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Verkehrsführung an Baustellen  das ist ein Punkt, den Lüneburger beim neuen Fahrradklima-Test des ADFC kristisieren: Note 4,6. Foto: t&w
Verkehrsführung an Baustellen das ist ein Punkt, den Lüneburger beim neuen Fahrradklima-Test des ADFC kristisieren: Note 4,6. Foto: t&w

Lüneburg erreicht beim ADFC-Fahrradklima-Test nur einen Platz im Mittelfeld

us Lüneburg. Holprige, zu schmale Wege, Behinderungen durch Falschparker, schlechte Ampelschaltungen, ungenügende Führung an Baustellen, zu wenig Fahrradplätze in Bussen es gibt vieles, was Radfahrer schon seit langem in Lüneburg kritisieren. Jetzt haben sie Unterstützung vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) bekommen, der die Ergebnisse seines aktuellen Fahrradklima-Tests veröffentlicht hat. Neben Kritik gab es aber auch positive Stimmen.

An der sechsten Umfrage des ADFC im vorigen Herbst haben bundesweit rund 100000 Personen in 468 Städten und Gemeinden teilgenommen hauptsächlich online. Nach dem Schulnoten-Prinzip durften die Teilnehmer die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt bewerten, insgesamt 27 Fragen beantworten. In Lüneburg haben 196 Personen Bewertungen abgegeben.

„Es gibt keine Verbesserungen, aber auch keine gravierenden Verschlechterungen. Lüneburg ist mittelmäßig, aber in guter Ausgangsposition nach oben“, wertete der ADFC Lüneburg das Ergebnis für die Hansestadt. In der Gesamtbewertung der Städtegrößengruppe 50000 bis 100000 Einwohner landete Lüneburg mit der Note 3,62 auf Platz 34 von insgesamt 100 Städten dieser Gruppe, im Vorjahr war es allerdings noch Platz 32.

Positiv wurden in Lüneburg die Infrastruktur und das Radwegenetz bewertet. Für die Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Fahrrad vergaben die Teilnehmer die Note 2,1, der Durchschnittswert in dieser Gruppe liegt bei 2,5. Auch für die schnelle Erreichbarkeit von Zielen (2,4) und die Möglichkeit, Einbahnstraßen auch in Gegenrichtung befahren zu können (2,6), gab es gute Noten oberhalb des Gruppendurchschnitts. Ebenfalls besser als der Notendurchschnitt wurde die öffentliche Nutzung von Leihfahrrädern bewertet: Note 2,4. Hier wurde Lüneburg nur von Norderstedt und Offenburg (je 2,2) übertroffen.

Weniger zufrieden zeigten sich die Lüneburger mit dem Stellenwert, den das Radfahren in ihrer Stadt hat. So gab es Note 4,3 für die großzügige Duldung von Falschparkern auf Radwegen, 4,2 für nicht gut aufeinander abgestimmte Ampelschaltungen. Und die Stadt, die sich gern mit ihrer Fahrradfreundlichkeit rühmt, erhielt für ihr Engagement lediglich die Note 4,0. Die schlechtesten Bewertungen aber gab es im Bereich „Komfort beim Radfahren“. Vor allem die zu schmalen Radwege (4,6) und zu geringen und teuren Mitnahmemöglichkeiten im Bus (4,5) stießen auf Kritik.

Die gab es auch beim Thema Sicherheit beim Radfahren, hier schnitt Lüneburg bei den meisten Fragen schlechter als der Durchschnitt ab. Genannt wurden Konflikte zwischen Radlern und Autofahrern (4,0) häufige Fahrraddiebstähle (4,1) sowie Behinderungen auf Fahrbahnen (4,1).

Für den ADFC hat das mangelnde Sicherheitsempfinden Alarmwirkung: „Wenn sogar die Intensiv-Radfahrer sagen, dass sie sich mit dem Rad auf der Straße nicht sicher fühlen, dann schrillen bei uns die Alarmglocken. Denn wir wissen aus internationalen Studien, dass die gefühlte Sicherheit der entscheidende Faktor ist bei der Frage: Steige ich aufs Rad oder ins Auto. Wer mehr Radverkehr will, muss hier ansetzen.“

Tobias Neumann, Vorstandsmitglied des ADFC Lüneburg, sieht in den Ergebnissen der Befragung auch positive Effekte: „Die Stadt hat in den letzten Jahren viel ins Fahrradleihsystem Stadt-Rad investiert. Das zahlt sich jetzt aus.“

