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Beim Bauen wollen Bürger mitreden

ca Lüneburg. Der Abriss der Ibus-Villa an der Lessingstraße und der geplante Neubau eines Fünf-Parteien-Hauses war der Anstoß: Anwohner sind der Meinung, das Gebäude passe nicht ins Rote Feld. Und so wie dort machen sich auch andere Sorgen über Veränderungen in ihren Vierteln. Aus dem Protest ist die Bürgerinitiative Bauentwicklung erwachsen, die sich stärker einmischen möchte, wenn es um Veränderungen geht. Die Gruppe lädt für den kommenden Donnerstag, 26. Februar, von 19.30 Uhr an zu einem Treffen in die Aula der Universität am Wilschenbrucher Weg ein.

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Die Grafik stammt von Prof. Dr. Heiner Willenberg. Sie basiere auf den Daten von Geoplan und zeige, wo in Lüneburg Bebauungspläne gelten (blau umrandete Flächen). Nicht überplant sind laut Willenberg die anderen Flächen. Er nennt beispielsweise im Bereich Albert-Schweitzer-Straße/Zeltberg 10 Straßen, Witzendorfstraße: ca. 12 Straßen, Hölderlinstraße: ca. 8 Straßen, Am Galgenberg: ca. 8 Straßen, Oedeme: Ernst-Braune-Straße/ Oedemer Weg/ Korb ca. 8 Straßen, Bockelsberg-Ost: ca. 6 Straßen, Am Waldfriedhof: Deutsch-Evern-Weg: ca. 10 Straßen. Quelle: willenberg

Dr. Rolf Johannes und Prof. Dr. Heiner Willenberg gehören zu den Motoren der Gruppe. Sie sind nicht generell gegen Veränderungen. Doch sie und ihre Mitstreiter wollen, dass sich Neubauten in ein Viertel einpassen müssen. Und sie sind sich sicher, dass die Stadt Investoren sehr viel mehr gestalterische Vorgaben machen könnte als bislang. Dabei verweisen sie auf die niedersächsische Bauordnung, die Kommunen ein großes Mitspracherecht einräume.

Damit widersprechen sie Aussagen von Oberbürgermeister Ulrich Mädge und dessen Mitarbeitern. Die waren Ende vergangenen Jahres zu einer Veranstaltung der Initiative gekommen und hatten vor mehr als 200 Zuhörern darauf verwiesen, dass ihnen oftmals die Hände gebunden seien. So könnten sie aufgrund der geltenden Regeln beispielsweise Geschosshöhen, Dachformen und Abstände vorgeben. Doch es sei durchaus möglich, für einen weggerissenen Altbau einen größeren Ersatz zu bauen. Denn die Größe orientiere sich auch an anderen Gebäuden an der Straße.

Prof. Dr. Heiner Willenberg und Dr. Rolf Johannes verweisen noch auf einen anderen Aspekt: Durch eine Veränderung des Baugesetzbuches im Jahr 2013 gelten nach ihrer Auffassung für zehn Gebiete in der Stadt Lüneburg gar keine Bebauungspläne mehr. Dort seien also weitreichende Verän-derungen möglich.
Zu ihrer erneuten Info-Veranstaltung wollen sie auch Oberbürgermeister Mädge und dessen Mitarbeiter aus der Bauverwaltung einladen.

One comment

  1. Dr. Rolf Johannes und Prof. Dr. Heiner Willenberg […] wollen, dass sich Neubauten in ein Viertel einpassen müssen?

    Wie sieht´s am Bockelsberg aus?

    Und wie an der Willy-Brandt-Straße?

    Mehrfach ist in der LZ auf die Widersprüche hingewiesen worden, die sich auftun, wenn vom feinsinnigen Herrn Dr. Rolf Johannes in Sachen baulicher „Angemessenheit“ wortreich subtil zwischen eigenem und anderer Leute Betroffensein unterschieden wird. Ich bin auch der Meinung, dass in Lüneburg viel Unschönes mit dem berühmten Argument der (angeblichen) „Alternativlosigkeit“ gegen die Bürger durchgedrückt werden soll. Dazu ganz aktuell: http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/217359-lueneburgs-pawlowsche-hunde-zwischen-kirchturmpolitik-und-visionen

    Doch ich bin ebenfalls der Ansicht, dass man nicht erst dann mit Argumenten kommen sollte, wenn es um einen selbst geht.

    Wie man generalisierbare Kriterien in Anwendung bringt und dadurch Glaubwürdigkeit jenseits der nur eigenen Interessen erlangt, beleuchtet der bisher beste Beitrag zum Thema vom 29. Januar 2015. Er stammt von einem Herrn Günther: http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/213379-die-archillesferse-des-lueneburger-oberbuergermeisters#comment-34104

    Die gedankliche „Flexibilität“ des „Not in my backyard“-Egozentrismus (Heiliger Sankt Florian / Verschon‘ mein Haus / Zünd‘ and’re an!) à la Barckhausenstraße dagegen ist satirisch viele Male aufgespießt worden. Hier bloß zwei Beispiele:

    » Villenbesitzer Dr. Rolf Johannes, Vorsitzender des Museumsvereins für das Fürstentum Lüneburg: “Nachdem einige kritische Kommentare zu dem Stadtvillenneubau in der Lessingstraße 7 erschienen waren, habe ich mich noch einmal hingestellt und den Bau in Ruhe angesehen. Ich bin überzeugt davon, dass es ein gutes Stück Architektur geworden ist. Ich glaube, die Lüneburger werden bald sehen, wie gut es hierhin passt. Wenn alle Details – der Schriftzug, die beleuchtete Tür – fertig sind, wird das Haus noch eleganter wirken.”«

    http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/197866-die-grenzen-des-buergerwillens#comment-18526

    »Großartig!

    Die Herrschaften mal mit dem eigenen Phrasensalat von gestern zu konfrontieren, bringt doch sehr viel Licht in den Maschinenraum ihrer privaten Antriebe und Besorgnisse.

    Mit öffentlichem wolkigwabernd salbungsvollem Rechtfertigungsgeschwafel für architektonische Scheußlichkeiten wie dem Museumsbau oder dem Audimax ist man schnell bei der Hand. Aber wehe so ein neo-barockes Techno-Monument rückt einem beim Grillen auf die Pelle und giert und ächzt die nächsten siebzig Jahre von der anderen Straßenseite über den heimischen Gartenzaun wie eine adipöse Riesengestalt im Karussellbremserlook, die jeden Tag den gleichen Witz reißt.

    Da ist es dann ganz schnell vorbei mit der “kontemplativen Anerkennung von dekonstruktiven Potentialen des Mehrdimensionalen” und dem “Verständnis nichtidentischer Artefakte, die sich dem Gegebenen verweigern und die auf je singuläre Weise aus ihrem Material und ihrer Konstruktion eigene Regeln entwickeln und aus der ihnen eigentümlichen Logik ihre Maßstäbe etablieren”.«

    http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/197866-die-grenzen-des-buergerwillens#comment-18696