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Ein 70-Jähriger brachte seine Ehefrau um – der Bundesgerichtshof bestätigt die Lüneburger Gerichtsentscheidung. Foto: A./ be
Ein 70-Jähriger brachte seine Ehefrau um – der Bundesgerichtshof bestätigt die Lüneburger Gerichtsentscheidung. Foto: A./ be

Würger bleibt in der Psychiatrie

rast Lüneburg. Mit bloßen Händen erwürgte der 70 Jahre alte Bernd Wilhelm S. am 14. Februar 2014 gegen 9 Uhr seine im Bett liegende Ehefrau. Strafrechtlich allerdings war dem Mann aus Karwitz im Landkreis Lüchow-Dannenberg kein Vorwurf zu machen. In dem Sicherungsverfahren vor der 4. Großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg hatte ihm der Vorsitzende Richter Franz Kompisch in der Entscheidungsbegründung vorgehalten: „Sie sind krank in einer Weise, wie sie in Ihrem Alter selten auftritt.“ Der psychiatrische Gutachter hatte dem Senior eine bipolare Störung attestiert. Die Kammer ordnete im Juli 2014 die unbefristete Unterbringung von S. in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Bernd Wilhelm S. war gegen die Entscheidung nach Karlsruhe gezogen erfolglos. Landgerichtssprecher Dr. Volker König teilte gestern mit: „Der Bundesgerichtshof hat die Revision des Angeklagten als unbegründet verworfen, da das Urteil keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten erkennen lasse.“

Das Landgericht sah die Geschichte so: S. lebte normal und unauffällig, führte mit seiner Frau seit 1966 eine glückliche Ehe, er liebte sie. 31 Jahre lang arbeitete er als Kfz-Mechaniker, hatte den Meistertitel. Nach Erreichen des Rentenalters kaufte sich das Paar ein Haus in Karwitz.

2008 kam es zu ersten, aber nicht ernsthaften Auffälligkeiten, S. fühlte sich schwermütig, depressiv, merkte, dass das Alter an ihm nagt. Er begab sich zwei Mal freiwillig in psychiatrische Behandlung. Im Sommer 2013 zeigte sich dann eine manische Phase, der 70-Jährige war voller Euphorie, wollte ein zweites Haus kaufen und war so überschwänglich, wie ihn seine Frau und seine Nachbarn nicht kannten. Das machte seiner Frau Angst. Richter Kompisch: ,,Sie ging den schwersten Schritt, den man in einer Ehe gehen kann, sie regte an, dass S. unter Betreuung gestellt wird.“ Es folgte ein Aufenthalt in der Psychiatrie. Das größte Prob-lem für S. dabei: Er fühlte sich nicht krank. Nach seiner Entlassung wurde er wieder depressiv, es kam aber auch möglicherweise durch eine falsche Medikation eine manische Phase hinzu.

Einen Tag nach der Tat am 14. Februar 2014 sollte er wieder in die Psychiatrie. Am Tatmorgen brach laut Urteil bei S. der aggressive Impuls durch, seine Ehefrau zu töten. Er habe in dem Moment, als er zudrückte, genau gewusst, dass er seine Frau umbringt. Nach diesem manischen Moment habe wieder eine depressive Phase eingesetzt: Er wollte sich selbst töten, stach sich mit einem Messer mehrfach in den Hals. Wenig später waren die Polizei und der Notarzt am Tatort. Die Kammer sah von S. eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgehen das bekräftigte jetzt der BGH.