Die Stadt wertet das Ergebnis insgesamt zwar positiv, erkennt aber auch Handlungsbedarf. „Offenbar werden die Maßnahmen zur Verbesserung der Radverkehrsinfrakstruktur nicht von allen Befragten als solche gesehen, wie die Benotung bei der Fahrradförderung in jüngster Zeit zeigt. Das ist schade, motiviert aber andererseits dazu, noch mehr für den Radverkehr zu tun“, kommentierte Verkehrsdezernent Markus Moßmann das Ergebnis. Zu den besonders kritisierten Radwegebreiten hieß es, hier sehe man nur begrenzte Möglichkeiten, da die Stadt an vielen Stellen sehr eng sei. Eine Lösung sei die Abmarkierung von Radstreifen wie auf der Dahlenburger Landstraße und der Hamburger Straße.

Der Lüneburger ADFC fordert nun, die im Dezember 2014 beschlossene Evaluierung des bestehenden Radwegekonzepts zügig anzugehen. Mit den Ergebnissen aus dem Fahrradklima-Test habe die Stadt ausreichend Anhaltspunkte für das weitere Vorgehen.

Auch die Stadt erklärte, dass es hinsichtlich mancher Umfragenoten noch Klärungsbedarf mit dem ADFC gebe. „Wir haben den Arbeitskreis Verkehr vor einigen Jahren wieder ins Leben gerufen und sehen hier ein gutes Gremium, um uns mit den Verkehrsverbänden auszutauschen, uns der Kritik zu stellen und Verbesserungsvorschläge aufzugreifen“, erklärte Markus Moßmann.

4 Kommentare

  1. Die Frage ist, wie konnte sie überhaupt sogut abschneiden. Wer schonmal von der Uni in Richtung Adendorf fahren wollte weiß was ich meine. Es ist nunmal eine Hauptachse da sie relativ ohne Umwege diese beiden Punkte verbindet. Es fängt an das kurz hinter der Uni das Radfahren verboten ist, also muss bergab durch den Wald gefahren werden (erstmal nicht schlimm), doch kurz hinter der Eisenbahnquerung muss dieser Berg wieder hochgefahren werden um den „Amselweg“ Richtung Wilschenbruch überqueren zu können. Dann geht es wieder Bergab in einer engen Kurve unter der Willy-Brandt-Straße hindruch. Ab hier muss auf der „falschen“ Straßenseite gefahren werden (obwohl auf der anderen Seite genügen Platz wär). Auf höhe des neuen Museums endet der Radweg aufeinmal. Möchte man dennoch weiter Fahren, muss man die Straßenseite wechseln um direkt am Lösegraban entlang zu Radeln. Hierzu muss man wieder bergabfahren (bzw Tragen wegen Stufen). Kurz vor dem Kino muss man eine Schleife fahren (bzw Schieben wegen der großen Steigung und unübersichtlichkeit) um auf die Bockelmannstraße zu kommen (dann wieder auf der falschen Straßenseite). Dann gehts im Lünepark auf die Straßen, da keine Radwege vorhanden sind. Möchte man die „Lise-Meitner-Straße“ kreuzen braucht man viel glück und Mut dafür und dann auf der falschen Seite weiter nach Adendorf zu radeln.

    Sobald es nichteinmal möglich ist auf Hauptachsen Radzufahren kann die Stadt garnciht gut abschneiden. Zu der beschriebenden Routenführung gibt es auch kaum alternativen. Über den Stint fällt aus, wegen Kopfsteinpflaster.

    • Die Frage ist, wie konnte sie überhaupt so gut abschneiden.
      Ich habe da einen Verdacht. Würde die Beurteilung zu schlecht abfallen, würden die Beurteilenden nie wieder in die Gelegenheit kommen,. eine Beurteilung abzugeben.

    • Ich stimme dem zu, die Durchquerung von Lüneburg mit dem Rad ist eine Zumutung, für Ortsunkundige eine Gefährdung. Ich selber bin schon einmal mit einer Schulklasse am Museum gestrandet, auf der falschen Straßenseite. So etwas Skandallöses gibt es wirklich kein zweites Mal, dass eine Hauptverkehrsachse nicht für Radfahrer nutzbar ist. Irgendwie auf verschlungenen Wegen sind wir dann tatsächlich beim Kinocenter angelangt. Eine Stadt mit solcher Radwegführung sollte sich unterstehen, sich an Wettbewerben zu beteiligen.