Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Gymnasien unterschiedlich beliebt
Oedeme wächst rasant, das dortige Gymnasium ist enorm beliebt, doch der Platz begrenzt. Anbauen will der Kreis nicht mehr, allenfalls weitere Container aufstellen, wenn der Zustrom anhält. Foto: t&w
Oedeme wächst rasant, das dortige Gymnasium ist enorm beliebt, doch der Platz begrenzt. Anbauen will der Kreis nicht mehr, allenfalls weitere Container aufstellen, wenn der Zustrom anhält. Foto: t&w

Gymnasien unterschiedlich beliebt

ahe Lüneburg. Der Kreisausschuss hatte am Morgen die Vorlage geliefert. Was das Gremium in nicht-öffentlicher Sitzung beschloss, erklärte Landrat Manfred Nahrstedt später mit „mehr Transparenz für Eltern“: Ihnen soll früher als bislang bewusst gemacht werden, dass der Platz am Gymnasium Oedeme begrenzt ist und deshalb nicht jedes Kind dort aufgenommen werden kann. Das Ziel seien maximal sechs 5. Klassen. Doch die sollen ohne Zwang erreicht werden, deshalb gibt es weiterhin die Option einer siebten 5. Klasse. Nahrstedt stellt klar: „Wenn sich nicht genügend Eltern auf freiwilliger Basis überzeugen lassen, werden wir wieder siebenzügig.“ Bleibt es also bei der Beliebtheit Oedemes, könnte die Ausnahme zur Regel werden. Und gibt es wie zuletzt im Sommer 2014 noch mehr Anmeldungen als für sieben 5. Klassen, müsste erneut kurzfristig umverteilt werden. Da sieht der Landrat vor allem den Schulleiter gefordert: „Das ist keine angenehme Aufgabe, aber wenn alle Stricke reißen, kommt eben die Lostrommel.“

Die neue Leitlinie für eine Lenkung der Schülerströme hatte für viel Wirbel gesorgt. Denn Nahrstedt und Oberbürgermeister Ulrich Mädge hatten eine Variante vorgestellt, die die Wahlfreiheit für Eltern bestimmter Wohnbereiche eingeschränkt hätte und die deshalb viele als Schulbezirk empfanden. Danach hätten zum Beispiel Kinder aus dem Mittelfeld und aus der Teufelsküche, die in inmittelbarer Nähe des Gymnasiums Oedeme wohnen, bei annähernd gleichbleibendem Anwahlverhalten der Schulen so gut wie keine Chance mehr gehabt, am Gymnasium Oedeme zu lernen. Vor allem, dass die Verwaltungen diese Variante im Alleingang ausgetüftelt hatten, ohne die Eltern und die betroffene Schule wirklich zu beteiligen, hatte für Kritik gesorgt. Im Schulausschuss der Stadt am Nachmittag räumte Mädge nun ein: „Dass die Kommunikation nicht optimal gelaufen ist, nehme ich auf meine Kappe. Dafür, dass wir nicht mit den Eltern und dem Schulvorstand der Grundschule Hasenburger Berg gesprochen haben, bitte ich um Entschuldigung.“ Mit den anderen Beteiligten sei gesprochen worden, „vielleicht nicht so in der Tiefe. Doch ich wäre zu hoch bezahlt, wenn ich mir über solch ein Thema nicht vorher Gedanken machen würde“.

Sechszügigkeit als Ziel in Oedeme, in Ausnahmefällen siebenzügig, so laute das Ziel, mit dem sich auch der städtische Ausschuss mehrheitlich anfreunden konnte. Und zwar ohne Schulbezirke. Mädge machte deutlich: „Jeder kann sein Kind da anmelden, wo er will. Aber die Eltern müssen wissen, dass es im Fall Oedeme das Risiko gibt, dass ihr Kind dort keinen Platz bekommt.“ Diese Eltern müssten dann wie bisher kurzfristig eines der anderen Gymnasien in der Stadt für ihren Nachwuchs auswählen. Er halte es für „nicht menschenwürdig“, wenn ein Kind erst im Mai oder Juni erfahre, dass es nicht auf die Wunschschule dürfe. Deshalb wollen Stadt- und Kreisverwaltungen mehr Eltern im Stadtgebiet davon überzeugen, lieber gleich eine andere Schule anzuwählen. Denn Thomas Wiebe, Schulfachmann der Verwaltung, stellte klar: Gibt es mehr Anmeldungen als Plätze, würden in Oedeme Kinder aus dem Landkreis außerhalb der Stadtgrenzen bevorzugt behandelt, da der Kreis und nicht die Stadt Träger der Schule sei. Der auch von der Schule geforderte gleichberechtigte Zugang zumindest der Oedemer Kinder ist damit nicht gegeben.

