kann allein darin bestehen, Kapital zu generieren, das in schon vorhandene Schwerpunkte investiert wird. Wenn kein Geldgeber von außen kommt, dann kann nur die innere Kannibalisierung der Fachgebiete unterhalb der kritischen Masse den erwünschten Erfolg bringen. Ein trauriges Beispiel dafür ist das Geschachere um die „Maschinenhalle“ und den „Technischen Lehrstuhl“.

      Außerdem trifft es einfach nicht zu, dass das “Studienmodell” der Leuphana, dieser auch nur “in Deutschland eine besondere Position verschafft” hat. Die Aussage wird auch durch permanente lautstarke Wiederholung in Vorträgen, Zeitungsartikeln und Rundfunkinterviews nicht wahrer. Selbst dann nicht, wenn eine grüne Landesministerin leuchtende Augen bekommt, sobald das “Konzept”-Geschwätz auf „ressourcenoptimiert“ produzierter Recyclingpappe gedruckt und mit der zweifelhaften Leerformel „Nachhaltigkeit” geadelt worden ist. Die Ausrichtung am “angelsächsischen College-Modell” ist (leider) seit mindestens zwanzig Jahren ein, nein, der einzige Trend in der gesamten deutschen Hochschullandschaft. Man kann ihn auch als besinnungslos rasende Reise in einem Zug ohne Zugführer bezeichnen, der kein Ziel mehr, sondern nur noch einen Arbeitsmodus kennt: die “Effizienz” des Hochschulsystems nämlich, das nicht mehr auf Bildung angelegt ist, sondern auf schnellsten Erwerb verwertbaren Wissens. Auf diesen Zug ist die Leuphana als einer der leichtgewichtigeren Trittbrettfahrer 15 Jahre nach Abfahrt bloß aufgesprungen, gebärdet sich aber, als sei sie sein Erfinder.

  4. Lächerlich was sich an der Leuphana abspielt,

    ganz abgesehen davon, dass der Bau des Gebäudes in diesem Ausmaß was Kosten und Medienrummel betrifft, mehr als unverschämt und bestraft gehört, werden nun auch noch die Studenten und die Region darunter leiden. Statt sich auf die Studierenden zu konzentrieren wird die technische Fakultät der Leuphana hinter dem Rücken abgeschafft, dabei erzählt uns die Politik seit Jahren, dass wir einen Fachkräftemangel haben.

    Statt die technischen Studiengänge zu behalten, geschweige denn in diese zu investieren, werden diese höchstwahrscheinlich abgeschafft. Die wohl einzigen an der Universität Lüneburg, die später genug leisten und verdienen um unsere Wirtschaft aufrecht zu erhalten und die absurden Studiengänge wie Kultur- und Umweltwissenschaften mit ihren vielen Steuern bezahlen.

    Außerdem sind technischen Studenten ein Segen für die vielen kleinen produzierenden Unternehmen in LG, die so auf junge und motivierte Studenten zurückgreifen können um sich auf dem ohnehin harten, globaler werdenden Wettbewerb durch zu kämpfen.

    Und dann wundern wir uns warum die Inder und Chinesen uns überholen, während alle Schwellenländer die technischen Studiengänge fördern, werden unsere zukünftigen Ingenieure benachteiligt und abgeschafft. Gleichzeitig pustet man den ewigen Lehramt, Kultur und Umweltstudenten Geld bis zum Abwinken in den Hintern.

    Deutschland schafft sich ab, und zwar nicht in Kreuzberg, sondern ganz oben, in der Universität.
    Weiter so.

    • Bildung? Kenntnisse? Fertigkeiten? Gemeinwohl? Lehrer? Ingenieure? Verwaltungsfachleute?

      Wo leben Sie denn?

      Was wir heute haben, sind von „wirtschaftsnahen Universitäten“ zertifizierte Unternehmensberatungen, die, von „Wirtschaftspartnern“ instruiert, Wissenschaftsministerien „beraten“, wie und welche „Projekte“ diese fördern sollen, und die dann dieselben zertifizierenden „Partner-Universitäten“ beraten, wie sie ihre Fördermittelanträge „designen“, damit sie ihre „wirtschaftsnahen“ Projekte mit „öffentlichen“ Geldern „realisieren“ können, bei welcher „Realisierung“ diese „Universitäten“ von denselben Unternehmensberatungen „beraten“ werden, die erst der „öffentlichen Hand“ die „Investitionen“ empfahlen, dann mit ihrem „Hochschulpartner“ im Ministerium abholten und schließlich in Form von Beraterhonoraren für „Umsetzungsberatung“ in die eigene Tasche leiteten.

      Dieser Kreislauf der gegenseitigen Selbstversorgung wird „aufgewertet“ von einem Kreislauf der gegenseitigen Selbstanpreisung, in welchem die Hochschule den Beratern „Wissenschaftlichkeit“ und die Berater der Hochschule „Businessnähe und Managementqualität“ attestieren.

      Besonders gut funktioniert sowas an „Stiftungsuniversitäten“, wenn der „Stiftungsratsvorsitzende“ stellvertretender Generalsekretär und Mitglied der Geschäftsleitung des „Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft“ ist, der mit dem Segen des mächtigsten Stiftungsmitgliedes dieses Verbandes die „wirtschaftsnahe“ Stiftungsuniversität mit „Auszeichnungen“ fördert und und mit „Beratungsmandaten“ für „wirtschaftsliberale deutsche Denkfabriken“ fordert.

      Was in diesem „Netzwerk“ not tut, ist Bildungsforschung (Projektgeldmagnet), Management & unternehmerisches Handeln (Projektgeldbeschaffung), Kulturforschung (Projektgeldverwertung) und Nachhaltigkeitsforschung (Projektgeldanlage).

      „Maschinenhallen“ und „Technische Lehrstühle“, die sich „modernen“ Raum- und Verhaltensarchitekturen auf dem „Campus der Zukunft“ nicht anpassen lassen, müssen ihr Glück eben anderswo suchen.

      Sie können es ja mal mit einer Mitgliedschaft im Bertelsmann Buchclub probieren.

  5. Niemand hat die Absicht

    eine Mauer zu errichten!

    Diesen Satz sagt DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 in einer Pressekonferenz. Zwei Monate später ist die Berliner Mauer gebaut.