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Förster Martin Hohensee vor den 160 Jahre alten Buchenstämmen, die jetzt in die Furnierholz-Industrie gehen. Foto: kre
Förster Martin Hohensee vor den 160 Jahre alten Buchenstämmen, die jetzt in die Furnierholz-Industrie gehen. Foto: kre

Wertvolles Buchenholz aus der Försterei Bostelwiebeck geht in die Furnierholz-Industrie

kre Bostelwiebeck. Solche Buchen muss man suchen: Ein nettes Wortspiel, zugegeben. Aber Martin Hohensee (55) von der Försterei Bostelwiebeck ist stolz auf seine Buchenstämme: Mächtig und von geradem Wuchs sind sie. Ohne ,,Sonnenbrand“, ohne Pilzbefall — nur die ,,Chinesenbärte“ sind zu erkennen. Wenn man genau hinschaut. ,,So nennen wir die Astnarben bei den Buchen“, erklärt Revierförster Hohensee — ,,weil sie gebogen sind wie ein dünner Oberlippenbart eines chinesischen Kung-Fu-Kämpfers.“ Sie geben Aufschluss darüber, wie tief der Ast im Stamm steckt und wie stark er an seiner Abbruchstelle war. Auf die Buchenstämme, die gestapelt in Bostelwiebeck liegen, wartet nun ein zweites Leben: als Furnierholz für Parkettböden.

Obwohl die Stämme noch am Wegesrand liegen, haben sie längst einen Käufer gefunden: ,,Solche Qualität ist gesucht — aber selten“, weiß auch Rainer Baumgart, Regionaler Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Deshalb werden die Stämme später im Werk auch nicht gesägt, sondern verlustfrei mit einer Messer-Maschine geschnitten. ,,Gemessert“, wie das in der Fachsprache heißt. ,,Dadurch kann der wertvolle Stamm praktisch zu 100 Prozent genutzt werden“, erläutern Hohensee und Baumgart. Beim herkömmlichen Sägeverfahren dagegen betrage der Verlust bis zu einem Drittel. Die Messer-Technik dient somit letztlich auch der Versorgungssicherheit. ,,Die von der Industrie gesuchten Qualitäten sind eben nur begrenzt verfügbar. Es wäre also doppelt schade, wenn man die Hölzer nicht maximal möglich dem besten Verwendungszweck zuführen würde“, finden die beiden Förster.

Wie begrenzt das Angebot ist, belegen diese Zahlen: 45 Festmeter misst der Stapel, der in die Furnierholz-Industrie geht. Also gerade einmal zehn Prozent des Stammholz-Einschlages an Buchenholz in der Försterei Bostelwiebeck. Dazu kommen weitere 300 Festmeter, die als Brenn-Scheitholz in den Öfen landen werden. Da sollte man also meinen, dass das Holz auch horrende Preise auf dem Markt erzielt tut es aber nicht: Zwischen 130 bis 200 Euro muss der Käufer für die hochwertigen Furnierholz-Stämme pro Festmeter bezahlen. Woran das liegt? ,,Furnier war schon immer ein Sonder-Sortiment“, erläutert Martin Hohensee. Und die Konkurrenz für hochwertiges Holzparkett durch billiges Laminat werde immer größer.

Doch wie werden aus Buchen solche ,,Super-Buchen“ wie die in der Försterei Bostelwiebeck? Gute waldbauliche Pflege alleine kann es nicht sein. „Die Buche gilt als anspruchslos, wächst auf der letzten Sanddüne“, sagt Förster Hohensee. Nur werde sie dort eben nicht die Qualität bringen, wie die Furnierholz-Buchen in seinem Revier. Um solch stattliche und makellose Bäume zu bekommen, bedürfe es mehr. Ein guter Boden ist wichtig, dazu eine optimale Nährstoffversorgung, ausreichend Wasser, aber keine Staunässe.

Die Buche sei die ,,Mutter des Waldes“, sagt Rainer Baumgart, auch wenn sie in den norddeutschen Wäldern weniger vorkomme als etwa in Südniedersachsen. Der Flächenanteil der Buche in den niedersächsischen Landesforsten beträgt rund 22 Prozent, bundesweit liegt er bei nur 15 Prozent.

Buchen haben aber nicht nur eine holzwirtschaftliche, sondern auch eine große ökologische Bedeutung für den heimischen Wald: „Buchen sind Bodenverbesserer und wichtig für die Regulierung des Wasserhaushaltes“, listen Baumgart und Hohensee auf. Und sie sind Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Angefangen von Tausendfüßlern, Asseln oder Fadenwürmern, die in der Streuschicht für die Zersetzung und Einarbeitung des Falllaubes sorgen, bis hin zu Schnecken, Schmetterlingen und Vögeln. So nutze zum Beispiel der Schwarzspecht sehr gerne die Buche als Brutbaum, aber auch Kuckuck, Kohlmeise und Buchfink besiedeln die Buchen.

,,Um die Buchenwaldgesellschaften in Niedersachsen weiter zu fördern, wurden in den Landesforsten von 1991 bis 2011 rund 57 Millionen junge Buchen gepflanzt“, berichtet Rainer Baumgart aus denen dann in vielen Jahren im günstigsten Fall auch einmal stattliche Furnierholzbäume werden.

Der Buchenstab
Was wohl nur die wenigsten wissen: Die Buche steht auch in enger Beziehung zu unserer Muttersprache. Der Buchstabe war ursprünglich ein ,,Buchenstab“, auf den Runen eingeritzt waren. Beschriftete Buchenholztafeln, die zusammengeheftet wurden, gaben dem ,,Buch“ seinen Namen. Darüber hinaus sind alleine in Deutschland die Namen von rund 1500 Ortschaften auf die Buche zurückzuführen. Ein Beleg dafür, welche Bedeutung die Buche für die Menschen hatte und immer noch hat. lz