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Kein schöner Anblick sei das, findet Manfred Harder. Während er mit seiner Frau in einem liebevoll restaurierten, Jahrhunderte alten Haus an der Heiligengeiststraße wohnt, schert sich der Nachbar augenscheinlich wenig um die Optik seines Gebäudes. Foto: t&w
Kein schöner Anblick sei das, findet Manfred Harder. Während er mit seiner Frau in einem liebevoll restaurierten, Jahrhunderte alten Haus an der Heiligengeiststraße wohnt, schert sich der Nachbar augenscheinlich wenig um die Optik seines Gebäudes. Foto: t&w

Nächste Runde für Nachbarschaftsstreit um Lüftungsrohr

ca Lüneburg. Es gibt Begebenheiten, die haben alle Zutaten für eine unendliche Geschichte. Die Irrungen und Wirrungen um das Abluftrohr eines Restaurants an der Heiligengeiststraße zählen dazu. Seit drei Jahren wird darum gestritten. Vermutlich beschert die Röhre den Beteiligten noch weitere Kapitel. Denn obwohl ein Teil des funkelnden Gebildes ab- und umgebaut wurde, sind die Nachbarn nicht zufrieden und überlegen, vor Gericht zu ziehen.

Die LZ hat mehrfach über den Fall berichtet. Der Hauseigentümer ließ für das Lokal einen Abzug ziehen, der bis zur Dachkante reichte. Das gefällt dem nebenan wohnenden Ehepaar Waltraud und Manfred Harder nicht. Der ehemalige Leiter des Ordnungsamtes und frühere Bundesliga-Schiedsrichter blies kräftig in die Trillerpfeife und forderte von der Stadt, sie möge dem Hausbesitzer die rote Karte zeigen. Mit dem Denkmalschutz passe die Konstruktion nicht zusammen monierten die Nachbarn, die in einem liebevoll restaurierten alten Haus wohnen.

Nun mahnte die Stadt den Hausbesitzer an, er solle Abhilfe schaffen. Der sah das nicht ein, zog vors Verwaltungsgericht und pochte gemeinsam mit seinem Anwalt auf den erteilten Bescheid. Vor Ort schaute der Richter sich alles an, warf einen Blick in die Baugenehmigung und kam zu dem Schluss, das Bauamt habe „ermessensfehlerhaft“ gehandelt und müsse deshalb erneut prüfen.

Kernpunkt der Baugenehmigung ist eine Bauzeichnung. Ein Kreis war quasi neben die Mauer gezeichnet, Zeichen für das außen verlaufende Rohr. Und eben das hatte die Bauabteilung mit einem grünen Stempel abgezeichnet eine Baugenehmigung. Da mochte Rechtsamtsleiter Wolfgang Sorger noch so sehr dagegen argumentieren und darauf verweisen, der eigentliche Wunsch sei aber gewesen, das Rohr durch einen Schornstein laufen zu lassen. Für den Richter war die zeichnerische Wahrheit eine andere: Genehmigung. Selbst der Anwalt des Hausbesitzers hatte allerdings eingeräumt, dass von Seiten seines Mandanten nicht alles optimal gelaufen sei.

Nun hat die Stadt nachverhandelt. Jetzt kommt das Rohr aus dem Erdgeschoss, läuft ein paar Meter über die Außenwand, verschwindet dann in einem Fenster, um im Haus weiter nach oben zu streben. Den Harders reicht das nicht. Sie finden die Lösung „scheußlich“ und nicht mit dem Denkmalschutz vereinbar. Sie haben Widerspruch gegen diese Baugenehmigung eingelegt.

Für die Stadt verweist Pressesprecherin Suzanne Moenck darauf, dass die Verwaltung nicht anders handeln könne. Sie orientiere sich an der Rechtsauffassung des Verwaltungsgerichts, das eben im Stempel eine Genehmigung gesehen hat. Und so sei gar keine neue Baugenehmigung erteilt, sondern die alte sozusagen modifiziert worden. Als Kompromiss steht die neue Röhrenlösung. Aus Sicht des Denkmalschutzes, räumt die Sprecherin ein, sei das sicher nicht optimal. Aber Farbe und eventuell rankendes Efeu könnten das strittige Thema zumindest optisch verschwinden lassen.

Die Harders werten anders. Sie schließen nicht aus, vor das Verwaltungsgericht zu ziehen.

One comment

  1. Tja – wenn man dann in Pension ist und nichts anderes zu tun hat, dann kann man sich bei dem Blick aus seinem Badezimmerfenster (aus dem man natürlich den ganzen Tag herrausschaut), in einem Hinterhof nach Dingen suchen, deren Anblick einen stören könnten. Und schwups da hab ich was gefunden. Dagegen muss jetzt angegangen werden.

    Ich hätte eher die triste weiße Wand moniert und nicht das blanke Abzugsrohr. Zudem wird das angebrachte Abzugsrohr auch eine behördliche Auflage sein. Das sollte doch ein ehemaliger Amtsleiter der Stadt Lüneburg nachvollziehen können. Das Restaurant wird bestimmt auch Gewerbesteuer zahlen und von Lüneburgern und Touristen besucht. Trägt vielleicht sogar zur kulinarischen Vielfalt in Lüneburg bei und macht die Stadt dadurch attraktiver. Aber wenn man morgens einmal am Tag das Badezimmer lüftet, ist dieses blöde blanke Rohr zu sehen. Doch wenn ich mir das Bild ansehe, würde mich das Baugerüst viel mehr stören.