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Haben Sie noch ein Bett in Ihrer Wohnung frei? wollen die Leuphana-Studenten und Hermann Josef Hackmann (l.) wissen. Foto: t&w
Haben Sie noch ein Bett in Ihrer Wohnung frei? wollen die Leuphana-Studenten und Hermann Josef Hackmann (l.) wissen. Foto: t&w

Quartier für Klima-Flüchtlinge gesucht

us Lüneburg. Rot-weiß-gestreifte Absperrbänder, junge Menschen mit neongelben Warnwesten, darauf der Aufdruck „UN Ordnungsamt“, auf dem Gehweg ein mit Kreide aufgemaltes Zimmer mit Betten für Kinder und Erwachsene. Verwundert blieben jetzt Passanten am Eingang zur Kleinen Bäckerstraße stehen, kaum einer konnte sich einen Reim aus dem Geschehen machen, das sich vor ihnen abspielte. Einige sahen sich plötzlich einem der „Ordnungshüter“ gegenüber und wurden mit der Frage konfrontiert: „Haben Sie noch Platz für einen Klima-Flüchtling?“

„Wir haben uns zu dieser spontanen Aktion entschlossen, um auf ein Problem aufmerksam zu machen, das uns alle angeht“, sagt Sophia Tobis. Die Hamburgerin ist eine von rund 1500 Studenten, die in dieser Woche ihr erstes Semester an der Leuphana abschließen und sich im Rahmen der jetzt laufenden Leuphana-Konferenzwoche diese Aktion vorgenommen haben. „Klima.Wandel.Gerechtigkeit“ lautet das diesjährige Motto, Sophia und ihre zehn Mitstreiter haben die globalen Folgen des Klima-Wandels in den Blick genommen.

„Die Genfer Flüchtlingskonvention kennt nur Verfolgung und Vertreibung, aber keine Klima-Flüchtlinge“, sagt Hermann Josef Hack. Als freier Künstler und Gastdozent hat er die Idee zu dieser Aktion entwickelt. Bis 2050 soll es laut UN 200 Millionen Klima-Flüchtlinge weltweit geben, „ein Problem, für das wir direkt verantwortlich sind und dessen Folgen wir deshalb auch hier mittragen müssen“. Nur, wenn auch hier Wohnraum bereitgestellt werde, lasse sich das Problem eindämmen. „Vor allem aber geht es uns darum, Neugier zu wecken, und das scheint uns zu gelingen.“