Mittwoch , 28. September 2016
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Hiltrud Lotze (SPD), Dr. Julia Verlinden (Grüne), Eckhard Pols (CDU) und Herbert Behrens (Linke) tauschten im Glockenhaus ihre Standpunkte zum Thema Fracking aus. Foto: lkö
Hiltrud Lotze (SPD), Dr. Julia Verlinden (Grüne), Eckhard Pols (CDU) und Herbert Behrens (Linke) tauschten im Glockenhaus ihre Standpunkte zum Thema Fracking aus. Foto: lkö

Lüneburger Bundestagsabgeordnete diskutieren über Fracking-Gesetz

lkö Lüneburg. Jeder Platz im Glockenhaus ist besetzt, und es wird schon vor Beginn der Veranstaltung aufgeregt diskutiert: Das Thema der Podiumsdiskussion beunruhigt viele Lüneburger. Die Bundestagsabgeordneten Eckhard Pols (CDU), Hiltrud Lotze (SPD), Herbert Behrens (Die Linke) und Dr. Julia Verlinden (Grüne) wollen ihre Standpunkte zum umstrittenen Gesetzentwurf der Bundesregierung, der die Gasfördermethode Fracking reglementieren soll, darlegen. Eingeladen hatte dazu die Initiative „Wir gegen Fracking“.

Bevor den Diskutanten die Bühne überlassen wird, gibt Energieingenieur Thorben Gruhl einen Überblick. Der jetzige Gesetzentwurf, den die Bundesregierung als ein „Fracking-Verbot“ tarne, sei eigentlich viel mehr ein „Fracking-Ermöglichungsgesetz“, urteilt er. Das Einzige, über das noch in einer Kommission verhandelt werde, sei eine Einschränkung für das Fracking in Schieferformationen oberhalb von 3000 Metern Tiefe. Aber im Gesetzentwurf sei keine Spur von Natur- oder Trinkwasserschutz.
Dann startet Moderator Ingo Köhne die Diskussion, achtet dabei stets darauf, dass die Redebeiträge fair bleiben. Doch inhaltlich scheinen die Diskutanten zu Beginn gar nicht so weit auseinander zu liegen. Alle sprechen sich gegen Fracking aus. Hiltrud Lotze (SPD) nennt die Methode „entbehrlich, da sie nichts zur Energiewende beitrage“. Eckhard Pols (CDU) bezweifelt, ob Fracking wirklich so wirtschaftlich sinnvoll sei. Wozu also die ganze Diskussion?

Julia Verlinden will wissen: „Herr Pols, woher kommt denn Ihr Optimismus? Ihre Parteikollegen klingen aber ganz anders.“ Die Grüne ist überzeugt: „Die Menschen wollen kein Fracking. Keiner will das in Deutschland.“ Dafür erntet die Abgeordnete viel Applaus. Das gelingt an diesem Abend sonst nur Behrens (Linke), denn das Publikum ist ohne jeden Zweifel auf der Seite der Fracking-Gegner. Behrens fordert: „Wir brauchen ein klares Fracking-Verbot, damit findige Energiekonzerne nicht durch die Hintertür kommen können. Hinter dem Fracking-Gesetzentwurf stecken schließlich nicht nur Gabriel und Hendricks, sondern die großen Konzerne.“ Er fordert ein Ausstiegsgesetz, so wie es bei der Atomenergie auch gemacht wurde.

Pols wünscht sich eine überparteiliche Einigung. Als ein Zuhörer aus dem Publikum nach Gründen fragt, die für Fracking sprechen, erklärt der Christdemokrat: „Es geht ja nicht nur darum, dass unsere Wohnzimmer alle warm sind, sondern es geht auch um die Wirtschaft.“ Auch Hiltrud Lotze lenkt ein. Als Sozialdemokratin sei sie verpflichtet, an die Arbeiter zu denken: „95 Prozent des geförderten Erdgases kommen aus Niedersachsen, und da sind 20000 Leute beschäftigt. Ein Ausstieg will also gut geplant sein.“

Viele Lüneburger fragen auch nach dem Verbleib des Lagerstättenwassers. Schließlich würden pro Bohrung mehrere Tonnen Wasser mit Chemikalien verunreinigt, um das Gestein aufzubrechen und an das Erdöl zu kommen. Pols meint: „Das kann man aufbereiten.“ Behrens widerspricht: „In den großen Mengen ist eine Aufbereitung unmöglich.“ Wohin also damit? Eine Frau aus dem Publikum gibt zu bedenken, dass die Verantwortung auf die nächste Generation übertragen wird wie beim Atommüll.