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Düstere Aussichten für die Domschänke, die laut Denkmalschützern als ältestes Profangebäude des Domfleckens gilt. Der Eigentümer erwägt den Abriss, der Flecken will das historische Haus erhalten. Foto: t&w
Düstere Aussichten für die Domschänke, die laut Denkmalschützern als ältestes Profangebäude des Domfleckens gilt. Der Eigentümer erwägt den Abriss, der Flecken will das historische Haus erhalten. Foto: t&w

Domschänke vor ungewisser Zukunft

dth Bardowick. Die Bardowicker Domschänke zählt zu den ältesten Gebäuden im Landkreis Lüneburg. Im Flecken selbst ist es das älteste Profangebäude, erbaut im 16. Jahrhundert. Im direkten Umfeld ist nur der benachbarte Dom noch älter. Doch weiterhin schwebt das Damoklesschwert des Abrisses über dem Gebäude, das sich in Privateigentum befindet.

Nachdem die ehemaligen Pächter die Domschänke heruntergewirtschaftet und in einem jüngeren Gebäudeteil einen erheblichen Wasserschaden hinterlassen hatten, zog Eigentümer Matthias Lühmann aus wirtschaftlichen Gründen den Abriss in Erwägung, fühlte deshalb bereits im Frühjahr 2014 beim Denkmalschutz vor. Die Gemeinde dagegen will das historische Gebäude erhalten. Trotz mehrerer Gespräche und Verhandlungsrunden hat sich seither wenig bewegt. Zuletzt hat es Anfang Januar ein informelles Treffen gegeben mit Vertretern der Kommune, der Denkmalschutzbehörden und dem Eigentümer. Auf Einladung der Gemeinde war auch CDU-Bundesabgeordneter Eckhard Pols dabei. Vor Ort haben die Teilnehmer ausgelotet, wie der historische Kern des Gebäudes erhalten werden kann, welche Fördermöglichkeiten bestehen.

Dr. Gernot Fischer vom Lüneburger Stützpunkt des Niedersächsischen Landesamtês für Denkmalpflege sagte auf LZ-Nachfrage: „Es gibt verschiedene Programme, die in Frage kommen. Doch zunächst muss der Gemeinde klar sein, was sie vor hat.“ Dabei gerät der Flecken Bardowick zunehmend unter Zugzwang. Gemeindedirektor Heiner Luhmann nennt mögliche Szenarien, bei denen der Flecken Bardowick für den Erwerb des Gebäudes zuständig wäre und die Samtgemeinde Bardowick als Mieter und Nutzer auftreten könnte.

Einen Vorschlag dazu hatte der kürzlich in den Ruhestand verabschiedete Bezirksarchäologe Jan Joost Assendorp eingebracht. Er sieht in der Domschänke einen geeigneten Raum für eine archäologische Ausstellung über Bardowick.

Doch dazu müsste die Kommune Zugriff auf den alten Teil der Domschänke erhalten. Für die Zeit der Verhandlungen eine Art Miete für das leerstehende Gebäude an den Eigentümer zu zahlen, hat die Gemeinde abgelehnt. Lühmann hingegen hat ein Kaufangebot der Gemeinde ausgeschlagen. Auf Nachfrage sagte er: „Ein Verkauf oder Teilverkauf kommt nicht infrage.“ Weitere Entwicklungen wolle er nicht kommentieren. Auch Gemeindedirektor Luhmann gibt sich zugeknöpft: „Wir sichten weitere Optionen und werden weitere Gespräche führen.“

Den Fingerzeig auf eine Option gab Pols: „Die Domschänke könnte in das Denkmalschutz-Sonderprogramm der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien zur Förderung von Einzeldenkmälern passen.“ Für 2015 seien die Mittel vergeben, ein Antrag für 2016 jedoch im Zeitrahmen. Pols: „Im Falle eines Antrages werde ich den weiteren Prozess positiv begleiten. Dazu muss der Eigentümer mitgenommen werden.“ Pols verweist auf erfolgreiche Beispiele in der Stadt Lüneburg, etwa auf Restaurierungsmaßnahmen im Brömse-Haus, bei denen diese Art der Förderung zum Zuge kam. An die beteiligten Akteure in Bardowick appellierte Pols: „Leute, lasst uns diesen Weg zum Erhalt der Domschänke gehen, aber ihr müsst auch kommen.“

Geschichte
Die Domschänke ist ein gewachsener Gebäudekomplex, mit einem historischen Kern sowie Anbauten aus den 1950er-Jahren, die das historische Fachwerk kopierten, und einem jüngeren Anbau aus den 1990er-Jahren. Besonders schützenswert ist bei der Domschänke aus Sicht des Landesamtes für Denkmalpflege der dem Dom zugewandte Fachwerkbau mit drei Gefachen an der nördlichen Seite und fünf Gefachen an der östlichen Seite. Seit 1961 ist die Domschänke im Besitz der Familie Lühmann. Damals übernahm der Destillateur August Lühmann die Domschänke, der zuvor seinen Firmensitz Hinter der Bardowicker Mauer in Lüneburg hatte. Heute ist das Gebäude im Besitz von Sohn Matthias Lühmann. Seit Mai 2013 steht die Domschänke leer, nachdem Lühmann den damaligen Pächter wegen Mietrückständen per Räumungsklage herausbefördert hat. Teile des Gebäudes sind verwohnt. Der ehemalige Tanzsaal, der allerdings nicht mehr zum historischen Kern gehört, ist infolge eines Wasserschadens stark in Mitleidenschaft gezogen worden und inzwischen entkernt.