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Aus dem Dschungelbuch an den Deich: Mogli, Balu und ihre Freunde werden 120 Jahre alt  und zahlreiche Menschen am Straßenrand feiern mit ihnen beim großen Stöckter Faslamsumzug. Foto: t&w
Aus dem Dschungelbuch an den Deich: Mogli, Balu und ihre Freunde werden 120 Jahre alt und zahlreiche Menschen am Straßenrand feiern mit ihnen beim großen Stöckter Faslamsumzug. Foto: t&w

Anfwendige Faslamsmotive begeistern rund 30000 Zuschauer in Stöckte + + + Mit Fotogalerie und LZplay-Video

emi Winsen/Luhe. Schon von Weitem ragen die großen, farbigen Figuren der Motivwagen vor dem grauen Himmel auf. Je näher die Besucher dem Querweg kommen, desto lauter wird die Musik, eine ohrenbetäubende Mischung aus Schlager- und Disco-Rhythmen. Vor den Boxen ist die Stimmung bereits vormittags ausgelassen. Quietschbunte Vögel drehen sich im Kreis, Bananen tanzen und Geier prosten Bären zu. Um kurz nach 12 Uhr ist es soweit: Angeführt von der Kutsche der Faslamseltern, dem Spielmannszug und der Garde setzen sich die mehr als 20 Wagen und zwei Fußgruppen in Bewegung. Die sonntägliche Narrenparade der Stöckter Faslamsbrüder mit rund 30 verschiedenen Bildern nimmt Kurs auf die Winsener Innenstadt – für einen der größten Faslamszüge in Norddeutschland.

Damit geht für Christian Peters ein Traum in Erfüllung. Rund sieben Monate lang hat er mit seiner Baugruppe Faslamsclub Hunden an einem riesigen, grünen Drachen gebastelt „der mit Abstand aufwendigste Wagen, den wir in 13 Jahren je gebaut haben“, sagt der 37-Jährige. Rund 5000 Schuppen aus Faserholz mussten er und seine 42 Mitstreiter dafür aussägen. Ein mit einem Drahtgestell versehener Hubsteiger sorgt dafür, dass sich der Kopf des Drachens auf- und abbewegt, aus den Nüstern des Ungetüms dringt Nebel. Fast 3000 Euro haben die Wagenbauer in ihr Kunstwerk gesteckt, weder Kosten noch Mühen gescheut, um diesen einen Moment zu erleben: „Wenn der Wagen ins Dorf hineinfährt und die Leute schauen und winken, dann beginnt der Spaß.“

Gute Laune hat auch Julia Schmalfeld obwohl sie eine schwere Bürde trägt. Die 31-jährige Teilnehmerin der Fußgruppe Nordlichter hat sich ein neun Kilogramm schweres Holzgestell umgeschnallt, von dem vorne zwei mit Stoff bespannte Drahtbeine herunterbaumeln. Von außen sieht das aus, als säße Julia Schmalfeld, verkleidet als waschechter Franzose mit Baskenmütze, Schnurrbart und Baguette, im Sitz einer Achterbahn. „Dabei muss ich heute noch 15 Kilometer laufen!“ Doch auf einem Wagen mitzufahren kommt für die junge Frau nicht infrage. Sie will auf keinen Fall am Rand stehen, sondern mittendrin sein im Gedränge.

Ins Getümmel am Querweg gestürzt hat sich auch Fabian Brügmann. Er trägt eine weiße Perücke und eine Krone, in seinen Händen hält er einen goldenen Dreizack. Umgeben von Nixen mit grünem Haar und schwarz-grünen Schuppengewändern taucht er ab in „Neptuns Reich“. In Überlebensgröße und aus Pappmaschee thront der Gott des Meeres auf dem Motivwagen seiner Baugruppe Riege. Von Oktober an haben die Mitglieder daran gefeilt und rund 1300 Euro verbaut. Der ganze Aufwand für einen einzigen Tag? „Faslam macht uns Spaß“, sagt der 28-jährige Stöckter. „Das ist eine schöne Tradition im Dorf, die den Zusammenhalt stärkt.“

Dann geht es weiter in Richtung Winsener Innenstadt der Einzug ist in jedem Jahr ein Höhepunkt. Rund 30000 Zuschauer säumen die Straßen, bewundern die Wagen und tanzen mit Bananen, Bären und Burgfräulein. Den ganzen Tag über wird zwischen Stöckter Deich und Rathaus eine fröhliche Freiluftfete gefeiert. Bis die Mischung aus Schlager- und Disco-Rhythmen verklingt und die großen, farbigen Figuren der Motivwagen in der Ferne immer kleiner werden.