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Sven und Steven Groth, Susanne Borchert, Elsa Stodtmeister, Ingrid Erler, Danny Borchert, Dieter Stodtmeister, Gisela Krüger und Ute Kowalewski wehren sich gegen den Ausbau des Steinbruchs. Foto: A/cw
Sven und Steven Groth, Susanne Borchert, Elsa Stodtmeister, Ingrid Erler, Danny Borchert, Dieter Stodtmeister, Gisela Krüger und Ute Kowalewski wehren sich gegen den Ausbau des Steinbruchs. Foto: A/cw

Wendisch Evern: Anwohner wehren sich gegen Straßenausbau

kre Wendisch Evern. Nicht einmal 200 Meter misst die Straße ,,Am Steinbruch“ in Wendisch Evern: Eine verträumte, kleine Anliegerstraße die jetzt aber zum Streitfall wird zwischen Politik und Bürgern. Denn der Gemeinderat will den Weg ausbauen. Das ist der erklärte Wille der CDU-Ratsmehrheit nur nicht der Anwohner. Die haben jetzt ein Bürgerbegehren beantragt. Mit dem Ziel, den Ratsbeschluss zur Sanierung eines Teilstückes der Straße ,,Am Steinbruch“ aufzuheben.

Denn längst geht es bei der Frage Ausbau oder nicht um mehr, als nur um Schotter- und Pflastersteine, um Kanalrohre und darum, wer das alles bezahlen soll. Vor allem geht es auch um Bürgernähe, um politische Mitbestimmung. Darum, die Bürger ins Boot zu holen und nicht über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden. Kurzum: Den Anwohnern der Straße ,,Am Steinbruch“ geht es nach eigenem Bekunden vor allem auch um das Demokratieverständnis des Gemeinderates in Wendisch Evern. Das machte die Abordnung um Ute Kowalewski und Ulrike Ritter beim Einreichen des Bürgerbegehrens am Montagabend während der Bürgermeistersprechstunde mehr als deutlich.

Aber wie das so ist, wenn sich Politik und die Verwaltung auf der einen und Bürger auf der anderen Seite mit unterschiedlichen Positionen gegenübersitzen. Man redet miteinander, man tauscht Worte und Argumente aus, aber ohne sich wirklich aufeinander zuzubewegen. Einen schweren Stand hatte an diesem Abend vor allem Gemeindedirektor Volker Behr, der den Ausbau-Beschluss des Gemeinderates verteidigen musste. Für ihn und Bürgermeister Raymund Cuypers (CDU) ist die Maßnahme notwendig. Beide verwiesen auf das entsprechende Gutachten des Planers. Erst mit der Realisierung auch des letzten Abschnittes sei die Entwässerung eine abgeschlossene und runde Sache.

Freilich keine billige. Mit voraussichtlich 143000 Euro wird die Erneuerung des Regenwasserkanals und der Ausbau der Straße zu Buche schlagen. Den Löwenanteil der Summe 90 Prozent müssen die Anwohner tragen. Zwischen 13000 Euro und 30000 Euro muss jeder berappen je nach Grundstücksgröße. Obwohl die Anwohner den Ausbau nicht wollen und ihn auch nicht für gut heißen.

Seit mehr als 100 Jahren stehen Häuser an dieser kleinen Straße. Einen festen Straßenbelag in Form von Pflastersteinen oder gar einer Asphaltdecke hat bislang von den Anliegern niemand vermisst oder gar gefordert. Das machen sie jetzt auch im Bürgerbegehren deutlich. ,,Bei der Straße Am Steinbruch handelt es sich um eine reine Anliegerstraße ohne Durchgangsverkehr“, heißt es dort. Und weiter: „Es ist ökologisch nicht vertretbar, unnötigerweise zusätzliche Flächen zu versiegeln.“

Das Hauptargument von Volker Behr und der CDU-Ratsmehrheit, nämlich dass der Ausbau der Straße schon deshalb nötig sei, weil der Regenwasserkanal kaputt und damit die Oberflächenentwässerung des südöstlichen Dorfbereiches nicht mehr gesichert sei, halten Ulrike Ritter und ihre Nachbarn für baren Unfug: ,,Es besteht kein Problem mit der Oberflächenentwässerung.“ Trotz des maroden Rohres komme der Großteil des Regenwassers in dem dafür vorgesehenen Teich an“, stellen Ritter und Kowalewski klar. Nur wenig versickere in der Erde.

Im Übrigen verdanke Wendisch Evern seinen Charme gerade auch seinem dörflichen Charakter und der Tatsache, dass eben nicht alle Wege und Straßen asphaltiert und gepflastert seien. ,,Die Straße ,Am Steinbruch ist im Verbund mit dem angrenzenden Feldweg ein beliebter Spazierweg für Familien und Hundehalter und ein ungefährlicher, da verkehrsferner Schulweg für die Grundschüler“, geben die Anwohner zu bedenken, die befürchten: ,,Durch eine Pflasterung würde der Straßencharakter betont und zusätzliche Fahrzeuge würden eingeladen, die Straße und den Feldweg als Abkürzung zu benutzen.“

Sechs Monate haben Ulrike Ritter und die anderen Anwohner der Straße ,,Am Steinbruch“ nun Zeit, die erforderlichen Unterstützer-Unterschriften zu sammeln. Das müssen zehn Prozent der Wahlberechtigten sein also im Fall von Wendisch Evern mindestens 144 Unterschriften.

Ute Kowalewski ist zuversichtlich: ,,Das schaffen wir!“ Dann wird aus dem Bürgerbegehren ein Bürgerentscheid.

Ob sie damit auch den unerwünschten Ausbau ihrer Straße stoppen können, steht freilich auf einem anderen Blatt: Denn auch ein Bürgerbegehren hindert eine Kommune nicht daran, über die im Bürgerbegehren bezeichnete Angelegenheit selbst zu entscheiden und die Maßnahme zu vollziehen. So steht es im niedersächsischen Kommunalverfassungs-Gesetz.

In Wendisch Evern kommt erschwerend hinzu, dass die Maßnahme bereits ausgeschrieben ist. Bis zur Vergabe der Aufträge dauert es also nicht mehr lange. Aber die Anwohner haben trotzdem den Vorteil auf ihrer Seite. Denn wie die Politik auch entscheiden wird, gut aussehen wird sie dabei nicht. ,,Wenn wir zurückrudern, heißt es, wir sind eingeknickt. Und wenn wir die Maßnahme durchziehen, wirft man uns vor, dass wir über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden“, listet Behr die Problematik auf. Im Schach nennt man das wohl ein Patt.