Für Dr. Gerhard Scharf (CDU) ist das Thema noch nicht ausdiskutiert. „Die absolut freie Schulwahl gibt es nicht, das ist eine bittere Erkenntnis. Mir schwebt aber eine Dialog­runde mit Schulleitern, Politikern und Elternvertretern vor.“ Diese Runde könne die Regeln für das Aufnahmeverfahren besprechen und festzurren. Bislang ist es üblich, dass sich die Direktoren der Gymnasien stets kurz vor Ende des Schuljahres mit den Verwaltungen zusammensetzen, um aufgrund der vorliegenden Anmeldungen die sogenannten Verteilungsgespräche zu führen. Gelegentlich sind auch mehrere Runden notwendig, um die Schüler von einer überfüllten Schule zu einer zu lotsen, die noch Kapazitäten hat. Holger Nowak (Grüne) bemängelte trotzdem: „Mir fehlt die Kommunikation unter den Schulleitern, das sehe ich nicht primär als Aufgabe des Schulträgers.“ Dem widersprach Lehrervertreter Stefan Tretow-Zimmermann: „Ich sehe den Schulträger sehr wohl in einer Mitverantwortung bei der Verteilung.“ Die Ausschussvorsitzende Hiltrud Lotze (SPD) gab zu Bedenken: „Wenn wir eine Schule aufgrund ihrer Attraktivität immer größer werden lassen, tun wir niemandem einen Gefallen.“

Ulrich Löb (Grüne) kann sich mit der aktuellen Marschroute nicht anfreunden: „Wir führen eine Notdiskussion. Eine Schule wird ja nicht nur wegen der Nähe, sondern auch wegen ihres Angebotes angewählt.“ Wenn nun das Anwahlverhalten beeinflusst werden soll, werde damit „der Elternwille ad absurdum geführt und der Wettbewerb unter den Schule nicht mehr gefördert. Es ist doch auch eine schizophrene Situation, die wir uns schaffen, dass Stadtkinder nicht mehr gleichberechtigt an Kreisschulen dürfen“.

Dass im Grunde alles beim Alten bleibt und die Verwaltungen nun darauf setzen, dass durch mehr Aufklärung über die Kapazitätsgrenzen in Oedeme und mehr Werbung für die anderen Gymnasien allein weniger Eltern ihre Kinder in Oedeme anmelden, ist auch aus Sicht von Isabel Zinecker, Vorsitzende des Schulelternrates der Grundschule Hasenburger Berg, nicht zufriedenstellend. „Das Problem bleibt.“ Sie wirft vor allem der Stadtverwaltung Planungsversäumnisse vor: „Die Sparkasse hat bei der Ausweisung der Baugebiete Rosenkamp I und II offensiv für das Gymnasium vor der Haustür geworben, und die Stadt ist wie der Kreis Träger der Sparkasse. Wenn man Neubaugebiete in so großem Stil ausweist, muss man sich auch rechtzeitig um eine Vergrößerung der Schule kümmern.“

Entlastung für Scharnebeck
Der Kreisausschuss hat auch beschlossen, dass das Schulzentrum in Scharnebeck mit Gymnasium und Oberschule künftig achtzügig, nur in Ausnahmefällen neunzügig arbeiten soll. Kinder aus dem Grundschulbezirk Lüne sollen fortan aber nicht mehr am Bernhard-Riemann-Gymnasium aufgenommen werden, sie müssen sich um einen Platz an den Gymnasien in der Stadt Lüneburg bemühen. Prüfen soll die Kreisverwaltung darüber hinaus, ob in Adendorf oder Bardowick eine dritte Integrierte Gesamtschule eingerichtet werden kann.