Dienstag , 27. September 2016
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Der Wiederaufbau am Stint hat begonnen. Vom Keller des alten Lösecke-Hauses, das bei einem Feuer im Dezember 2013 zerstört wurde, bleibt vieles erhalten. Foto: t&w
Der Wiederaufbau am Stint hat begonnen. Vom Keller des alten Lösecke-Hauses, das bei einem Feuer im Dezember 2013 zerstört wurde, bleibt vieles erhalten. Foto: t&w

Aufwendige Konstruktion trägt das neue Lösecke-Haus am Stintmarkt

ca Lüneburg. Im Postkarten-Idyll am alten Hafen klafft eine hässliche Lücke. Doch, wenn alles gut läuft, soll sie zum Jahreswechsel geschlossen sein. Dann dürfte das ehemalige Lösecke-Haus durch einen Neubau ersetzt sein, der sich bis auf Kleinigkeiten am historischen Vorbild orientiert.

„Der alte Keller bleibt erhalten“, sagt Architekt Jörg Hilmer. Nicht nur das Gewölbe, sondern vor allem eine Pfahlkonstruktion soll das Gebäude tragen. Der Fachmann, der die Einzelheiten für Hauseigentümer Michael von Hartz koordiniert, hat Monate mit der Stadt verhandelt, um die Konzeption absegnen zu lassen.

Und die hat es zumindest für Laien in sich: Rund 70 Pfähle sollen zwischen die Mauern gesetzt werden, um den Neubau zu schultern, denn der wiegt deutlich mehr, als der durch Brandstiftung zerstörte Vorgänger. Decken, die einst durch Holzbalken getragen wurden, müssten heute aus Beton sein, erläutert Hilmer. Das diene einem besseren Brand- und Lärmschutz und sei inzwischen Vorschrift. Doch was passiert? Erst einmal haben Arbeiter dem Keller mit sogenannten Drehsteifen und Verschalungen eine Tragkraft gegeben. Denn später müssen mehr als zwölf Tonnen schwere Baumaschinen über die Kellerdecke rollen können, um etwa die Pfähle setzen zu können.

Über das Gewölbe ist ein Balkenrost gesetzt worden. Er liegt über den Zwischenräumen des Gewölbes. „Zwischen den Mauern sind mit Erde verfüllte Hohlräume“, erklärt der 52-Jährige. Die nutzen die Handwerker später: Hier drehen sie Röhren, je nach Bedarf, 20 bis 30 Meter tief ins Erdreich. Durch diese Zylinder wiederum drehen sie sieben Zentimeter dicke Gewindestangen. Anschließend drücken Fachleute in die Hüllen Beton. Die Röhren werden gezogen. Hilmer sagt: „Die Reichenbachbrücke ist vor ein paar Jahren nach dem gleichen Prinzip gebaut worden.“

Der Sinn: Wenn der Beton hart ist, hat er zum einen eine tragende Wirkung. Vor allem aber besteht quasi eine „Mantelreibung“ zum umgebenden Erdreich. Der Boden hält die Konstruktion sozusagen mit fest. Probleme könnten Findlinge in der Tiefe machen. Treffen die Arbeiter auf die Brocken aus der Eiszeit, muss entweder ein Spezialbohrer ran, um sie zu knacken. Klappt das nicht, muss der Stahlnagel ein Stück weitergesetzt werden.

Aufgrund der unterschiedlichen Lasten des Baus müssen in der Mitte beispielsweise mehr solcher Pfähle stehen als an der Wasserseite. Um den 20. März herum soll mit den Bohrarbeiten begonnen werden.

Auch im Inneren ist ein großer Aufwand notwendig. So installieren Handwerker ein besonderes Lüftungssystem, das im Brandfall Rauch wegdrückt und das Treppenhaus mit ausreichend Luft versorgt als Fluchtweg für die Bewohner.

Mit rund 3,5 Millionen Euro Kosten veranschlagt Hilmer die Bauarbeiten. Dazu komme noch mal rund eine halbe Million für Planungen, Statik, Genehmigungen und Gebühren. Allein der Erhalt des Gewölbekellers durch die Pfahlkonstruktion schlage mit einer halben Million zu Buche.

Ende diesen, Anfang nächsten Jahres sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein, die soweit möglich von Unternehmen aus der Region ausgeführt werden. Dann könnten der Irish Pub und die Trattoria, die vor dem Brand in dem Gebäude zu Hause waren, wieder öffnen. Die alten Wirte haben Interesse daran.

Auch Wohnungen entstehen, in eine will Hausbesitzer Michael von Hartz ziehen, hoch oben unterm Dach. Um eins ringt er noch mit der Stadt: um zwei Fenster zur Ilmenau. Die passen nach Meinung des Bauamtes nicht in das Haus, das er mit Millionen-Aufwand restauriert.