Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Auch ein ehemaliger Bauwagen kann ein Zuhause sein. Ramona Schultz (l.)  und Britta Michaelis vom Wagenplatz Gut Wienebüttel haben bei der Veranstaltung im Glockenhaus das Lebensmodell ihrer Gruppe vorgestellt. Foto: t&w
Auch ein ehemaliger Bauwagen kann ein Zuhause sein. Ramona Schultz (l.) und Britta Michaelis vom Wagenplatz Gut Wienebüttel haben bei der Veranstaltung im Glockenhaus das Lebensmodell ihrer Gruppe vorgestellt. Foto: t&w

Info-Veranstaltung im Glockenhaus: Bunte neue Wohnwelten

us Lüneburg. Sie nennen sich „LeNa“, „WiGe“, „Mehr Leben“ oder „Gemeinschaft.Sinn“, und so bunt wie ihre Namen sind auch ihre Ziele bei der Verwirklichung gemeinschaftlicher Wohnprojekte in Lüneburg. Ob es ein neues Wohnkonzept für Jung und Alt am Stadtrand, eine Beteiligung an der Nachnutzung eines früheren Kasernenblocks, Wohnen auf dem Bauernhof oder einfach nur schlichtes Leben inmitten einer Bauwagen-Kolonie sein soll über die Möglichkeiten und Formen für „Anderes Wohnen in Lüneburg“ informierte jetzt eine gleichnamige Veranstaltung im Glockenhaus.

„Wir wollen Menschen eine langfristige, kollektive Perspektive in Lüneburg bieten und durch gemeinschaftlichen Wohnraum unterschiedliche Lebensentwürfe ermöglichen“, erläutert Kira Kalinski das Konzept, das ihr Verein Gemeinschaft.Sinn verfolgt. Für diese Form „selbstverwalteten Wohnens“ soll ein leerstehendes Gebäude auf dem Gelände der früheren Schlieffenkaserne erworben und als Mehrgenerationenhaus genutzt werden, das auch Raum für Gruppen und Veranstaltungen bieten soll. „Hierzu sind wir mit der Stadt im Gespräch.“ Das Problem: Um das Projekt finanzieren zu können, werden 30 zahlungskräftige Personen benötigt, acht sind es zurzeit.

Einen großen Schritt weiter ist bereits die Gruppe „Lebendige Nachbarschaft“, kurz LeNa. Am Brockwinkler Weg hat sie einen Gebäudekomplex aus drei Häusern errichtet, künftig werden dort 60 Erwachsene und 17 Kinder leben. Im Oktober letzten Jahres war Richtfest, inzwischen sind sämtliche 38 Wohneinheiten vergeben. „Alles unter einem Dach“ lautet die Idee hinter dem Konzept, dazu gehört die gemeinschaftliche Nutzung von Pkw ebenso wie die von Gartengeräten, Werkzeug und Waschmaschinen. Die Wohnungen sind privat finanziert, für das Gemeinschaftseigentum werden Genossenschaftsanteile an die LeNa-Wohnbaugenossenschaft gezahlt.

Wer es lieber individuell mag und auf Waschmaschine und Trockner verzichten kann, für den bietet der „Wagenplatz Gut Wienebüttel“ Gelegenheit für unkonventionelles Wohnen. „Wir wollen zeigen, was wir machen“, erklärt Ramona Schultz. Seit rund 20 Jahren gibt es die von der Stadt geduldete Bauwagensiedlung. 14 Erwachsene junge Leute zwischen 20 und 30 Jahren und sieben Kinder leben dort, „wir haben aber auch eine Gast-Bewohnerin mit Ende 50“, ergänzt Ramona. Und das Interesse, sich dieser Lebensform anzuschließen, halte an: „Wir haben durchschnittlich zwei Anfragen pro Monat.“

„Die Platte ist gescheitert, individuelle Wohnformen stehen im Vordergrund“, resümierte Oberbürgermeister Ulrich Mädge vor den rund 100 Gästen, die ins Glockenhaus gekommen waren. „Heute suchen mehr Menschen wieder die Gemeinschaft und schätzen das soziale Miteinander.“ Die Stadt müsse dem gerecht werden, sie unterstützt daher die neu entstehenden Initiativen bei der Suche nach geeigneten Grundstücken, hilft beim Erwerb von Immobilien wie dem früheren Kasernen-Gebäude oder beim Bezug von Fördermitteln.

Dass Lüneburg auf dem richtigen Weg sei, bestätigte Uwe Henning. „Bau-Gemeinschaften haben nicht nur ihr Stigma alternativ verloren“, sagte der Leiter der Agentur für Baugemeinschaften, die zur Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt gehört, „sie haben auch einen Nutzen für die Kommunen. Denn sie gehen in Quartiere, wo andere sonst nicht hingehen.“

Ideen, wie das Leben in Lüneburg künftig aussehen soll, wurden auch gesammelt. Unter Teilnahme von Fachleuten aus Politik und Verwaltung wurde zu Themen wie Demografischer Wandel, kulturelle Vielfalt, Armut und Wohlstand oder auch Mobilität, Wachstum und Nachhaltigkeit diskutiert.