Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Auf diesem Gelände im nördlichen Bereich des Speicherquartiers will die Stadt bezahlbaren Wohnraum schaffen. Foto: be
Auf diesem Gelände im nördlichen Bereich des Speicherquartiers will die Stadt bezahlbaren Wohnraum schaffen. Foto: be

Bezahlbare Wohnungen – Stadt Lüneburg stellt Planungen für Fläche im Norden des Speicherquartiers vor

as Lüneburg. Wohnungen zu bezahlbaren Mieten, das wurde in den vergangenen Monaten oft gefordert und viel diskutiert. Nun will die Stadt ein entsprechendes Angebot auf der Fläche im nördlichen Bereich des Speicherquartiers schaffen. Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Stadtbaurätin Heike Gundermann stellten das Vorhaben im Bauausschuss vor, der sich einstimmig dafür aussprach. Bereits im Herbst könnte mit dem Bau der ersten Gebäude begonnen werden.

1,26 Hektar groß ist das Grundstück, das sich zwischen Meisterweg, der Dorette-von-Stern-Straße und der Bahnlinie Lüneburg-Lübeck befindet. Es ist im Besitz der Stadt Lüneburg. Ursprünglich hatte die Lebenshilfe vor, dorthin ihre Werkstätten zu verlagern. Doch daraus wurde nichts. Nun will die Stadt den bestehenden Bebauungsplan dahingehend ändern, dass dort Mischgebiet statt bisher Gewerbegebiet ausgewiesen wird. Entlang einer Straße, die das Areal sozusagen teilt, sollen Wohngebäude entstehen. „Zur Bahnseite hin zwei- bis dreigeschossig mit Staffelgeschoss, zur Seite Meisterweg hin zweigeschossig mit Staffelgeschoss“, erläuterte Gundermann. Im Nordosten ist eine Stellplatzanlage geplant. „Wir werden den Bebauungsplan im März auslegen, sodass die Bauherren anschließend die Gebäude planen können“, sagte die Stadtbaurätin.

Die Stadt hatte das Gelände der ehemaligen Standortverwaltung vom Bund erworben, um dort schrittweise das Speicherquartier zu entwickeln. Zu der Fläche im Norden erläuterte Oberbürgermeister Mädge, dass diese nun an die historischen Stiftungen, die die Stadt verwaltet, verkauft werden soll. Das Gelände wird dann in vier Teilflächen parzelliert. Zur Bahnseite hin wird für eine Fläche die Stiftung als Bauherr auftreten und dort bezahlbaren Wohnraum für ältere Menschen im Sinne des Stiftungszwecks erstellen. Zwei weitere Flächen sollen im Erbbaurecht an die Lüneburger Wohnungsbaugesellschaft vergeben werden, die dort einerseits Geschossbauten und andererseits Reihenhäuser errichten soll. Die vierte Fläche soll im Erbbaurecht an private Investoren für Wohnungsbau vergeben werden.

Laut Oberbürgermeister Ulrich Mädge könnte so Wohnraum für Singles, für Zwei-Personen-Haushalte und Familien entstehen. „50 Prozent davon im preisgünstigen Segment, die anderen leicht darüber.“ Allerdings hängt die Umsetzung durch die Lüwobau auch davon ab, ob und inwieweit Wohnungsbau-Fördermittel vom Land eingeworben werden können. Der Verwaltungschef machte auch deutlich: „Wir stärken die Stiftungen, indem wir ein Erbbaurecht vergeben.“ Die Ausschussmitglieder überzeugte das Konzept. Einstimmig votierten sie für die Änderung des Bebauungsplanes und die Auslegung.

Pool für Ausgleichsflächen
Wenn eine Kommune Bau- und Gewerbegebiete ausweist, geht das meist zu Lasten von unbebauten Flächen, oft Wald- und Wiesenflächen. Laut Naturschutzgesetz muss die Kommune andernorts, entweder in unmittelbarer Nähe oder aber im übrigen Stadtgebiet, für Ersatz sorgen. Dabei handelt es sich dann um die sogenannten Ausgleichsflächen. Im Bauausschuss stellte Matthias Eberhard, Bereichsleiter Stadtplanung, nun eine Übersicht mit Ausgleichsflächen vor, die zu bestehenden Baugebieten gehören. Um darüber hinaus künftige Ausgleichsflächen zu sichern, soll ein Flächenpool entstehen. Neun Teilflächen hat die Stadt, die ihr überwiegend gehören, ins Visier genommen. Dazu gehören vier Flächen in der Gemarkung Ochtmissen, eine jeweils in Böhmsholz, in der Ilmenauniederung Tiergarten und entlang des Raderbaches. Außerdem geht es um eine Fläche am Schulzentrum Oedeme, die dem Landkreis gehört, sowie um ein Areal, das in Privatbesitz ist und das die Stadt erwerben möchte. Eberhard erläuterte, welche Form der Renaturierung bei den einzelnen Flächen angestrebt wird. So soll zum Beispiel das größte Areal mit 52,8 Hektar, das sich rund um den Nord-West-Friedhof erstreckt, teilweise aufgeforstet werden, aber auch Feldhecken erhalten. Der Raderbach, teilweise schon renaturiert, soll insgesamt in einen naturnäheren Zustand gebracht werden. Auf den Pool kann die Stadt dann zurückgreifen, wenn sie Flächen wie am Ebensberg entwickeln möchte. Für den Ausgleichsflächenpool muss der Flächennutzungsplan geändert, ein Bebauungsplan aufgestellt werden.
Andreas Meihsies (Grüne) nannte das Ganze einen „großen Wurf. Nach dem Grüngürtel-West die zweitwichtigste Entscheidung in Sachen Landschaftsschutz“. Gleichzeitig ermögliche man dadurch das Bauen an anderer Stelle. Lob für die Planungen der Verwaltung kam auch von Rainer Petroll (Linke), Klaus-Dieter Salewski (SPD) und Birte Schellmann. Die FDP-Politikerin gab aber zu bedenken, dass genau zu überlegen sei, was auf welcher Fläche des Pools entwickelt wird. Bei einer Enthaltung wurde die Änderung des Flächennutzungsplanes sowie die Aufstellung des Bebauungsplanes beschlossen.