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Proppevoll war der Saal bei der Kreisversammlung des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, zu der in diesem Jahr Land- und Bundestagsabgeordnete gekommen waren. Foto: t&w
Proppevoll war der Saal bei der Kreisversammlung des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, zu der in diesem Jahr Land- und Bundestagsabgeordnete gekommen waren. Foto: t&w

Kreisversammlung des Bauernverbandes: Agrarwende, Bürokratie und der Wolf

off Erbstorf. Es war das bestimmende Thema vor einem Jahr. Und es bewegte auch gestern wieder Landwirte und Politik: die Rückkehr des Wolfes. Kontrovers diskutierten die Landtagsabgeordneten Andrea Schröder-Ehlers (SPD), Miriam Staudte (Grüne), Jörg Hillmer (CDU) und Hermann Grupe (FDP) bei der Kreisversammlung des Bauernverbandes Nordostniedersachsen (BVNON) über das richtige Wolfsmanagement und nicht nur das. Diskussionsstoff boten auch die Themen Agrarwende, Hochwasserschutz, Strukturwandel in der Landwirtschaft, Bürokratisierung und Verbraucherverhalten. Klare Botschaft des Bauernverbandes auch an die Gäste aus dem Bundestag Eckhard Pols (CDU), Hiltrud Lotze (SPD) und Julia Verlinden (Grüne): Vieles, was landwirtschaftspolitisch derzeit läuft, läuft schief.

Konkrete Kritikpunkte nannte Jens Wischmann, Kreislandwirt und Vorsitzender des BVNON: Er bemängelte etwa zunehmenden Bürokratismus, überzogene Bauvorschriften und zweifelhafte Tierschutzauflagen. Gleichzeitig wehrte er sich gegen ein Bild von Landwirtschaft, wie es Verlinden in ihrem Grußwort zeichnete und wonach Tiere in großen Ställen per se leiden und Antibiotikamissbrauch an der Tagesordnung sei. Dahinter stecke Ideologie, kein Sachverstand. „Und ich muss sagen“, wetterte Wischmann, „es ist schrecklich, dass Leute, die nichts wissen von Landwirtschaft, uns mit zum Teil unerträglicher Arroganz erzählen wollen, was wir tun sollen.“

Doch welcher Weg in der Landwirtschaft ist der richtige? Darüber waren auch die Landtagsabgeordneten auf dem Podium durchaus unterschiedlicher Meinung. Während Schröder-Ehlers und Staudte den Weg des grünen Landwirtschaftsministers in Hannover mit schärferen Tierschutz- und Umweltauflagen verteidigten, stimmten Hillmer und Grupe beide nicht nur Politiker, sondern auch Landwirte weitestgehend in die Kritik des Bauernverbandes mit ein. Dabei rückte auch die Frage nach dem richtigen Umgang mit dem Wolf immer wieder in den Fokus. Ausgangsthese des Kreislandwirts Wischmann: Die Weidetierhaltung wird durch die zunehmende Wolfspopulation immer weiter zurückgehen. „Wenn wir nicht aufpassen, finden wir auch keine Schäfer mehr, die unsere Deiche pflegen.“

Wischmanns Forderung: Die Politik muss eine Möglichkeit zur Regulierung der Wolfspopulation schaffen. Deutlicher sprach es FDP-Mann Grupe aus: „Der Wolf muss ins Jagdrecht, was nicht bedeutet, dass man wie wild auf ihn losballern muss.“ Zäune allein könnten die Tiere nicht schützen. „In Panik gehen Rinderherden durch jeden Zaun“, so Grupe. Eine finanzielle Förderung der Tierhalter für die Anschaffung entsprechender Schutzmaßnahmen ist auch aus Hillmers Sicht zu wenig. „Wenn Christian Meyer will, dass mehr Tiere auf die Weide kommen, dann braucht es eine Regulation der Wolfspopulation.“

Miriam Staudte hielt dagegen und sprach sich vehement gegen eine Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht aus. „Der Wolf steht unter Naturschutz“, sagte sie, „und so soll es auch bleiben.“ Andrea Schröder-Ehlers forderte eine sachliche Auseinandersetzung. „Wir müssen darüber diskutieren, welche Gefahr tatsächlich vom Wolf ausgeht“, sagte sie, „und wir müssen sicherlich auch über eine mögliche Regulierung diskutieren.“